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10.10.2012

14:40 Uhr

SAF-Holland-Chef Borghardt

„Die Euro-Krise können wir verkraften“

VonLukas Bay

Das deutsch-amerikanische Unternehmen SAF-Holland gehört zu den führenden Lkw-Zulieferern - und will weiter wachsen. Im Interview erklärt Unternehmenschef Detlef Borghardt, wie er der Krise trotzen will.

SAF-Holland-Chef Detlef Borghardt

SAF-Holland-Chef Detlef Borghardt

Handelsblatt: Vor wenigen Tagen haben Sie ihre bestehende Refinanzierung abgelöst und eine neue Kreditlinie von 260 Millionen Euro verhandelt, um damit ihr Wachstum zu finanzieren. Wie will SAF-Holland in der Krise wachsen?

Wir wollen unsere Marktanteile im Geschäft mit Auflieger- und Anhänger-Systemen ausbauen. Außerdem wächst unser Geschäft mit Ersatzteilen. Auch hier wollen wir neue Kunden gewinnen, indem wir unseren Vertrieb intensivieren und neue Produkte anbieten. Und zu guter Letzt planen wir ein stärkeres Engagement in den BRIC-Staaten. Dabei hilft uns unsere neue Kreditlinie mit besseren Konditionen und einer längeren Laufzeit. Unsere Refinanzierung haben wir damit erfolgreich abgeschlossen.

Zuletzt wurden immer wieder Gerüchte laut, dass sie eine Mittelstandsanleihe an den Markt bringen wollen, um ihr Wachstum zu finanzieren. Hat sich das jetzt erledigt?

Wir wollten in der Vergangenheit einen Bond platzieren. Doch die Situation an den Finanzmärkten gab das damals zu vernünftigen Konditionen nicht her. Eine Finanzierung über Unternehmensanleihen finden wir vor generell attraktiv und sehen es als eine gute Diversifizierung im Finanzierungsportfolio an. Jedoch muss der Zeitpunkt passen.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Während die Märkte in Südeuropa schwächeln kommen Sie bisher relativ unbeschadet durch die Krise. Warum?

Die Marktabschwächung in Europa können wir sehr gut verkraften. Die schwache Nachfrage im Truckgeschäft trifft uns nur am Rande. Für die europäischen Truck-OEMs  produzieren wir im Wesentlichen Sattelkupplungen. Da wir in diesem Segment in Europa nicht der größte Spieler sind, sind auch die Marktschwankungen für uns nicht so stark zu spüren. Unsere Abhängigkeit von der Truckindustrie auf dem nordamerikanischen Markt ist deutlich höher. In den Geschäftsbereichen, in denen wir den Großteil der Umsätze in Europa machen, halten sich die Umsatzverluste im Rahmen. Anhänger und Auflieger verkaufen sich zwar etwas schlechter als letztes Jahr, aber die Umsatzrückgänge liegen im einstelligen Prozentbereich. Und Geschäfte, die hier schlechter laufen, können wir durch gut laufende Geschäfte im Mittleren Osten, Afrika oder Australien kompensieren.

Für einen Mittelständler sind sie außergewöhnlich international aufgestellt, sie produzieren an 17 Standorten. Verlieren die Industrienationen USA und Europa ihre Bedeutung?

Nein. Europa und Nordamerika werden auch weiterhin unsere wichtigsten Märkte sein. Auch Wachstum, was für uns sehr wichtig ist, sehen wir vor allem in Nordamerika im Bereich der Achsen und Luftfederungssysteme. Unseren Marktanteil für Trailer in den USA wollen wir verdoppeln. Dafür haben wir schon investiert und sind auf einem sehr, sehr guten Weg.

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