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13.12.2011

10:35 Uhr

Rupert Stadler

„Überzogene Renditewünsche helfen nicht“

VonMarkus Fasse, Carsten Herz

Trotz stagnierender Märkte in Westeuropa wird Audi 2011 mehr Autos verkaufen als Mercedes-Benz. Die derzeitige Umsatzrendite von zwölf Prozent sei auf Dauer aber ungesund, sagte Vorstandschef Rupert Stadler.

Der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler. dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler.

Handelsblatt: Herr Stadler, beim Absatz liegt Audi seit mehr als fünf Jahren auf Rang drei hinter BMW und Mercedes. Sind Sie zuversichtlich, Mercedes dieses Jahr erstmals hinter sich zu lassen?

Rupert Stadler: Ich glaube, an diesem Fakt ist nicht mehr zu rütteln. Aber wir wollen ja nicht nur Stückzahlen machen. Wir wollen auch qualitativ vorne liegen.

Bei der Rendite lag Audi im dritten Quartal vorne. Was peilen Sie für die Monate Oktober bis Dezember an?

Wir legen unser Augenmerk nicht primär auf Quartalsergebnisse, sondern haben uns langfristige Ziele gesetzt – zum Beispiel eine Umsatzrendite zwischen acht und zehn Prozent und das auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. Jetzt liegen wir gerade über zwölf Prozent, was auch einem großen Wachstumsschritt geschuldet ist, den wir in den vergangenen Jahren geschafft haben. Aber qualitativ zeigt sich eine gute Unternehmensführung darin, ob sie richtig investiert – und ob diese Investitionen auch wieder ins Unternehmen zurückfließen.

BMW-Chef Norbert Reithofer hält eine Umsatzrendite zwischen acht und zehn Prozent für gesund – alles andere sei eine Ausnahmesituation.

Da bin ich gleicher Meinung. Wir sollten da beide Beine fest auf der Erde lassen. Die Folgen der Finanzkrise von 2008/09 zeigen derzeit sehr offensichtlich, wohin überzogene Renditewünsche führen können.

Sinkt wegen der Schuldenkrise bereits die Nachfrage in Südeuropa?

Wir spüren aus Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien Zurückhaltung, da kommen deutlich weniger Kunden in die Autohäuser. Das macht sich angesichts der Größe der Märkte in Spanien und Italien in der europäischen Gesamtnachfrage bemerkbar. Wir kompensieren diese Situation über unser kräftiges Wachstum in anderen Märkten.

China hat den am schnellsten wachsenden Automarkt, doch lässt der Wirtschaftsboom dort derzeit etwas nach. Merken Sie das bereits bei den Zulassungen?

Nein, das spüren wir aktuell nicht. Wir haben im November mehr als 29 000 Autos ausgeliefert – eine neue Bestmarke, seit wir in China im Markt sind. Wir sehen nach wie vor ein gutes Potenzial für weiteres Wachstum. Und wir freuen uns sehr, dass wir beim Jahresabsatz 2011 erstmals die Marke von 300 000 packen.

Auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt, den USA, läuft Audi dagegen BMW und Mercedes noch deutlich hinterher.

Vielleicht ein kurzer Blick zurück: Wir haben 2007 in den USA 93 506 Autos verkauft. Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise und der Absatz ging auf rund 83 000 zurück. Aber schon 2010 sind wir auf rund 102 000 Autos geklettert. Ich habe Anfang dieses Jahres gesagt, dass wir zweistellig wachsen wollen – und mit diesem Tempo sind wir derzeit unterwegs. Unser Absatzziel für 2011 sind 115 000 Autos.

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