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12.06.2012

08:15 Uhr

Russischer Lobbyist

EnBW zahlte 200 Millionen für Scheinverträge

VonJan Keuchel, Sönke Iwersen

ExklusivNach Angaben eines russischen Lobbyisten hat der Stromkonzern EnBW 200 Millionen für Scheinverträge gezahlt. Laut EnBW war das Geld für Brennstoffe vorgesehen. Aber ein interner Bericht lässt Zweifel aufkommen.

EnBW soll 200 Millionen Euro an einen russischen Lobbyisten gezahlt haben. dpa

EnBW soll 200 Millionen Euro an einen russischen Lobbyisten gezahlt haben.

Moskau/DüsseldorfDem Stromkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) stehen schwere Zeiten bevor: Gleich drei Vorstandsvorsitzende des Unternehmens - Gerhard Goll, Utz Claassen und der amtierende Hans-Peter Villis - werden beschuldigt, dass in ihrer Amtszeit über ein System von Scheinverträgen Konzerngelder in Höhe von rund 200 Millionen Euro nach Russland geschleust worden seien.

Davon wurden 84 Kirchen, 30 Denkmäler, 60 Schachschulen, eine Oper und drei Orchester finanziert, darüber hinaus Kindergärten und Krankenhäuser. Das Geld habe der politischen Landschaftspflege gedient. Der Mann, der die Anschuldigungen im Handelsblatt-Interview erhebt, ist ein enger Geschäftspartner von EnBW.

Sein Name: Andrey Bykov. Sein Job: Lobbyist mit Zugang zu Wladimir Putin und Russlands Energiefirmen Gazprom und Rosneft. "Ein Viertel der Summe wurde zu Zeiten von Herrn Goll bezahlt, drei Viertel in der Zeit der Herren Claassen und Villis", so der 50-jährige Lobbyist.

Bykov sagt, er habe selbst das Geld von EnBW entgegengenommen und in Russland verteilt. Die Hälfte der 200 Millionen Euro sei an ihn als Honorar geflossen. Um die Lobbyarbeit gegenüber EnBW-Großaktionär Electricité de France abzuschirmen, habe der Verwendungszweck nicht mit den schriftlich fixierten Verträgen über Nukleargeschäfte übereingestimmt. Erst aus Zusatzprotokollen sei der wahre Verwendungszweck hervorgegangen. "Mit dem Geld habe ich dann die Klimapflege für die Gasgeschäfte betrieben", so Bykov.

Stellungnahme Utz Claassen: „Herr Claassen hat die Konzernrevision jederzeit ermutigt“

Stellungnahme Utz Claassen

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Im Handelsblatt-Interview belastet Lobbyist Andrey Bykov auch den Ex-EnBW-Chef Utz Claassen. Lesen Sie hier die offizielle Stellungnahme, die Claassen über seinen Anwalt dem Handelsblatt zukommen ließ.

Kommentare (14)

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12.06.2012, 06:52 Uhr

Wie bitte?Gibt man sich jetzt nicht mal mehr Mühe den Schein von Seriosität zu waren und geht gleich zum Kasperltheater über?
Diese alten Stromkonzerne haben wirklich ihren Zenit überschritten.Schluß mit dieser Mischpoke und zwar so schnell wie möglich.

Thomas

12.06.2012, 06:57 Uhr

Deutschland ist ein Sumpf wie jeder Bananenstaat. Hier werden Arbeitsplätze gestrichen, die Strompreis ins unendliche getrieben und zeitgleich werden hunderte Millionen verschenkt. Wie die Verteilung stattgefunden hat, sollte man auch prüfen.

ErbenMittenUnterUns

12.06.2012, 08:02 Uhr

Ja wenn das so ist, dann sind wir von den alten ZEITen weniger entfernt, als wir gemeinhin annehmen. Günsdisch kaufe durch ein „vorteilhaftes Klima im Gasbereich“. Man gönnt sich ja sonschd nischds. Sollten wir diese Eiterblase nicht stoppen, daran darf gezweifelt werden, steht der Untergang der "Herren" Menschen kurz vor der Tür. Solle mer se erein lasse oder einfach nur in den Ruhezustand versetzen, in dem sie weniger Schaden anrichten können, wie gemeinhin den "Kriminellen" zustehen.

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