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10.10.2012

07:07 Uhr

Rüstungskonzerne

Fusion von EADS und BAE hängt am seidenen Faden

Die Regierungen sagen nichts, doch hinter den Kulissen wird über das Aus für die geplante Fusion von EADS und BAE gemunkelt. Deutschland spielt dabei eine unrühmliche Rolle. Heute fällt eine Entscheidung.

Die Fusion der Rüstungskonzerne EADS und BAE scheint auf wackeligen Füßen zu stehen. AFP

Die Fusion der Rüstungskonzerne EADS und BAE scheint auf wackeligen Füßen zu stehen.

Berlin/BrüsselKurz vor Ende der Übernahmefrist bleibt der Verhandlungspoker um die geplante Rüstungsfusion von EADS und BAE undurchsichtig. Die Angaben über den Verhandlungsstand waren am Dienstagabend widersprüchlich: Mehrere mit den Gesprächen Vertraute sagten, eine neue Hürde sei aufgetreten, weil sich die Bundesregierung weigere, Großbritannien und Frankreich im Streit um die Staatsbeteiligungen am künftigen Konzern zu folgen. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves le Drian erklärte, die Gespräche hätten Fortschritte gemacht. Nun müssten die Unternehmen entscheiden, ob ihnen diese ausreichten.

EADS teilte mit, dass sich Frankreich und Großbritannien bei den Verhandlungen über die Begrenzung der Staatsanteile angenähert hätten. Allerdings bleibe eine Einigung abhängig von einer Übereinkunft mit der deutschen Bundesregierung, die weiter ausstehe, hieß es Kreisen zufolge. Die Bundesregierung wollte sich am Dienstagabend nicht zu den Verhandlungen äußern. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere sagte lediglich, er kenne den Sachstand relativ genau und sei erstaunt über die Fülle an "interessengeleiteten Meldungen" am Dienstag.

Was EADS und BAE alles herstellen

EADS - Airbus

Der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen bietet eine breite Palette an: vom 100 Sitze zählenden A318 bis hin zum Superjumbo A380, in dem 500 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es 14 Modelle. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Airbus stellt aber auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2011 auf einen Umsatz von 33,1 Milliarden Euro, davon 2,5 Milliarden Euro aus dem Rüstungsgeschäft.

Astrium

Dahinter verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von EADS. Hergestellt werden beispielsweise Satellitensysteme. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2011 auf einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.

Cassidian

Diese Sparte produziert beispielsweise Drohnen. Über Cassidian ist EADS auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt und Anteilseigner beim Raketensystemanbieter MBDA. Dieser Geschäftsbereich machte 2011 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz.

Eurocopter

Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern kommt auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 Prozent. Zu den bekanntesten Produkten gehören der militärisch genutzt Tiger und der zivile EC225 Super Puma. Diese Sparte erlöste 2011 rund 5,4 Milliarden Euro.

BAE - Electronic Systems

Dieser Unternehmensteil ist auf Elektronik zur Flug- und Motorsteuerung spezialisiert, stellt aber auch Kriegsgeräte und Nachtsichtsysteme her. Er kam 2011 auf einen Umsatz von 5,4 Milliarden Pfund.

Cyber and Intelligence

Ein Teil dieses Geschäftsbereiches von BAE ist in den USA angesiedelt. Geliefert werden beispielsweise Nachrichten und Informationen in Echtzeit an Regierungen und Truppen. Auch Sicherheits-Soft- und Hardware bietet das Unternehmen an. Der Umsatz betrug 2011 etwa 1,4 Milliarden Pfund.

U.S. Platforms & Services

Kriegsgeräte, aber auch Schiffsreparaturen werden unter diesem Namen angeboten. Aktiv ist diese BAE-Sparte in den USA, Großbritannien, Schweden und Südafrika. Einnahmen 2011: 5,3 Milliarden Pfund.

International Platforms & Services

Diese Sparte ist in Saudi-Arabien, Indien, Australien und dem Oman vertreten. Sie hält auch einen Anteil von 35 Prozent am Raketen-Hersteller MDBA.

Nach einer Serie von marktbewegenden Medienberichten über den Fortgang der Verhandlungen erwägt EADS Kreisen zufolge rechtliche Schritte. Der Luft- und Raumfahrtkonzern ziehe eine Klage wegen Marktmanipulation ernsthaft in Betracht, sagte ein Konzern-Insider. Es habe mehrere undichte Stellen sowie falsche Gerüchte gegeben.

Bis heute 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit müssen beide Konzerne entscheiden, ob sie ihr rund 45 Milliarden Dollar schweres Zusammengehen zum weltgrößten Rüstungs- und Raumfahrtkonzern vorantreiben wollen. Verhandlungsnahen Kreisen zufolge ist eine Verlängerung der Fusionsfrist nur sinnvoll, wenn zumindest in Grundsatzfragen Einigkeit besteht. Ohne Einverständnis der Politik droht das Vorhaben zu platzen.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

09.10.2012, 15:44 Uhr

Daimler-Chrysler; Aventis; BMW-Rollsroyce;
VW--SEAT; DeutschePost-DHL; Deutsche -Telekom Voicestream;
Die Werften; Opel; etc.etc.etc.etc.etc.etc.etc.

QWas hat das den deutschen Verbraucher, der ja auch Steuerzahler ist gekostet.
Hunderte Milliarden Euro reuichen nicht. Es geht in die Billionen.

Aus Schaden nichts gelernt, weil einige "Manager" korrupt sind und ihr Ego pflegen wollen. Von einemErdtil zum anderen
Standortschließungen trotz Beteuerungen (Opel, Aventis etc.)


Jetzt z.B. Enders...

Account gelöscht!

09.10.2012, 15:45 Uhr

Der Spruch"diesla ist es aber anders" hat schon immer viel Geld und Leid gekostet.

Account gelöscht!

09.10.2012, 16:15 Uhr

Die Fusion will rein der Enders - ist es ihm doch der willkommene Pusher, um die EADS aus den Staatsfängen zu katapultieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt er letztlich unangemesene Zugeständnisse zuhauf in Kauf, um auf Biegen und Brechen die Fusion durchzupeitschen.

Dass EADS dabei verliert, dass vor allem Deutschland dadurch verliert, ist ihm wurscht.

Deutschland braucht die derzeit bestehende Machtbalance, um auf Augenhöhe die in der Vergangenheit völlig überzogene Vorteilsnahme der Franzosen wieder ZURÜCK ZU DREHEN. Partnerschaft braucht Fairness, Deutschland wurde aber bisher über den Tisch gezogen - und das braucht Korrektur!

Würde die Fusion durchgewinkt, wären wir dauerhaft zur billigen Hiwi-Werkbank degradiert und auf Dauer abgehängt vom Zukunftsmarkt.

Deutschland MUSS diese Fusion verhindern! Das ist naturgemäßes EIGENINTERESSE - dass jedem auf der Welt seine persönliche Antriebskraft gibt und somit auch UNS geben darf.

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