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25.05.2017

20:44 Uhr

Sammelklage gegen General Motors

Auch US-Hersteller soll bei Diesel getrickst haben

VonKatharina Kort

Nach Volkswagen und Fiat Chrysler steht nun zum ersten Mal ein rein amerikanischer Autobauer im Verdacht, beim Diesel betrogen zu haben. Eine US-Sammelklage wirft General Motors den Einsatz von Schummelsoftware vor.

Eine Sammeklage wirft dem US-Autobauer vor, Emissionswerte von Diesel-Pick-Ups geschönt zu haben. Reuters

General Motors unter Verdacht

Eine Sammeklage wirft dem US-Autobauer vor, Emissionswerte von Diesel-Pick-Ups geschönt zu haben.

New YorkEine schwarze Dieselwoche: Hausdurchsuchungen bei Daimler in Deutschland, Klage des US-Justizministerium gegen Fiat Chrysler und nun eine Sammelklage gegen General Motors. Beim Gericht des Eastern District of Michigan hat die Kanzlei Hagens Berman im Namen von Besitzern von Diesel-Pick-Up-Trucks Klage eingereicht. Darin werfen sie General Motors (GM) vor, in zwei Modellen Schummel-Technologie eingebaut zu haben.

Der Klage zufolge benutzte GM mindestens drei Abschaltvorrichtungen, um Abgastests zu bestehen. Unter realen Bedingungen stießen die Motoren aber zwei- bis fünfmal so viele gesundheitsschädliche NOx-Gase aus wie erlaubt.

Betroffen wären mehr als 700.000 Fahrzeuge. GM weist die Vorwürfe zurück. Doch die GM-Aktie verlor am Donnerstag an der Wall Street mehr als zwei Prozent.

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Mit der jüngsten Klage gegen GM wird zum ersten Mal ein amerikanischer Hersteller in Zusammenhang mit Diesel-Schummeleien gebracht. Tatsächlich setzen die Amerikaner weniger als die Europäer auf Diesel. Bei den PKWs kommen Diesel-Motoren kaum zum Einsatz. Bei den betroffenen Modellen von GM handelt es sich um extrem große und leistungsstarke Pick-Up-Trucks. Auch bei dieser Klage wird Bosch als Technologie-Lieferant genannt.

Vertreten werden die GM-Fahrer von der gleichen Kanzlei, die auch Sammelklagen gegen Volkswagen und Fiat Chrysler auf den Weg gebracht hat. In der Vergangenheit hat die Kanzlei mit ihren Klagen gegen die Tabakindustrie bereits Rekordsummen erzielt. Der Sammelklage können sich theoretisch alle 700.000 Leute anschließen, die eines der betroffenen Modelle Chevy Silverado und GMC Sierra besitzen oder leasen.

„GM behauptet, seine Ingenieure haben eine bemerkenswerte Verringerung von Diesel-Emissionen erreicht“, kommentiert der Rechtsanwalt Steve Berman die Klage. „Diese GM Trucks haben wahrscheinlich genau so viele zusätzliche giftige Emissionen in unsere Luft gelassen wie Volkswagens PKWs“. Laut der Klage soll GM drei verschiedene Schummel-Technologien benutzt haben.

GM-Sprecher Dan Flores sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Vorwürfe seien haltlos. Die Trucks hielten Tests der US-Bundesbehörde EPA und erfüllten auch die besonders strengen kalifornischen Anforderungen.

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Der Glaube an eine saubere Diesel-Technologie kommt mit den jüngsten Nachrichten immer mehr ins Wanken. „Wenn die besten Diesel-Bauer der Welt so große Probleme haben, die Standards in den USA einzuhalten, dann heißt das wohl, dass es Probleme mit dem sauberen Diesel gibt“, sagte Brett Smith, der Co-Direktor des Center for Automotive Research in Ann Arbour, dem Handelsblatt.

Erst am Dienstag hatte das US-Justizministerium seine Klage gegen Fiat-Chrysler (FCA) eingereicht. Die Amerikaner werfen dem italienisch-amerikanischen Autobauer vor, illegale Software zur Abgaskontrolle in rund 100.000 Diesel-Autos eingebaut zu haben. Eigentlich hatte FCA gehofft, die Klage abgewendet zu haben, als das Unternehmen am vergangenen Freitag bei den US-Umweltbehörden Epa und Carb die Zertifizierung einer neuen Software beantragt hatte. Diese Software für den neuen Jeep Grand Cherokee und den neuen Ram 1500 Pick-Up Truck sollte später auch auf die bereits verkauften rund 100.000 Diesel-Autos aufgespielt werden.

Kommentare (2)

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Herr Lothar Bitschnau

26.05.2017, 11:04 Uhr

".. zum ersten Mal ein amerikanischer Hersteller .."
Jetzt bin ich gespannt auf die Moralität der Amerikaner.
Der deutsche Autobauer VW hatte rund 20 Milliarden an Strafen und Auflagen für 500.000 PKW´s zu begleichen. Bei 700.000 Pick Up Trucks von GM mit allgemein größeren Motoren wäre somit meine Prognose bei etwa 28 Milliarden.
Und dann noch das Thema Kursmanipulation .. wer wußtte was wann.
Bin gespannt ob jetzt auch dutzende Staatsanwälte und hunderte Polizisten gleichzeitig ausrücken wie bei Daimler.

Herr Holger Narrog

26.05.2017, 12:01 Uhr

Die EU hat, beeinflusst von Ökolobbies, Grenzwerte für Schadstoffe festgelegt, die sich real kaum einhalten lassen. Da einzelne Hersteller so getan haben als könnten sie diese Werte einhalten, haben die verbleibenden Hersteller sich nicht gegen den Ökoterror gewehrt. Am Ende haben alle Hersteller so getan als ob sie diese Werte einhalten können. Damit haben sich die Autohersteller in eine sehr schlechte Position gebracht.

Sinnvoller wäre es gewesen gegen den Ökoterror offen vorzugehen.

Die Studien denen gem. Dieselabgase und Feinstaub für 100.000ende Tote verantwortlich sind, sind in der Regel ökologisch, bzw. wenig mehr als stramme Behauptungen.

Die gewählte Technik, Abgasrückführungen, Katalysatoren, Dieselpartikelfilter erhöhen die Komplexität, verteuern den Dieselantrieb signifikant, führen bei Kurzstreckenverkehr zu einer raschen Verrussung der Bauteile. Diesel wurden von einer unkaputtbaren Technik zu Sensibelchen die von sehr teuren Reparaturen geplagt werden.

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