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18.05.2012

16:57 Uhr

Russland-Deal

RWE sieht sich Millionenklage ausgesetzt

Der russische Energiekonzern Sintez verklagt laut einem Medienbericht den Essener Energieriesen RWE. Es geht um Schadensersatz in Höhe von fast 700 Millionen Euro. RWE-Chef Großmann soll Absprachen gebrochen haben.

RWE-Chef Jürgen Großmann: Der Energiekonzern soll auf fast 700 Millionen Euro Schadensersatz verklagt werden. Reuters

RWE-Chef Jürgen Großmann: Der Energiekonzern soll auf fast 700 Millionen Euro Schadensersatz verklagt werden.

Düsseldorf/EssenDas Energieunternehmen RWE sieht sich einer Schadensersatzklage vor dem Essener Landgericht ausgesetzt. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“. Dem Bericht zufolge hat der russische Energiekonzern Sintez RWE auf Schadensersatz in Höhe von 675 Millionen Euro verklagt. Die Klage beziehe sich auch ausdrücklich auf den RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann und sei beim Landgericht bereits eingegangen (Aktenzeichen 12 037/12).

Hintergrund sei ein geplanter Eintritt von RWE in den russischen Strommarkt. Dabei habe der Sintez-Eigner Leonid Lebedev einen Milliardenkredit bei der russischen Sberbank und anderen Geschäftsbanken aufgenommen, um dem Essener Energieunternehmen behilflich zu sein. Damals soll der staatliche russische Energierise RAO UES geplant haben, 45 Prozent seines Geschäfts in Nordrussland mit insgesamt sieben Millionen Kunden an RWE zu verkaufen.

Bedingung dafür sei gewesen, dass RWE ein Joint-Venture mit Sintez eingehe. Nach Angaben von Vermittlern der Transaktion berufe sich Lebedev in der Klage auf Vorverträge und persönliche Zusagen von RWE-Chef Großmann. Im Herbst 2008 soll dieser einen überraschenden Rückzieher gemacht und das Geschäft abgeblasen haben - damals soll der Deal bereits vor dem Abschluss gestanden haben.

Ein RWE-Sprecher wollte den Vorgang gegenüber der „Wirtschaftswoche“ nicht kommentieren. Das Magazin zitiert den RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig mit den Worten: „Wir geben keine Kommentare zu Rechtsstreitigkeiten“. Großmann gibt sein Amt im Juli an den Niederländer Peter Terium ab.

RWE ist nach der Atomwende noch nicht auf einen Wachstumskurs zurückgekehrt. Nach Einbußen im ersten Quartal bestätigte der scheidende Vorstandschef Jürgen Großmann zuletzt die Prognose, wonach sowohl das betriebliche Ergebnis als auch das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis 2012 wohl auf dem Vorjahresniveau liegen werden.

Die Abschaltung des AKW Biblis und das weiter schwächelnde Gasgeschäft drückten im ersten Quartal auf die Erträge. Bei einem um ein Prozent auf 15,6 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz schrumpfte der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 8,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Das nachhaltige Nettoergebnis fiel um 20 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Sintez hatte bereits vor vier Jahren bei einem Gericht in London eine Klage gegen RWE eingereicht. Damals hatten die Russen RWE auf die Zahlung von 1,4 Milliarden Dollar (etwa 1,1 Milliarden Euro) verklagt. Offenbar handelt es sich um denselben Vorfall wie jetzt beschrieben.

Auch damals warf Sintez RWE vor, Zusagen nicht eingehalten zu haben. Der Essener Konzern hatte eine Vereinbarung mit Sintez geschlossen, wonach die Unternehmen im Verbund die Mehrheit an dem russischen Versorger TGK-2 übernehmen wollten. Eigentümer von TGK-2 war RAO UES.

Zu dem Paket von TGK-2 gehörten 16 Kraftwerke im Nordwesten Russlands, die etwa sieben Millionen Kunden mit Wärme und Strom versorgten. RWE hatte später die Pläne mit der Begründung aufgegeben, dass der Preis zu hoch sei.

Kommentare (1)

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sonicht

18.05.2012, 22:41 Uhr

"RWE hatte später die Pläne mit der Begründung aufgegeben, dass der Preis zu hoch sei."

Ja, ja so sind die Russen.
Erst einen Vertrag aufsetzen und dann mal eben den Preis um 40% anheben, oder die Bedingunegn ändern.
So bekommt man auch Geld in die chronisch klamme Staatskasse gespült.

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