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11.01.2010

17:11 Uhr

Sammelklage

Alcon-Aktionäre nerven Novartis

VonTorsten Riecke

Freie Alcon-Investoren haben in New York eine Sammelklage gegen das Abfindungsangebot des Schweizer Pharmakonzerns eingereicht. Analysten erwarten nun eine Nachbesserung.des Abfindungsangebots.

alcon-aktionäre machen Novartis Ärger. Quelle: AFP

alcon-aktionäre machen Novartis Ärger.

ZÜRICH. Die Minderheitsaktionäre des Augenheilkonzerns Alcon rebellieren gegen das Übernahmeangebot des Schweizer Pharmariesen Novartis. Anwälte der Kleinaktionäre haben gegen Novartis und den Lebensmittelriesen Nestlé eine Sammelklage in New York eingereicht: Sie fühlen sich von den beiden Konzernen über den Tisch gezogen, bietet Novartis dem Großaktionär Nestlé doch einen deutlich höheren Kaufpreis als den übrigen Anteilseignern von Alcon. In der Klageschrift wird der Abschlag auf 18 Prozent taxiert. Die Anwälte bezeichneten das Abfindungsangebot als „schäbig und unfair“. Zuvor hatten bereits die unabhängigen Verwaltungsräte von Alcon ihren Unmut geäußert.

Novartis hatte vergangene Woche seine Kaufoption für die Mehrheit an Alcon ausgeübt. Die Baseler bieten Nestlé für einen Alcon-Anteil von 52 Prozent rund 180 Dollar in bar je Aktie. Das entspricht einem Kaufpreis von rund 28 Mrd. Dollar. Novartis besitzt seit 2008 bereits 25 Prozent an dem Augenheilkonzern. Den freien Aktionären haben die Schweizer dagegen nur 2,8 Novartis-Aktien für jeweils ein Alcon-Papier angeboten. Zum aktuellen Kurs sind das 151 Dollar. Novartis stützt sich bei der Berechnung des Umtauschverhältnisses auf einen „unbeeinflussten“ Alcon-Kurs von 137 Dollar und addiert darauf einen Aufschlag von etwa zwölf Prozent. Der Aufschlag für Nestlé wird hingegen mit dem Erlangen der Kontrollmehrheit begründet.

Keine Gefahr für Alcon-Übernahme

Die Minderheitsaktionäre brandmarken die Ungleichbehandlung als „extrem unüblich“. Die Übernahme von Alcon wird durch den Aktionärsaufstand jedoch nicht gefährdet. Mit einem Stimmanteil von 77 Prozent erreicht Novartis die für den Kauf notwendige Zweidrittelmehrheit spielend. Auch die Klage in den USA wird den Zeitplan kaum durcheinanderbringen, da die Transaktion nach Schweizer Recht abgewickelt wird und Novartis dadurch am längeren Hebel sitzt.

Zwar werden die Alcon-Aktien in New York notiert, und betroffen von dem Abfindungsangebot sind vor allem freie US-Investoren. Alcon hat seinen Firmensitz jedoch in der Schweiz, und das Schweizer Recht räumt den Minderheitsaktionären weniger Spielraum ein. Ein Übernahmepoker, wie es zuletzt der Konkurrent Roche beim Kauf des US-Pharmakonzerns Genentech durchstehen musste, wird es deshalb wohl nicht geben.

Dennoch hält es Michael Nawrath, Analyst der Zürcher Kantonalbank, für möglich, dass Novartis das Angebot für die freien Aktionäre noch nachbessert, um eine möglichst „reibungslose“ Integration zu gewährleisten. Demnach könnte der endgültige Preis bei rund 168 Dollar je Alcon-Anteil liegen. Das würde in etwa dem Durchschnittspreis entsprechen, den der Pharmakonzern für den gesamten Anteil von Nestlé gezahlt hat. Für die erste Tranche hatte Novartis nämlich nur 143 Dollar je Aktie auf den Tisch gelegt.

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