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13.12.2016

18:53 Uhr

San'an und GSR

Chinesen wenden sich offenbar von Osram-Übernahme ab

Der Widerstand von Arbeitnehmern und Politik hat offenbar Wirkung gezeigt. Laut einem Bericht hat das Kaufinteresse chinesischer Investoren an Osram deutlich nachgelassen. Sie könnten sich mit einer Minderheit begnügen.

Chinesische Investoren haben laut einem Agenturbericht das Interesse an dem Konzern verloren. Reuters

Osram-Zentrale in München

Chinesische Investoren haben laut einem Agenturbericht das Interesse an dem Konzern verloren.

Frankfurt/MünchenDas Kaufinteresse der Chinesen am Lichttechnikkonzern Osram hat sich Insidern zufolge deutlich nachgelassen. San'an Optoelectronics und der Finanzinvestor GSR Go Scale Capital hätten ihre Bemühungen um eine Mehrheitsübernahme aufgegeben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. „Der Widerstand von Arbeitnehmern und aus der Politik hat auf die Chinesen offenbar Eindruck gemacht“, sagte ein Insider.

Einem dritten Kenner der Vorgänge zufolge könnten sich die Chinesen zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung begnügen und dafür den Anteil von 17,5 Prozent von Siemens kaufen, den die ehemalige Konzernmutter noch hält und loswerden will. Osram wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern, die chinesischen Firmen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Aktien von Osram drehten kurzzeitig ins Minus, notierten wenige Minuten später aber wieder 1,6 Prozent im Plus.

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Die Front gegen eine Übernahme von Osram durch chinesische Investoren wächst: Die IG Metall will die Selbstständigkeit des Lichtkonzerns unbedingt erhalten. Das könnte Auswirkungen auf andere Offerten aus China haben.

Gewerkschaft und Betriebsrat hatten massiv gegen eine Übernahme Osrams Front gemacht und darauf gedrängt, dass die frühere Siemens-Tochter ihre Ziele eigenständig weiterverfolgt. San'an und Osram-Chef Olaf Berlien hatten Gespräche eingeräumt, sich aber nicht weiter dazu geäußert. Offen blieb bis zuletzt, ob Siemens seinen Restanteil einem chinesischen Investor anbieten würde. Insidern zufolge wären die Münchner dazu bereit gewesen.

Die Arbeitnehmervertreter hatten zwar den Verkauf des Glühbirnengeschäfts Ledvance an ein chinesisches Konsortium begrüßt, einen kompletten Verkauf des Traditionsunternehmens aber strikt abgelehnt. Der Betriebsrat wies eigens auf die militärische Verwendung einiger Produkte auch in Nordamerika hin. Die USA hatten zuletzt den Verkauf der Philips-Tochter Lumileds ins Reich der Mitte wegen Sicherheitsbedenken unterbunden, die Mehrheit an der Firma ging letztlich an einen US-Finanzinvestor.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Auch die Bundesregierung mischt sich zunehmend in Transaktion chinesischer Investoren ein, etwa im Fall des Spezialanlagenbauers Aixtron. Die US-Regierung verbot die Transaktion, letztlich zog der Investor Fujian Grand Chip Investment sein Angebot zurück. In Berlin wird das Engagement chinesischer Investoren mit Argusaugen verfolgt, auch den Verkauf der Osram-Lampensparten nimmt das Wirtschaftsministerium derzeit unter die Lupe. Den größten Erfolg aus dem Reich der Mitte konnte bislang der Hausgerätehersteller Midea verbuchen, der sich mit einen kühnen Angebot trotz politischer Bedenken den Roboterbauer Kuka schnappte.

Von

rtr

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