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19.10.2015

19:26 Uhr

Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann

Ex-Rüstungs-Manager räumt Schmiergeldzahlungen ein

Ein ehemaliger Manager der Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann hat gestanden, im Zuge einer Panzerlieferung an Griechenland den stellvertretenden Verteidigungsminister des Landes bestochen zu haben.

24 Panzerhaubitzen (hier ein Modell des Typs 2000) hat das deutsche Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann nach Griechenland geliefert. dpa

Panzerhaubitze

24 Panzerhaubitzen (hier ein Modell des Typs 2000) hat das deutsche Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann nach Griechenland geliefert.

MünchenEin früherer Manager des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat vor Gericht Schmiergeldzahlungen in Griechenland eingeräumt. Im Zusammenhang mit dem Kauf von Panzerhaubitzen um die Jahrtausendwende habe ein örtlicher Mittelsmann den stellvertretenden Verteidigungsminister bestochen, sagte der 72-jährige Angeklagte am Montag.

Er selbst habe von dem Mittelsmann ebenfalls Geld bekommen, das wohl aus den Provisionen für die Geschäftsvermittlungen vor Ort stammte. KMW habe nach seiner Kenntnis allerdings nie direkt Schmiergelder bezahlt.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Ex-Manager zur Last, im Zuge des Verkaufs von 24 Panzerhaubitzen über den Mittelsmann griechische Amtsträger mit insgesamt knapp acht Millionen Euro geschmiert zu haben. Außerdem habe er als früherer Chef des internationalen Vertriebs indirekt selbst 1,1 Millionen Euro in seine Tasche umgelenkt.

In welche Länder deutsche Waffen exportiert werden

Platz 10

Frankreich - 146,6 Millionen Euro*

Mit den Franzosen ist Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg auch militärisch eng verbunden. Die deutsche Rüstungsindustrie liefert dem Nachbarn fast alles - von Maschinengewehren und Munition über Panzer bis zu Schleudersitzen und Hubschraubersimulatoren. Insgesamt sinken die Exporte nach Frankreich aber.

*Wert der erteilten Einzelgenehmigungen im Jahr 2013. Quelle: Rüstungsexportbericht der Bundesregierung 2013

Platz 9

Singapur - 206 Millionen Euro

Der südostasiatische Stadtstaat gehörte 2013 unter den so genannten Drittstaaten zu den wichtigsten Käufern deutscher Waffen. Zwei Drittel der Importe sind gepanzerte Fahrzeuge, darunter Brückenlegepanzer und Pionierpanzer. Aber auch deutsche Navigationsausrüstung ist dort gefragt.

Platz 8

Südkorea - 207 Millionen Euro

Der ständig schwelende Konflikt mit dem nördlichen Bruderstaat macht Südkorea zum wichtigen Absatzmarkt. Neben der US-Rüstungsindustrie verkaufen auch die Deutschen dort etliche Waffensysteme, unter anderem Panzer, U-Boote und Flugabwehrsysteme.

Platz 7

Großbritannien - 257,8 Millionen Euro

Den Großteil der deutschen Waffenexporte an die Briten machen so genannte „unfertige Erzeugnisse“ aus - also Bauteile, die durch die britische Rüstungsindustrie weiterverarbeitet werden. Aber auch Handfeuerwaffen, Hubschrauber- und Kampfflugzeuge und Fallschirme werden auf die Insel verkauft.

Platz 6

Israel - 266,5 Millionen Euro

Wegen anhaltender Raketenangriffe auf Grenzstädte bauen die Israelis ihre Luftabwehr aus - auch mit deutscher Hilfe. 73,8 Prozent aller deutschen Waffenexporte nach Israel entfallen auf Flugabwehrsysteme. Auch deutsche Raketen sind gefragt.

Platz 5

Indonesien - 295,7 Millionen Euro

Mit 240 Millionen Einwohnern gehört die südostasiatische Inselgruppe zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Mit der deutschen Rüstungsindustrie machte das indonesische Militär im Jahr 2013 lukrative Geschäfte, unter anderem wurden Kampfpanzer, U-Boot-Teile und Kommunikationssysteme in die Region geliefert.

Platz 4

Saudi-Arabien - 361 Millionen Euro

Die Waffenexporte nach Saudi-Arabien wurden besonders scharf kritisiert, weil das saudi-arabische Königshaus mehrere Proteste blutig niederschlagen ließ. Die deutsche Rüstungsindustrie durfte 2013 trotzdem etliche Waffen an die Araber verkaufen, darunter 80.000 automatische Gewehre, aber auch Raketen, Luftaufklärungssysteme und Panzerteile.

Platz 3

USA - 610,7 Millionen Euro

Das größte Militär der Welt setzt ebenfalls auf deutsche Waffen. Die Liste der genehmigten Waffenexporte reicht über zahlreiche Handfeuerwaffen, Panzerhaubitzen und Minensuchbooten bis zu Tauchgeräten und Infrarotausrüstung.

Platz 2

Katar - 673,4 Millionen Euro

Das kleine Emirat Katar hat weniger Einwohner als Hamburg - und davon sind noch etwa 80 Prozent Gastarbeiter. Doch mit den Ölmilliarden hat sich die Herrscherfamilie zum Ziel gesetzt, auf der großen Bühne der Weltpolitik mitzuspielen - auch militärisch. Aus Deutschland wurden dafür im Jahr 2013 Panzerteile, Flugsimulatoren, Radargeräte und Navigationsausrüstung importiert.

Platz 1

Algerien - 825,7 Millionen Euro

Das nordafrikanische Land, das sich über eine Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern erstreckt, war 2013 der wichtigste Abnehmer deutscher Waffenexporte. In politisch unruhiger Umgebung soll das Militär mit deutscher Hilfe für Stabilität sorgen. Die Millionensumme wurde komplett für Panzer und gepanzerte Lkw und Geländewagen ausgegeben.

Der Ex-Manager von KMW muss sich allerdings lediglich wegen Steuerdelikten, versuchten Betrugs und Geldwäsche verantworten, die Bestechungsdelikte sind bereits verjährt.

Den heutigen und früheren KMW-Chefs Manfred Bode und Frank Haun sei nicht nachzuweisen, dass sie von den falschen Steuerangaben gewusst hätten, erklärten die Ankläger.

Von

rtr

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