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13.10.2017

08:08 Uhr

Saatgut und Pflanzenschutz

BASF macht Milliardendeal mit Bayer

„Roundup Ready“ kommt, „Libertylink“ geht: Im Zuge der Monsanto-Übernahme muss Bayer Teile des Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Geschäfts verkaufen. Der Chemieriese BASF schlägt zu.

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern verkauft Unternehmensteile an BASF. dpa

Forschung bei Bayer

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern verkauft Unternehmensteile an BASF.

LudwigshafenBASF will Teile des Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Geschäfts von Bayer kaufen. Das teilte der Chemiekonzern am Freitag in Ludwigshafen mit. Der Kaufpreis beträgt 5,9 Milliarden Euro in bar. Das Geschäft kommt im Zuge der geplanten Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch Bayer zustande. Der Verkauf der Unternehmensteile ist eine Auflage der südafrikanischen Wettbewerbsbehörde, die die Mega-Fusion unter dieser Bedingung abgenickt hatte.

Die Geschäfte erzielten im Jahr 2016 zusammen einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 385 Millionen Euro. Die Transaktion beinhaltet das entsprechende geistige Eigentum, Standorte sowie den Übergang von mehr als 1.800 Beschäftigten vor allem in den USA, Deutschland, Brasilien, Kanada und Belgien.

Der Verkauf unterliegt den Angaben zufolge dem erfolgreichen Abschluss der Übernahme von Monsanto durch den Leverkusener Bayer-Konzern.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

BASF erhält mit dem Kauf der Unternehmensteile auch die Produktfamilie „Libertylink“. Diese gilt als Alternative zu „Roundup Ready“ von Monsanto. Der Unkraut-Killer ist ein Grund, warum die Übernahme von Monsato durch Bayer so umstritten ist. Roundup-Wirkstoff ist das hochgradig umstrittene Pestizid Glyphosat. Mit dem laut Monsanto meistverkauften „Pflanzenschutzmittel“ der Welt machte das Unternehmen jahrzehntelang gute Geschäfte, die Preise sind aber unter Druck, inzwischen treiben andere Produkten das Wachstum.

Verbände und Wissenschaftler warnen schon lange vor gesundheitlichen Risiken. In den USA klagen Krebspatienten, die Roundup als Verursacher ihrer Krankheit ansehen. In Gerichtsakten wird der Konzern zudem beschuldigt, entsprechende Studien manipuliert zu haben. Monsanto weist auch diese Vorwürfe zurück.

Analyse zum BASF-Bayer-Deal: Teure Aufholjagd

Analyse zum BASF-Bayer-Deal

Teure Aufholjagd

BASF zeigt mit der jüngsten Übernahme, dass der Konzern im Agrogeschäft den Anschluss an die globale Führungsspitze halten will. Das wird für den Konzern und seine Aktionäre aber nicht gerade preiswert.

Der Ausgang der Sammelklagen ist ungewiss. Fest steht aber schon, dass Bayer sich mit dem geplanten 66 Milliarden Dollar schweren Zukauf nicht nur rechtliche, sondern auch gehörige Reputationsrisiken aufhalst. Bayer-Chef Werner Baumann ist sich dessen bewusst. „Wir werden das kombinierte Geschäft nach Abschluss der Übernahme nach unseren Maßstäben führen“, versprach er besorgten Aktionären im Frühjahr. Bayer rechnet nach jüngsten Angaben seiner Tochter Crop Science erst Anfang 2018 mit dem Abschluss der Übernahme. Verschiedene Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Trotz der Kontroversen lieferte Monsanto zuletzt überraschend starke Zahlen. Im vierten Geschäftsquartal (bis Ende August) legten die Erlöse dank hoher Nachfrage nach Saatgut für Sojabohnen und Mais im Jahresvergleich um knapp fünf Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar zu. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr kletterte der Umsatz um über eine Milliarde auf 14,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg von 7,0 Milliarden auf 7,9 Milliarden Dollar.

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