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11.01.2010

10:59 Uhr

Rüstungsindustrie

Der „Krieg gegen den Terror“ – ein bombensicheres Geschäft

VonNils Rüdel

Der „Krieg gegen den Terror“ ist noch lange nicht gewonnen, die Rüstungsspirale dreht sich seit dem Ende des Kalten Krieges schneller denn je. Vorne mit dabei: die deutschen Waffenhersteller. Krise und leere Kassen dämpfen den Rüstungsboom indes nur leicht – die Industrie hat sich auf die neuen Herausforderungen eingestellt.

US-Marine in Afghanistan: Dritte Front im Jemen? Reuters

US-Marine in Afghanistan: Dritte Front im Jemen?

DÜSSELDORF. Was den amerikanischen Geheimdiensten schon länger klar ist, fand erst durch eine Beinahe-Katastrophe den Weg in die beunruhigte Öffentlichkeit. Es gibt einen neuen Ort auf der Welt, an dem El Kaida ihre Kämpfer rekrutieren kann, recht ungestört, wie in Afghanistan vor der Nato-Invasion: den Jemen. Umar Faruk Abdulmutallab, der an Weihnachten um ein Haar ein Passagierflugzeug in die Luft gesprengt hatte, war offenbar dort in einem Terrorlager ausgebildet worden.

Prompt beherrschte vor allem ein Thema die Schlagzeilen und Talkshows in Amerika: Sollen die US-Truppen jetzt auch auf der arabischen Halbinsel intervenieren? Immerhin sprach Außenministerin Hillary Clinton von einer „Bedrohung für die Stabilität der Region und der gesamten Welt“. Erste Schläge gegen El-Kaida-Kämpfer soll es Anfang Januar schon gegeben haben, gleichzeitig wird die US-Militärhilfe für Sanaa dieses Jahr kräftig erhöht. Die USA eröffneten „eine dritte Front“, titelte die „New York Times“.

Irak, Afghanistan und Pakistan, jetzt Jemen: Der „Krieg gegen den Terror“ ist noch lange nicht gewonnen. Er weitet sich stattdessen aus. Erst kürzlich hat US-Präsident Barack Obama entschieden, weitere 30 000 Mann an den Hindukusch zu schicken.

Profiteur der Rüstungsspirale ist die Waffenindustrie. Allen voran Boeing, der größte Rüstungskonzern der Welt, der 2007 nach Berechnungen des anerkannten Stockholmer Internationalen Instituts für Friedensforschung (Sipri) rund 30,5 Mrd. Dollar Umsatz mit Kriegsgerät erwirtschaftete. Außer dem nächstgrößten, der britischen BAE Systems (29,9 Mrd. Dollar), finden sich unter den größten zehn vor allem US-Konzerne: Lockheed Martin, Northrop Grumman, General Dynamics oder Raytheon. Erst auf Platz sieben kommt der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit einem Rüstungsumsatz von 13,1 Mrd. Dollar. Sie alle können den von den USA angefeuerten weltweiten Wettlauf um die Waffen in ihren Bilanzen ablesen.

Wer nach dem Zusammenbruch des Ostblocks gehofft hatte, das Wettrüsten werde nun ein Ende haben, sieht sich 20 Jahre später enttäuscht: Die Welt ist nicht friedlicher geworden – und sie rüstet weiter auf. Laut Sipri sind die weltweiten Militärausgaben zwischen 1999 und 2008 um rund 45 Prozent auf knapp 1,5 Billionen Dollar gestiegen. Sehr vorsichtig geschätzt, wie die Forscher schreiben. „Das wahre Ausmaß ist mit Sicherheit weitaus höher.“

Kommentare (1)

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Ullrich F.J. Mies

15.03.2010, 12:52 Uhr

Fragst sich nur, wer den "Krieg gegen den Terror" und seine eigentliche basis, 9/11, initiiert und losgetreten hat, der nun als "begründung" für den Aufstieg der Rüstungsindustrie herhalten muss.

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