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11.01.2007

08:44 Uhr

Sanierungsprogramm „Power 8“

Airbus startet die Sanierung

VonHolger Alich und Markus Fasse

Die Auftragslage bei Airbus könnte nicht besser sein. Dennoch will der Luftfahrtkonzern EADS möglichst schnell mit der Sanierung seiner Flugzeugtochter beginnen. Bereits am Freitag sollen die ersten Punkte des Sanierungsprogramms „Power 8“ abgearbeitet werden, die auch die Zukunft einiger Standorte in Deutschland betreffen.

PARIS/MÜNCHEN. Nach wochenlangen internen Beratungen will Airbus-Chef Louis Gallois erstmals den Gewerkschaftsvertretern seine Pläne vorstellen. „Am Freitag werden die Punkte abgearbeitet werden, die am wenigsten strittig sind, etwa wie die Produkt-Entwicklung beschleunigt werden soll, oder wie die Effizienz der Produktion verbessert werden kann“, sagte Jean-François Knepper, Co-Präsident des europäischen Betriebsrates dem Handelsblatt. Weder Airbus noch der Mutterkonzern EADS wollten die anstehenden Verhandlungen kommentieren.

Mit dem Sanierungsplan „Power 8“ reagiert die Airbus-Mutter EADS auf die Verluste durch die erneute Verspätung des Riesen-Airbus A 380, bis 2010 fehlen Airbus fast fünf Mrd. Euro in der Kasse. Noch dramatischer trifft Airbus der Verfall des US-Dollar, der in den vergangenen fünf Jahren ein Drittel seines Wertes verloren hat. Airbus produziert fast ausschließlich im Euroraum, abgerechnet werden die Flugzeuge aber in Dollar. Spätestens ab 2010 soll das Programm pro Jahr Einsparungen von zwei Mrd. Euro einbringen. „Power 8 hätten wir auch ohne die Probleme bei der A 380 machen müssen“, sagt ein EADS-Manager.

2 000 Passagierflugzeuge stehen in den Auftragsbüchern von Airbus – ein Rekordbestand. Doch beim derzeitigen Dollarkurs kann dieser Bestand gerade noch profitabel gefertigt werden. Künftige Projekte, wie das gerade beschlossene Großraumflugzeug A 350 XWB könnten auch wegen ihrer hohen Entwicklungskosten nach Berechnungen von Lehmann Brothers jedoch Verluste produzieren, sollte Airbus seine Kosten nicht signifikant senken.

Das Sanierungsprogramm „Power 8“ enthält acht Module. Diese sehen Einschnitte bei den Zulieferern vor sowie die Auslagerung und Beschleunigung von Entwicklungsarbeiten. Knackpunkt für Gewerkschaften und Politiker ist die Neuaufteilung des Fertigungsverbundes in Frankreich, Deutschland und Spanien. Die US-Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass sieben der 16 Airbus-Werke in Europa verkauft oder geschlossen werden müssten. Die Experten von BNP Exane sehen 15 000 bis 20 000 Stellen in Europa gefährdet. Insgesamt beschäftigt Airbus 54 000 Mitarbeiter in Europa, ein gutes Drittel davon in Deutschland. „Da der Plan bis Ende März stehen soll, kommen diese Streitpunkte schon sehr bald auf den Tisch“, sagt Gewerkschafter Knepper. Vor allem die deutschen Komponentenwerke in Varel, Bremen, Stade, Nordenham und Buxtehude gelten als gefährdet.

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