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02.12.2015

15:31 Uhr

RWE vor der Aufspaltung

Gewerkschaften segnen Teriums Pläne ab

RWE-Chef Peter Terium will das Geschäft mit Ökostrom, Netzen und dem Vertrieb abspalten. Damit trifft er bei Arbeitnehmervertretern auf Zustimmung. Die Kommunen fordern mehr Klarheit von der Konzernspitze.

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DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium trifft mit seinen Plänen für einen Umbau des kriselnden Versorgers auf Zustimmung bei Arbeitnehmervertretern und Bedenken der Kommunen. Der Umbau sei notwendig, die Arbeitsplätze müssten aber dauerhaft gesichert werden, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Andreas Scheidt am Mittwoch. „Eine Strukturreform ist dringend nötig“, erklärten auch die kommunalen Aktionäre. Sie fügten aber hinzu: „Mit einer Zweiteilung lassen sich aber selbstverständlich nicht alle Probleme lösen.“ Terium will das Geschäft mit Ökostrom, Netzen und dem Vertrieb abspalten und für Investoren öffnen.

„Mit der Neuaufstellung der innovativen Geschäftsbereiche verbinden wir die Erwartung, dass jetzt ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung gestellt werden können, damit RWE die Energiewende aktiv mitgestalten kann“, sagte Verdi-Vertreter Scheidt. Für die Zustimmung der Gewerkschaft sei es notwendig, dass die Mitbestimmungsrechte und die Tarifbindung gewahrt blieben. Einen zusätzlichen Jobabbau dürfe es nicht geben. Der Aufsichtsrat will am 11. Dezember über die Pläne entscheiden.

Das Management von RWE hat in der Vergangenheit, etwa beim sozialverträglichen Stellenabbau, den Schulterschluss mit Vertretern der Gewerkschaften Verdi und IGBCE gesucht. Die Arbeitnehmervertreter stellen die Hälfte der Mitglieder des Kontrollgremiums.

Das sind die größten Baustellen von RWE

RWE will durch eine Aufspaltung aus der Krise kommen

Der Energiekonzern RWE steckt in einer der schwersten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Peter Terium will den Versorger durch eine Aufspaltung des Ökostromgeschäftes sowie der Stromnetzen und des Vertriebs neu aufstellen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen Ende 2016 an die Börse gebracht und neue Gesellschafter gewonnen werden. Der Mutterkonzern soll derweil Mehrheitseigner bleiben und sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Was sind die größten Baustellen von RWE?

Der Gewinneinbruch setzt sich fort

RWE brechen wegen der fallenden Strom-Großhandelspreise die Gewinne weg. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, die früher die Kasse füllten, werden Konzernangaben zufolge womöglich bald nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im laufenden Jahr rechnet der Versorger insgesamt mit einem weiteren Schwund des operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro von 7,1 Milliarden im Jahr zuvor. 2009 waren es noch 9,1 Milliarden. 2013 hatte RWE nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Aktienkurs und der Börsenwert dümpeln im Tief

Der Aktienkurs befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Er liegt bei rund elf Euro. Ende 2007 notierte das Papier bei fast 100 Euro. RWE ist an der Börse noch rund 6,6 Milliarden Euro Milliarden Euro wert. Im August waren es noch elf Milliarden. Der Konkurrent Eon kommt auf das Dreifache des aktuellen Marktwertes.

Hohe Schulden und die Lasten für die Zukunft

RWE drücken Schulden von 25,6 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Öl- und Gastochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro hatte der Versorger seine Schulden etwas reduziert. Auf den Konzern kommen aber durch den Atomausstieg und die Beseitigung der Braunkohletagebauschäden hohe Kosten zu. RWE will auch deshalb seine Kosten senken – bis 2017 um zwei Milliarden Euro.

Die Dividende schmilzt dahin

Die Aktionäre müssen sich auf einen weiteren Rückgang der Dividende gefasst machen. Gab es für das Geschäftsjahr 2008 noch 4,50 Euro, war es zuletzt ein Euro je Aktie. Vielen Kommunen, die knapp 24 Prozent an RWE halten, entgehen früher als sicher eingeschätzte Haushaltseinnahmen. Großaktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit gut fünf Prozent.

Die starke Abhängigkeit von der Kohle

RWE hat die Energiewende verschlafen und insbesondere unter Ex-Chef Jürgen Großmann lange auf Kohle und Atom gesetzt. 2014 erzeugte RWE die Hälfte seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Der Ökostromanteil lag bei knapp fünf Prozent. Die Ökosparte Innogy soll nach vielen Rückschlägen 2015 ihren Gewinn erhöhen.

Der Jobabbau geht weiter

Entlassungen von Beschäftigten dürften weitergehen. RWE hat derzeit knapp 59.000 Mitarbeiter nach früher über 70.000. In der Kraftwerkssparte droht der Wegfall von rund 1000 Jobs – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen.

Vier Vertreter kommen von Kommunen, die zusammen knapp 24 Prozent halten. Darunter sind viele klamme Städte aus Nordrhein-Westfalen, etwa Dortmund, Essen und Bochum. Sie müssen wegen der Krise bei RWE mit weiteren Dividendenkürzungen rechnen. Ihre Aktien sind ohnehin durch den Kursverfall nur noch ein Bruchteil wert. Durch die Hereinnahme neuer Investoren könnte ihr Einfluss schwinden. Die Kommunen fordern von Terium mehr Klarheit über die Aufspaltungspläne. Wenn es RWE damit gelänge, sich einen Zugang zu Kapital für Wachstumsinvestitionen zu verschaffen, sei das begrüßenswert. „Ob diese Neuordnung dann am Ende Kräfte freisetzt, von denen das Unternehmen in seiner Entwicklung tatsächlich profitieren kann, wird sich aber erst beurteilen lassen, sobald die Details dieser Planung vorliegen.“

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, rechnet mit einer Zustimmung des Kontrollgremiums. „Das ist eine intelligente Lösung“, sagte Tüngler zu der Nachrichtenagentur Reuters. RWE verschaffe sich mit der Ausgliederung einen zweiten Zugang zum Kapitalmarkt.

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Terium will das Geschäft mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb abspalten und zehn Prozent Ende 2016 im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen. Die RWE AG könnte weitere Anteile an Investoren veräußern, will aber mindestens 51 Prozent behalten. Bei der Mutter soll das Geschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie der Energiehandel verbleiben. Die RWE-Aktien war am Dienstag um 17 Prozent in die Höhe geschossen.

Von

rtr

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