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26.03.2006

10:34 Uhr

Sanierungspläne

VW-Umbauprogramm sorgt für Aufregung

Noch herrscht gespannte Ruhe bei VW. Doch das wird voraussichtlich nicht mehr lange so bleiben. Spätestens nach den Betriebsratwahlen in der kommenden Woche dürfte es bei VW ans Eingemachte gehen. Die Arbeiter machten bereits in erhitzten Debatten auf Betriebsversammlungen und an den Werkbänken ihrem Ärger Luft.

WOLFSBURG. Es geht um hochsensible Themen, die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt. Doch seit VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder vor über sechs Wochen mit der Ankündigung eines tief greifenden Umbauprogramms für Aufregung sorgte, tut sich - zumindest öffentlich - nur noch wenig. Eine Verhandlungskommission nehme jetzt die Arbeit auf, hieß es noch in einer kargen Mitteilung des Autobauers. Aber das war es auch schon. Die Vorstandspläne sind im Detail nicht bekannt.

Für die Arbeiter geht es um viel: Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, ein Stellenabbau und sogar das Gespenst von Werkschließungen geht um. Hauptzielscheibe der Kritik ist dabei VW- Markenvorstand Wolfgang Bernhard, der vor über einem Jahr in Wolfsburg angetreten ist, um die Kernmarke aus den Miesen zu holen. Für ihn gibt es dabei kein Tabu.

Pischetsrieder und Bernhard sind fest entschlossen, durchzugreifen bei VW. Dabei soll kein Stein auf dem anderen bleiben, wie sie immer wieder deutlich gemacht haben. Nicht nur die Arbeitsbedingungen und - kosten stehen auf dem Prüfstand, sondern auch Produktionsabläufe und -prozesse, sogar die Konstruktion der Autos. Die VW-Spitze sieht die Zukunft des gesamten Konzerns in Gefahr, wenn die Sanierung der kriselnden Traditionsmarke nicht gelingt. Sie ist das Rückgrat des Autobauers und 2005 nur mit Müh und Not Verlusten entgangen.

Welche Rolle die jetzt anstehenden Betriebsratswahlen bei den Sanierungsbemühungen spielen - darüber können auch die Experten nur spekulieren. Schmerzhafte Einschnitte ließen sich vorher kaum durchsetzen, sagen die einen. Der Einfluss der Wahlen werde überschätzt, sagen die anderen. Ziemlich sicher aber ist, dass eine Welle der Aufregung noch über die deutschen Werke hinwegschwappen wird, wenn erst einmal feststeht, was der Vorstand im Einzelnen plant. Niemand gibt so ohne weiteres Privilegien auf, und darauf wird es für die Arbeiter hinauslaufen.

Bisher geht es bei den Gesprächen zwischen Betriebsrat und Management vor allem darum, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Konkrete Maßnahmen stehen noch nicht auf der Agenda. Vor allem aber die mögliche Schließung unrentabler Bereiche etwa in der Komponentenfertigung, die vor allem Bernhard in aller Eindeutigkeit aufs Tapet gebracht hatte, löst in der Belegschaft große Besorgnisse aus. Bernhard hat zwar angekündigt, es werde keinen „wahllosen Kahlschlag“ geben. Aber er sprach in einem Brief an die Belegschaft auch von einem „steinigen Weg“, der zu beschreiten sei.

Der Betriebsrat hat stets betont, dass eine Verbesserung der Arbeitsabläufe und eine Verminderung der Fehleranfälligkeit bei den Konstruktionen auch in seinem Sinne sei. Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh hatte aber mehrfach gefordert, das Sanierungsprogramm müsse ausgewogen sein. Dem Betriebsrat kommt es vor allem darauf an, Beschäftigung in Deutschland zu halten.

Für Osterloh ist es zudem die erste Betriebsratswahl, seit er den Job als Vorsitzender übernommen hat. Sein Vorgänger Klaus Volkert war im Sommer 2005 im Zuge der VW-Affäre um Schmiergelder und Sexpartys auf Firmenkosten zurückgetreten und hatte die Arbeitnehmervertretung deutlich geschwächt hinterlassen. Insofern ist die anstehende Betriebsratswahl für Osterloh auch eine Art Bewährungsprobe. Gewinnt er sie, stärkt es auch seine Verhandlungsposition in der Auseinandersetzung mit dem Vorstand.

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