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22.03.2013

04:12 Uhr

Sanierungsplan abgelehnt

Ringen um Opel-Werk in Bochum geht weiter

Nach einem Nein der Opel-Arbeiter zum Sanierungsplan droht das Aus für das Werk schon zwei Jahre früher. Das Unternehmen will nicht weiter verhandeln. Die IG Metall offenbar schon.

Opel-Arbeiter stimmen gegen Sanierungsplan

Video: Opel-Arbeiter stimmen gegen Sanierungsplan

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BochumNach dem Nein der Bochumer Opel- Beschäftigten zu einem Sanierungs-Tarifvertrag geht das Ringen um die Zukunft des Werks weiter. Zwar teilte die Geschäftsleitung mit, dass es keine weiteren Verhandlungen über den Tarifvertrag geben wird. Die IG Metall kündigte aber an, sich in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat und der Adam Opel AG über weitere Schritte abstimmen zu wollen.

Laut NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bemüht sich die Gewerkschaft, das Unternehmen zu weiteren Gesprächen zu bewegen.

Die Beschäftigten hatten am Donnerstag den Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer mit klarer Mehrheit abgelehnt. Jetzt droht das Ende der Autoproduktion bereits Ende kommenden Jahres und nicht erst Ende 2016.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky hatte angekündigt, die Fertigung in Bochum zum 1. Januar 2015 komplett einzustellen, falls es keine Einigung mit den Beschäftigten geben sollte. Bis Ende 2014 gilt in Bochum noch ein Kündigungsschutz.

Die Gewerkschaftsmitglieder sprachen sich nach Angaben der IG Metall mit 76,1 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen den Tarifvertrag aus. Sie folgten damit ihrem Betriebsrat, der den Sanierungsplan abgelehnt hatte. Die Wahlbeteiligung betrug 69,3 Prozent.

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Jedes neue Automodell ist für Opel fast wie ein Endspiel. Beim Zafira Tourer waren die Erwartungen besonders hoch. Aber auch der Kompakt-Van konnte das Werk in Bochum nicht retten. Eine Ausfahrt.

Mit dem zwischen Gewerkschaft und Unternehmen in mühsamen Verhandlungen erzielten Tarifvertrag sollte das Aus für die Fahrzeugproduktion um zwei Jahre verschoben werden. Nach 2016 sollten Bochum nur noch eine Teilefertigung und ein Ersatzteillager mit zusammen 1200 Arbeitsplätzen bleiben. Derzeit hat Opel dort noch 3200 direkt beim Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter.

„Wir bedauern sehr, dass die Beschäftigten in Bochum ein attraktives Angebot nicht angenommen haben“, sagte der Bochumer Werksleiter Manfred Gellrich laut einer am Donnerstag in Rüsselsheim veröffentlichten Erklärung. „Eine große Chance ist nun vertan.“ Wie bereits zuvor klargestellt worden sei, werde es keine weiteren Verhandlungen zum vorliegenden Tarifvertrag geben. „Die Zafira Tourer Produktion und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen werden Ende 2014 auslaufen“, hieß es weiter.

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Drei Opel-Standorte stimmen Sanierungsplan zu

Der Bochumer Opel-Betriebsrat kämpft hingegen weiter um die Sicherung von Jobs.

„Das Votum ist eindeutig“, kommentierte der Bezirkschef der IG Metall in NRW, Knut Giesler, das Ergebnis am Abend. Die Gewerkschaft werde den Tarifvertrag für den Standort Bochum nicht unterschreiben. Die Zusagen des Unternehmens seien den meisten Mitarbeiter zu vage. „Ich kann gut verstehen, dass sich die Menschen mit einem Auslaufen der Autoproduktion in Bochum und betriebsbedingten Kündigungen nicht abfinden wollen.“ Die IG Metall, der Betriebsrat und die Adam Opel AG müssten sich in den kommenden Wochen über weitere Schritte abstimmen.

Kommentare (15)

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21.03.2013, 19:14 Uhr

Dieses Ergebnis wird sicherlich von dem BR Einenkel noch als tolle Entscheidung der Mitarbeiter kommuniziert werden, mit dem untauglichen Versuch auf GM weiter Druck auszuüben. Die werden aber jetzt endgültig die Nase voll haben, und das Werk schnellstmöglich schliessen. Und Einenkel wird dann viel Zeit in seiner Pension haben über die Ungerechtigkeiten der Welt und die "bösen Amerikaner" zu schimpfen. Dabei ist er der Totengräber des Werkes. Schade für die betroffenen Mitarbeiter, die sich zur falschen Entscheidung überzeugen liessen.

Account gelöscht!

21.03.2013, 19:18 Uhr

Die Belegschaft von Opel Bochum ist dem kaltem Glanz des Geldes gefolgt.
Wenn GM jetzt den Laden dichtmacht bekommt jeder eine Abdindung und zwar am oberen Rand der Meßlatte, dass dürften dann so im Schnitt zwischen 200- 300.000 Euronen liegen.
In dem westlichen Falen ist das genug für ein nettes Häuschen und schnell verdientes Geld und weiterarbeiten kann man trotzdem, nur nicht mehr bei Opel.
Was mit den etwa 1.500 Mitarbeitern ist, die in den Zulieferbetrieben wegfallen?
Tja, die haben halt Pech gehabt.

btw

21.03.2013, 19:29 Uhr

"Opel-Mitarbeiter in Bochum lehnen Sanierungsplan ab"
_____________________________

Wann beabnsichtigt GM eigentlich mal sich ein professionelles Management bis zum CEO hoch zu erlauben?

Vermutlich hat GM kein Geld für Profis.

Und dafür kann Opel nun mal nichts.

Richtig, dass Opel MA "Sanierungspläne" ablehnen, die nichteinmal das Butterbrotpapier wert scheinen, auf das sie hingekliert wurden.

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