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13.01.2016

15:16 Uhr

RWE setzt auf Öko-Sparte

Terium und die grüne Hoffnung

VonFranz Hubik

Lichtblick für RWE: Die Ökostromtochter des Energieversorgers meldet ein Rekordergebnis. Vorstandschef Terium startet eine neue Offensive bei Solar- und Windkraft. Doch auch das grüne Geschäft wird immer schwieriger.

Der Konzern wird beim Ausbau der erneuerbaren keine Schnellschüsse machen, betont der RWE-Vorstandschef dpa

Peter Terium

Der Konzern wird beim Ausbau der erneuerbaren keine Schnellschüsse machen, betont der RWE-Vorstandschef

Peter Terium hatte in den vergangen Monaten selten Grund zur Freude. In Großbritannien laufen dem RWE-Chef scharenweise die Kunden davon, in Deutschland kämpft der Niederländer mit den Atomaltlasten und dem darbenden Braunkohlegeschäft. Und auch die Investoren kündigen ihm zusehends die Gefolgschaft. Binnen eines Jahres hat der zweitgrößte Energiekonzern des Landes die Hälfte seines Börsenwertes ein.

Ins neue Jahr startet Terium nun aber voller Optimismus: „Wir haben Wind in den Segeln“, frohlockte der Manager am Mittwoch im RWE-Tower in Essen. Der Anlass für solche Zuversicht? Die vorläufigen Geschäftszahlen der Ökostromtochter. 2015 hat sich das operative Ergebnis von RWE Innogy voraussichtlich mehr als verdoppelt – auf rund 400 Millionen Euro. Im Gegenzug dürften sich die Erträge aus der konventionellen Stromerzeugung aber halbiert haben.

Ex-Staatsministerin: Hildegard Müller wechselt zu RWE

Ex-Staatsministerin

Hildegard Müller wechselt zu RWE

Erst Staatssekretärin, dann Lobbyistin für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, nun der Wechsel zu RWE: Hildegard Müller wird Vorstand einer Konzerngesellschaft. Einen Nachfolger soll es auch schon geben.

Zumindest steuerte die Stromproduktion mit Atom,- Gas-, und Kohlekraftwerken in den ersten neun Monaten 2015 nur noch 380 Millionen Euro zum Betriebsergebnis von RWE bei. Biomasse, Wasserkraft sowie Solar- und Windenergie dürften dem Dax-Konzern damit schon bald mehr Geld einbringen als die fossilen Großkraftwerke. Eine Zeitenwende, der Terium mit einem radikalen Schritt begegnet.

RWE spaltet sich ähnlich wie der Konkurrent Eon auf. Die RWE AG wird nur noch für den Großhandel und die notleidende konventionelle Stromerzeugung zuständig sein. Das Zukunftsgeschäft mit den erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und den Netzen wird in eine neue Gesellschaft ausgelagert, die am 1. April offiziell an den Start gehen soll. Ende des Jahres will RWE zehn Prozent der Anteile an der neuen Gesellschaft im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen.

Das sind die größten Baustellen von RWE

RWE will durch eine Aufspaltung aus der Krise kommen

Der Energiekonzern RWE steckt in einer der schwersten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Peter Terium will den Versorger durch eine Aufspaltung des Ökostromgeschäftes sowie der Stromnetzen und des Vertriebs neu aufstellen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen Ende 2016 an die Börse gebracht und neue Gesellschafter gewonnen werden. Der Mutterkonzern soll derweil Mehrheitseigner bleiben und sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Was sind die größten Baustellen von RWE?

Der Gewinneinbruch setzt sich fort

RWE brechen wegen der fallenden Strom-Großhandelspreise die Gewinne weg. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, die früher die Kasse füllten, werden Konzernangaben zufolge womöglich bald nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im laufenden Jahr rechnet der Versorger insgesamt mit einem weiteren Schwund des operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro von 7,1 Milliarden im Jahr zuvor. 2009 waren es noch 9,1 Milliarden. 2013 hatte RWE nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Aktienkurs und der Börsenwert dümpeln im Tief

Der Aktienkurs befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Er liegt bei rund elf Euro. Ende 2007 notierte das Papier bei fast 100 Euro. RWE ist an der Börse noch rund 6,6 Milliarden Euro Milliarden Euro wert. Im August waren es noch elf Milliarden. Der Konkurrent Eon kommt auf das Dreifache des aktuellen Marktwertes.

Hohe Schulden und die Lasten für die Zukunft

RWE drücken Schulden von 25,6 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Öl- und Gastochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro hatte der Versorger seine Schulden etwas reduziert. Auf den Konzern kommen aber durch den Atomausstieg und die Beseitigung der Braunkohletagebauschäden hohe Kosten zu. RWE will auch deshalb seine Kosten senken – bis 2017 um zwei Milliarden Euro.

Die Dividende schmilzt dahin

Die Aktionäre müssen sich auf einen weiteren Rückgang der Dividende gefasst machen. Gab es für das Geschäftsjahr 2008 noch 4,50 Euro, war es zuletzt ein Euro je Aktie. Vielen Kommunen, die knapp 24 Prozent an RWE halten, entgehen früher als sicher eingeschätzte Haushaltseinnahmen. Großaktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit gut fünf Prozent.

Die starke Abhängigkeit von der Kohle

RWE hat die Energiewende verschlafen und insbesondere unter Ex-Chef Jürgen Großmann lange auf Kohle und Atom gesetzt. 2014 erzeugte RWE die Hälfte seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Der Ökostromanteil lag bei knapp fünf Prozent. Die Ökosparte Innogy soll nach vielen Rückschlägen 2015 ihren Gewinn erhöhen.

Der Jobabbau geht weiter

Entlassungen von Beschäftigten dürften weitergehen. RWE hat derzeit knapp 59.000 Mitarbeiter nach früher über 70.000. In der Kraftwerkssparte droht der Wegfall von rund 1000 Jobs – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen.

„Die Hälfte der Erlöse des Börsengangs ist für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien vorgesehen“, erklärte RWE-Chef Terium. Ohne Investoren von außen fehlen dem Energieversorger die Mittel für weiteres Wachstum. RWE drücken Schulden von mehr als 25 Milliarden Euro. Mittelfristig könnte RWE deshalb bis zu 49 Prozent an der neuen, „grünen“ Gesellschaft abgeben.

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