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11.09.2014

16:25 Uhr

Russlands Automarkt

Tristesse in der Taiga

VonLukas Bay

Putins Konflikt mit dem Westen hat den russischen Automarkt einbrechen lassen. Das gefährdet auch die dortigen Wachstumspläne der deutschen Hersteller – doch Anlass zur Panik gibt es nicht.

Plant Putin auch Sanktionen gegen westliche Autohersteller? Marktbeobachter sind skeptisch.

Plant Putin auch Sanktionen gegen westliche Autohersteller? Marktbeobachter sind skeptisch.

Moskau/DüsseldorfNoch Anfang des Jahres waren sich fast alle einig: Russland wird schon bis zum Ende des Jahrzehnts Deutschland als größten Automarkt Europas ablösen. Die Vorzeichen sprachen für diese These. Zum einen haben sich die Einkommen der russischen Bevölkerung in den letzten Jahren vervielfacht, zum anderen liegt das Durchschnittsalter des russischen Fuhrparks nach Angaben von Pricewaterhouse Cooper bei zwölf Jahren, ein Drittel ist gar älter als 15 Jahre. Um die Region St. Petersburg oder Kaluga entstanden die Keimzellen der neuen russischen Autoindustrie. Große ausländische Hersteller wie Toyota und Volkswagen siedelten sich an, Zulieferer wie Conti Tech und Bosch folgten. Alles sprach für einen Boom.

Doch mit der Krise auf der Krim und in der Ostukraine haben sich die Vorzeichen umgekehrt. Der russische Automarkt hat über die vergangenen Monate einen Einbruch erlebt wie seit der Autokrise im Jahr 2009 nicht mehr. Allein im August ist der Absatz von Autos und leichten Nutzfahrzeugen im 25,8 Prozent zurückgegangen, meldete zuletzt das AEB Automobile Manufacturers Committee (AEB AMC). „Das war erneut ein schwieriger Monat bei den Autoverkäufen, und das hat niemand in der Industrie wirklich überrascht“, sagt AEB-Autoexperte Jörg Schreiber im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Das Problem der derzeitigen Absatzkrise in Russland sieht Schreiber nicht allein im politischen Konflikt, vielmehr verunsichere der schwache Rubel die Russen. „Viele Probleme des russischen Automarktes sind hausgemacht“, sagt er.

Die größten Automarken in Russland

Platz 10

Platz 10 - BMW - 6.095 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Nobelmarken laufen in Russland immer noch. Darum kann BMW mit einem Plus von drei Prozent in die Top Ten aufsteigen.

Quelle: AEB ACM

Platz 9

Mercedes-Benz - 7.326 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Noch besser sieht es für Daimler aus. Für die Schwaben legten die Verkäufe in Russland sogar um 18 Prozent zu. Eine Nobelkarosse ist für die Russen ein gute Versicherung gegen Währungsturbulenzen.

Platz 8

Skoda - 10.743 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die tschechische VW-Tochter baut ihre Fahrzeuge in den russischen Werken in Kaluga und Nischni Nowgorod. Bestseller ist der Octavia.

Platz 7

Volkswagen - 11.969 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch VW-Chef Winterkorn sieht die Lage in Russland sehr kritisch. Die Verkäufe der Wolfsburger in Russland sind um satte 40 Prozent eingebrochen.

Platz 6

Toyota - 14.292 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Japaner bleiben in Russland ambitioniert. Auch wenn der Absatz um 29 Prozent eingebrochen ist, will der Weltmarktführer weiter schwarze Zahlen schreiben und Marktanteile gewinnen.

Platz 5

Renault - 17.909 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Franzosen profitieren von ihrem hohen Anteil lokaler Produktion. Dem Abwärtstrend des Markten können sie sich trotzdem nicht entziehen. Die Verkäufe brachen um satte 40 Prozent ein.

Platz 4

Nissan - 18.548 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch der japanische Partner von Renault hat mit Problemen zu kämpfen. Weil der Absatz um 34 Prozent eingebrochen ist, wurde nun auch die Produktion in einigen russischen Werken vorübergehend gestoppt.

Platz 3

Kia - 23.909 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Koreaner fahren in Russland gerade die Strategie "Augen zu und durch". Trotz Verlusten halten sie die Preise stabil. Darum fällt das Minus mit zwei Prozent sehr klein aus.

Platz 2

Hyundai - 25.940 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch die Schwestermarke finanziert das Wachstum in Russland aus der Kriegskasse. Für Hyundai geht es gegen den Markttrend sogar um vier Prozent aufwärts.

Platz 1

Lada - 41.131 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auf dem Heimatmarkt profitieren die Russen zwar von einer Abwrackprämie. Doch auch der Marktführer bekommt das raue Klima des Marktes zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Absatz um ein Viertel eingebrochen.

Für die großen deutschen Hersteller ist die Lage besonders problematisch. Für sie ist Russland eine Millioneninvestition, die sich derzeit nicht auszahlt. Volkswagen will nun sogar die Jahresproduktion im Werk Kaluga zurückzufahren, meldete vor einigen Tagen die Automobilwoche, hier werden der Polo, Tiguan, Skoda Fabia und Octavia gebaut. Statt 150.000 sollen nun nur noch 120.000 Fahrzeuge gefertigt werden. Für zehn Tage ruht die Produktion sogar ganz. Mit rund 85.000 verkauften Fahrzeugen hat VW in Russland seit Jahresbeginn rund 18 Prozent weniger Autos abgesetzt.

Während man weltweit an der Spitze mitfährt, reicht das im Wachstumsmarkt Russland nur für Platz 7 - weit hinter der GM-Tochter Opel. Eigentlich hatte der Konzern die Marschroute ausgegeben, bis 2018 in die Top 3 in Russland aufzusteigen. Bis 2015 hatte Volkswagen dafür Investitionen in Höhe von 840 Millionen Euro eingeplant.

Wegen der zuletzt starken Verkaufszahlen ist der Einbruch in Russland auch für die Opel-Gruppe nicht weniger als eine mittelschwere Katastrophe. Immerhin hatte Mutterkonzern GM der deutschen Tochter zuletzt den eigentlich lukrativen Markt alleine überlassen und sogar Schwestermarke Chevrolet, die in Russland mehr Autos verkauft als die Deutschen, in die dortige Opel-Gruppe integriert. Das Land ist für GM nach Deutschland und Großbritannien bereits der drittgrößte Absatzmarkt in Europa. Noch Anfang Mai hatte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann optimistisch verkünden lassen: „Alle Prognosen weisen darauf hin, dass sich Russland in den kommenden Jahren zur größten Absatzregion Europas entwickeln wird.“

Kommentare (4)

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Herr Paul Müller

11.09.2014, 17:55 Uhr

Erst wenn der Verkauf um 50% schrumpft, wird in Russland so wenig wie in USA verkauft, obwohl die Anzahl der Einwohner in USA doppelt so hoch ist wie in Russland.
Die Akzeptanz deutscher Autos ist in Russland also 4 mal so hoch wie in USA. Wenn das kein Zeichen ist, wer mit wem besser kann ...?

Herr Josef Duffner

11.09.2014, 18:09 Uhr

STIMME RUSSLANDS Einwohner von Donezk, einer Stadt im Osten der Ukraine, berichten von Artilleriesalven, die in der Stadt am Tage zu hören sind.
Vielleicht interessiert dieser Bericht den geneigten Leser.:

Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/news/2014_09_11/Donezk-wird-erneut-bombardiert-2838/

Herr Paul Müller

11.09.2014, 19:26 Uhr

Danke Herr Duffner:
"...Indessen teilt das Verteidigungsministerium der Ukraine mit, dass die Kräfte der Staatsgewalt 27.500 neue Panzerwesten und 7.100 Kevlarhelme sowie 16.000 Sätze Winterbekleidung erhalten hätten..."
Jetzt wissen wir, wo die deutschen Kriegsmaterialien die via Leipzig ausgeflogen worden sind, angekommen sind. Gedacht waren die ja angeblich für die Bekämpfung von IS. Nun dienen diese Dinge also dem Krieg in der Ukraine.

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