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20.04.2011

15:03 Uhr

RWE-Hauptversammlung

Großmann lässt sich nicht beirren

VonNils Rüdel

Wenn schon voRWEeg gehen, dann doch bitte in die richtige Richtung: Viele RWE-Aktionäre reagieren skeptisch auf den Atomkurs von Vorstandschef Großmann.

RWE-Chef Jürgen Großmann spricht auf der Hauptversammlung. Quelle: Reuters

RWE-Chef Jürgen Großmann spricht auf der Hauptversammlung.

EssenIn die Halle haben es die 200 bunten Demonstranten mit ihren „Ab-schal-ten“-Chören zwar nicht geschafft. Aber offensichtlich in den Kopf des von ihnen so verhassten RWE-Chefs Jürgen Großmann. Es ist in der zweiten Hälfte seiner Rede auf der Hauptversammlung, als Großmann der Versprecher des Tages herausrutscht. „Von dem erfolgeichen Abschalten, äh, Abschneiden Ihrer RWE profitieren auch Sie“.

Gelächter im Saal, der voll besetzt ist mit Aktionären im Schnitt weit über der Rentengrenze. Gelächter, das zum richtigen Zeitpunkt aufbrandet. Denn bis zu dem Versprecher ist die Stimmung doch eher angespannt gewesen.

Großmann muss seine Rede immer wieder unterbrechen, weil Atomkraftgegner protestieren. So hatte er kaum seinen Begrüßungssatz zu Ende gebracht, als sich ein paar Demonstranten blitzschnell vor dem Podium aufstellten und ein Anti-AKW-Plakat hissten. Sicherheitskräfte zerrten sie schließlich aus dem Saal. Unter Applaus.

Nicht der einzige Einsatz für die Muskelmänner, Trillerpfeifen, Tröten und Sprechchöre gehen bis zum Ende der Rede weiter. Sogar Aktionäre untereinander geraten in Streit und reißen sich gegenseitig die Transparente weg. Die einen „Atombosse nach Fukushima“ von den Rängen, andere brüllen „Ruhe!“ zurück.

+++ Eine Bildergalerie zur HV und den Protesten finden Sie rechts +++

Mittwochmorgen in der Essener Grugahalle. Hauptversammlung eines Energiekonzerns mit fünf Atommeilern in der Post-Fukushima-Zeit. Mit einem Chef, der als letzter Freund der Kernenergie gilt und deshalb „Atom-Dinosaurier“ genannt wird. Da muss es zur Sache gehen.

Und Großmann, allein schon wegen seiner hünenhaften Statur nicht als Umfaller bekannt, hält unbeirrt dagegen. Und trägt nicht gerade zur Deeskalation bei: Es sei dieser Tage nicht leicht als Strom-Manager, sagt er gleich zu Anfang. „Wir haben derzeit in Deutschland so viele Energieexperten wie sonst nur Fußballbundestrainer“.

Er kritisiert das Atom-Moratorium der Bundesregierung als voreilig. „Unsere Regierung hat nach dem Motto gehandelt: Erst abschalten, dann prüfen“, sagt er. Die Klage gegen das Moratorium, die sein Konzern wegen der Abschaltung von Biblis eingereicht hat, sei nicht nur angebracht, sondern sogar zwingend. „Das sind wir Ihnen, unseren Aktionären, schuldig.“ Die Klage sollte im Lauf des Tages immer wieder Thema sein. Sie ist es, die die Aktionäre spaltet.

Im Übrigen sei Kernkraft eine wirtschaftlich notwendige Technologie, und eine übereilte Abschaltung unverantwortlich. Die Folge wären steigende Strompreisen, die in Deutschland sogar zur Schließung von Werken der energieintensiven Aluminiumindustrie führen könne.

Dennoch stehe nach der Katastrophe in Fukushima auch bei RWE nicht mehr die Frage, ob, sondern wie schnell der Ausstieg aus der Kernenergie gelingt, so Großmann. „Wenn es der feste Wille der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der sie vertretenden Politik ist, zukünftig auf Kernkraft zu verzichten, werden wir uns dem nicht verschließen.“

Dies werde allerdings Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen. „Der Zug in die erneuerbaren Energien ist wichtig, und wir fahren mit Kraft“, sagt der RWE-Chef und weist auf die Milliarden, die der Konzern bereits dort investiert habe.

Das allerdings reicht den nachfolgenden Rednern nicht. Zwar unterstützt etwa die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) die Klage, weil sie „aktienrechtlich geboten“ und notwendig sei, wie DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler auf dem Podium sagt. Doch auch die Aktionärsschützer fordern ein klares Konzept für den zukünftigen Strommix bei RWE. „Vorweg gehen ist gut, aber die Richtung muss stimmen“, so Tüngler in Anspielung auf das Firmenmotto. Ein anderer Redner sieht in der Klage einen „Konfrontationskurs“ Großmanns, der dem Unternehmen schade.

So geht es erst einmal weiter. Die anderen Redner, Fondsvertreter oder Kleinaktionäre, drehen sich immer wieder um die Klage-Frage. Der andere große Kritikpunkt, zu viele Politiker im Aufsichtsrat, geht dabei ein wenig unter.

Heute geht es um die Atomfrage und den Energiemix. Denn trotz eines guten Jahres 2010 sind die Aussichten recht düster. RWE ist in Europa der mit Abstand größte CO2-Emittent, weil der Konzern immer noch rund 60 Prozent des Stroms aus rußigen Stein- und Braunkohlekraftwerken gewinnt. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern auch für die Konzernbilanz: Wenn ab 2013 auch die Energieversorger alle CO2-Verschmutzungsrechte ersteigern müssen, wird der operative Gewinn dadurch nach Schätzungen in jenem Jahr um 1,5 Milliarden Euro gegenüber 2010 schrumpfen.

Da wird der bisherige Atom-Kurs Großmanns gleich zum doppelten Problem: Denn die durch das Moratorium jetzt abgeschalteten RWE-Kernkraftwerke trugen fast die Hälfte zur CO2-freien Stromproduktion bei. Die wenigsten glauben, dass die Meiler jemals wieder ans Netz gehen werden. Sie sind gleichwohl hochprofitabel, längst abgeschrieben und günstig im laufenden Betrieb. Fallen sie weg, wird das die Gewinne empfindlich schmälern. Das ist auch der Grund, warum Großmann so stur am Atom-Kurs festhält.

Sehr zum Missfallen von Markus Dufner. Der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionäre ist gegen den Atom-Kurs – und gegen die Klage. „Sie haben zwar im Interesse der Aktionäre gehandelt“, sagt Dufner, an Großmann gewandt. Aber die Atomfrage sei wichtiger als der Profit. „Mettbrötchen, Bockwürstchen und noch ein bisschen was von der Dividende“ – das könne nicht der Weg sein. Für Dufner ist deshalb klar: „Treten Sie zurück, am besten noch heute“.

Kommentare (1)

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HKP

20.04.2011, 21:21 Uhr

Wenn wir in Deutschland frieren....

Wenn wir in Deutschland den Strom,nicht mehr Bezahlen können.....

Wenn wir in Deutschland auf Strom vom Ausland angewiesen sind .....

Und Kernkraftwerke an unsren Grenzen stehen......

Wenn die nicht mit Deutscher - Technik arbeiten ...

Vieleicht mit Französischer, Polnischer, Russischer technik lauf ...

dann viel Spas ihr Helden von Europa.....



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