Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.12.2013

13:58 Uhr

Rüstungskonzern

EADS will mehr sparen als gedacht

Um mehr als 300 Millionen Euro will EADS die Kosten senken: Jobs abbauen, Sparten zusammenlegen und Preise anpassen – so soll die Rosskur gelingen. Doch EADS muss nicht nur den Konzern umstrukturieren.

Den Eurofighter will der designierte Spartenchef billiger anbieten: Künftig werde man keinen Auftrag mehr wegen des Preises verlieren. dpa

Den Eurofighter will der designierte Spartenchef billiger anbieten: Künftig werde man keinen Auftrag mehr wegen des Preises verlieren.

MünchenEADS will durch die anstehende Umstrukturierung samt Jobabbau viel mehr Geld einsparen als bisher angenommen. Vorstandsmitglied Bernhard Gerwert wollte zwar am Mittwochabend in München keine Summe nennen, antwortete aber auf die Frage, ob die Größenordnung bei 300 Millionen Euro pro Jahr liege: „Das reicht bei weitem nicht." Der Flugzeugbauer und Rüstungskonzern hatte vor kurzem den Abbau von europaweit 5800 Stellen zugunsten der Rendite angekündigt. Zudem sollen die Rüstungs- und Raumfahrtsparten zusammengelegt werden; Chef der neuen Einheit Airbus Defense & Space wird Gerwert.

Der Manager verwies auf die 15 Milliarden Euro, die EADS für das künftige Geschäftsfeld als Umsatz anpeilt. „Was sind da 300 Millionen?" Experten hatten das jährliche Einsparvolumen zuletzt in dieser Höhe geschätzt. Dies sei „viel zu wenig", sagte Gerwert und deutete an, dass EADS weitaus ehrgeizigere Ziele habe.

Der geplante Personalabbau soll 40 Prozent der beabsichtigten Kostensenkungen bringen. Wie viel Geld der Konzern für die Stellenstreichungen aufwenden muss, „werden wir im Februar sagen". Fachleute rechnen mit 250 bis 300 Millionen Euro.

Vom Superjumbo bis Ariane – was Airbus alles herstellt

Airbus

Der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen bietet eine breite Palette an: vom 100 Sitze zählenden A318 bis hin zum Superjumbo A380, in dem 500 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es 14 Modelle. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Die Tochter der nun gleichnamigen Mutter stellt bislang auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2012 auf einen Umsatz von 37 Milliarden Euro, davon 2,1 Milliarden Euro aus dem Rüstungsgeschäft.

Astrium

Dahinter verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von Airbus. Hergestellt werden beispielsweise Satellitensysteme. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2012 auf einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro.

Cassidian

Die Rüstungssparte produziert etwa den Kampfjet Eurofighter und das Aufklärungssystem Awacs. Das rentabelste Segment des Konzerns kämpft mit mauen Zukunftsaussichten und schlechter Exportlage. Vor allem dort erwartet die IG Metall den stärksten Personalabbau. Über Cassidian ist Airbus auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt und Anteilseigner beim Raketensystemanbieter MBDA. Dieser Geschäftsbereich machte 2012 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz.

Eurocopter

Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern kommt auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 Prozent. Zu den bekanntesten Produkten gehören der militärisch genutzt Tiger und der zivile EC225 Super Puma. Diese Sparte erlöste 2012 rund 6,3 Milliarden Euro.

Der EADS-Vorstand verteidigte die Rosskur, mit der das Unternehmen bis 2015 auf eine Rendite von zehn Prozent kommen will. „Wir sind heute nicht in einer Zwangslage." Ohne Personal, Kosten und Struktur anzupassen, könne der Konzern aber in den nächsten Jahren in Schwierigkeiten geraten. In Europa stagniere das Raumfahrt-Geschäft, das Verteidigungs-Geschäft schrumpfe höchstwahrscheinlich. „Der Markt wird, muss für uns außerhalb Europas sein." Schließlich wolle man in den nächsten drei bis fünf Jahren wachsen.

Der Umsatz mit dem Kampfflugzeug Eurofighter werde sich bis 2018 halbieren. Dies müsse kompensiert werden, etwa durch den Hochlauf des Militärtransporters A400M. Spätestens 2015 brauche man in der Eurofighter-Produktion neue Bestellungen, sagte Gerwert und nannte die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Malaysia und Dänemark als potenzielle Auftraggeber.

Der designierte Spartenchef will den Eurofighter billiger anbieten. Künftig werde man keinen Auftrag mehr wegen des Preises verlieren, sagte der künftige Vertriebschef der Sparte, Christian Scherer. Auf die Frage, ob der geplante Preisnachlass von 20 Prozent für den Eurofighter auch für den A400M gelte, antwortete er: „Das sollte auch eine der Konsequenzen sein."

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×