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14.04.2011

12:55 Uhr

RWE-Chef Großmann

„Wir sind keine Kreuzritter der Kernenergie“

Jürgen Großmann warnt die Bundesregierung vor Schnellschüssen bei der Abschaltung von Kernkraftwerken. Deutschland solle erst die EU-weiten Sicherheitstests abwarten, sagte der RWE-Chef im Interview.

Will weder Dinosaurier noch Kreuzritter sein: Jürgen Grossmann, der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE. Quelle: dapd

Will weder Dinosaurier noch Kreuzritter sein: Jürgen Grossmann, der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE.

Sie gelten vielen als eisernster Verfechter der Kernenergie - wie lebt es sich als Buhmann?

Jürgen Großmann: "Ich habe doch keine Kernkraftwerke gebaut. Die Gesellschaft wollte damals auch rein in die Kernenergie, daher müssen wir auch jetzt gemeinsam nach Lösungen suchen. Wie können wir einen Ausstieg finden, der die Schäden minimiert? Wir sind keine Kreuzritter der Kernenergie. Wir wollen für eine Volkswirtschaft wie die deutsche den besten Energiemix, sowohl was Preise als auch Versorgungssicherheit betrifft. Man darf nicht vergessen, der starke Zubau der erneuerbaren Energie erhöht zwar die Erzeugungskapazitäten, bringt aber wegen der schwankenden Produktion keine Erzeugungssicherheit."

Warum kann RWE nicht einfach den Ausstieg bis 2020 akzeptieren?

"Ich finde, wir sollten erst einmal die europäischen Sicherheitstests abwarten. Es wäre doch eine abstruse Vorstellung, wenn wir hier Kernkraftwerke abschalten, die EU-Standards erfüllen. Es ist erstaunlich, dass hier entschieden werden soll, bevor es einen Stresstest auf EU-Ebene gibt. Man darf nicht vergessen, dass in einem 120 Kilometer-Kordon um Deutschland herum mehr Kernkraftwerke sind als in Deutschland selbst. Wir brauchen auch das Geld aus der Kernenergie für den Umbau der Energiewirtschaft."

RWE könnte doch mehr auf Gaskraftwerke setzen, um die schwankende Produktion aus Wind- und Solarenergie auszugleichen.

"Das muss sich aber lohnen. Mit Gaskraftwerken verdient man in Deutschland derzeit oft nur noch in den Wintermonaten zwischen 17 und 20 Uhr Geld. Wir werden in Deutschland mehr Gaskraftwerke laufen haben, aber nicht mit mehr Nutzungsstunden. Aber wir modernisieren derzeit unser Portfolio, um eines der modernsten in Europa zu bekommen. Wir haben in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und der Türkei Gas-, Kohle- und Windkraftprojekte mit einer Leistung von 14.000 Megawatt im Bau oder kurz vor Fertigstellung. Im Moment müssen wir bei weiteren Investitionen auf die Bremse treten, auch wegen der Unsicherheit in Deutschland."

Kommentare (1)

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14.04.2011, 15:42 Uhr

Finde es von Herrn Großmann schon aberwitzig, dass er - wie auch mancher Politiker - immer wieder nur von den Verlusten der 4 Monopolisten redet, oder von billigem Energiemix. Dass er aber lang über sein eigenes Leben hinaus die zukünftigen Generationen über unüberschaubare Zeiträume mit dem Müll und Dreck aus den AKWs und sonstigen Laborreaktoren, nicht zu reden von der ASSE etc., finanziell belastet. Kann dies nicht von irgend jemandem aus der Politik endlich gestoppt werden?

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