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30.08.2012

17:30 Uhr

Russischer Energiekonzern

Gazprom lässt von Gasfeld in der Arktis ab

Russland stoppt vorerst sein Arktisprojekt Schtokman. Die geplante Erschließung des riesigen Gasfelds ist derzeit zu teuer. Gazprom wollte das Gas unter anderem in die USA verkaufen und auch nach Deutschland pumpen.

Der russische Energiekonzern Gazprom friert die Entwicklung eines Gasprojekts in der Arktis ein. dpa

Der russische Energiekonzern Gazprom friert die Entwicklung eines Gasprojekts in der Arktis ein.

MoskauRückschlag für Russlands geplante Ausbeutung von Bodenschätzen in der Arktis: Der Gazprom-Konzern hat die Erschließung des riesigen Gasfelds Schtokman wegen zu hoher Kosten auf Eis gelegt. Ein Teil der in der Barentssee vermuteten 3,8 Billionen Kubikmeter Gas sollte durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream nach Deutschland fließen.

Die beteiligten Konzerne Gazprom sowie Total (Frankreich) und Statoil (Norwegen) seien sich einig, dass das Projekt derzeit finanziell nicht zu stemmen sei, berichteten Medien in Moskau am Donnerstag. Schätzungsweise seien bis zu umgerechnet 24,5 Milliarden Euro und damit doppelt soviel Mittel nötig wie ursprünglich geplant.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

„Die Kosten sind derzeit zu hoch“, sagte Wsewolod Tscherepanow von Gazprom der Zeitung „Kommersant“. Der Gasmonopolist wolle nichts überstürzen. „Wir haben noch genügend Reserven“, sagte Tscherepanow. Die Betreibergesellschaft der Ostsee-Pipeline sei an dem Projekt nicht beteiligt, sagte Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert der dpa. Zuständig für die Belieferung der Leitung sei Gazprom.

Vorgesehen war unter anderem, einen Teil der rund 600 Kilometer nordöstlich der Stadt Murmansk lagernden Energie auch als Flüssiggas mit Tankern in die USA zu exportieren. „Dort herrscht aber ebenso wie auf dem europäischen Markt ein Überangebot“, sagte der Analyst Denis Borissow der Zeitung „Wedomosti“. Frühestens 2020 gebe es weltweit Bedarf für das Schtokmann-Gas, meint er. In Europa dämpfe derzeit die Finanzkrise den Verkauf an die Industrie.

Gazprom bemüht sich seit rund zehn Jahren um eine Erschließung des Feldes. Nach langen Verhandlungen gründete der Staatskonzern 2007 mit Total und Statoil das Gemeinschaftsunternehmen Shtokman Development, an dem Gazprom mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Wegen der erneuten Verzögerung sei dort die Zahl der ursprünglich rund 300 Angestellten halbiert worden, teilte ein Sprecher des Joint Ventures mit.

Die größte russische Ölgesellschaft Rosneft vereinbarte unterdessen mit Statoil die Förderung an vier anderen Abschnitten der Arktis. Dazu hätten beide Unternehmen ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet, teilte Rosneft am Donnerstag in Moskau mit. Geplant sei die Erschließung des Ölvorkommens Persejewski in der Barentssee sowie der Vorkommen Lissjanski, Kaschewarowski und Magadan-1 im Ochotskischen Meer bis zum Jahr 2021.

Von

dpa

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