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02.12.2015

09:26 Uhr

Sanofi

Wie der neue Chef den Pharmariesen umbaut

VonSiegfried Hofmann

Der Pharmakonzern Sanofi verordnet sich eine neue Organisation. Auch wollen die Franzosen ihre Forschung und Entwicklung ausbauen – und planen weitere Partnerschaften. Doch ihr größtes Problem bleibt die Diabetes-Flaute.

Der französische Pharmakonzern befindet sich im Umbruch – auch in Deutschland. Reuters

Sanofi

Der französische Pharmakonzern befindet sich im Umbruch – auch in Deutschland.

FrankfurtEin Megadeal wie zwischen Pfizer und Allergan ist für den französischen Pharmariesen Sanofi zwar kein Thema. Dennoch vollzieht sich bei dem mit 34 Milliarden Euro Umsatz drittgrößten Arzneimittelhersteller Europas derzeit hinter den Kulissen ein relativ weitreichender Umbruch: In einzelnen Schritten setzt der neue Chef Olivier Brandicourt seine Strategie in dem Pariser Konzern um.

Dagegen wolle sich der Konzern von Nischenbereichen, wie etwa das Geschäft mit Tierarzneien und Nachahmer-Medikamenten (Generika) wahrscheinlich trennen. Wegen den hohen Umbaukosten und steigenden Investitionen für Forschung und Entwicklung müssen Aktionäre in den kommenden zwei Jahren wohl auf mehr Gewinn verzichten. Ab 2018 dagegen sollen die Erträge wieder zulegen und dann schneller wachsen als der Umsatz.

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Auch am Standort in Deutschland, wo der Konzern rund 9200 von weltweit 110.000 Mitarbeitern beschäftigt, sind von Brandicourts Umbau betroffen. Anfang dieser Woche wurde die Geschäftsführung der deutschen Tochter Sanofi-Aventis um drei Mitglieder erweitert: Clemens Kaiser, Martina Ochel und Mario Miguel Stigler übernehmen die Führung der drei neu geschaffenen Geschäftsbereiche General  Medicines, Sanofi Genzyme sowie Diabetes und Herzkreislauferkrankungen. Dabei behält Martin Siewert den Vorsitz der Geschäftsführung von Sanofi in Deutschland. Dagegen scheidet der bisherige Vertriebschef Stefan Oelrich bei der Deutschland-Tochter aus, um künftig europaweit für den Bereich Diabetes und Herzerkrankungen von Sanofi zu verantworten. Das Unternehmen betreibt in Frankfurt einen seiner weltweit größten Produktions- und Forschungsstandorte.

Mit diesen Veränderungen im deutschen Management passt Sanofi seine hiesige Struktur dem neuen globalen Organisations-Schema an. Das hatte der Sanofi-Chef schon zur Jahresmitte ankündigt, bis Anfang 2016 soll es umgesetzt sein. Dabei handelt es sich um einen weiterer Schritt, mit dem Brandicourt den Konzern wieder auf Wachstumskurs führen will.

Der 59 Jahre alte Pharma-Manager arbeitete zunächst als Healthcare-Chef bei Bayer, bevor er im April den Chefposten bei Sanofi übernommen hatte. Er steht nun vor der Herausforderung, die wichtigsten Teilbereiche des Konzerns – das Geschäft mit Diabetesmitteln – wieder fit zu machen. Die Sparte war angesichts großer Konkurrenz unter Preisdruck geraten. Dabei erzielt Sanofi im Diabetes-Bereich bisher rund ein Fünftel seiner Erlöse – vor allem mit dem Bestseller Lantus, einem modifizierten, länger wirksamen Insulin. Diese Umsätze sind allerdings rückläufig. In den ersten neun Monaten schrumpften sie währungsbereinigt um knapp fünf Prozent, während der Gesamtkonzern immerhin noch um fast vier Prozent zulegen konnte.

Die Diabetes-Schwäche hofft Brandicourt durch neue Produkte, etwa im Bereich Impfstoffe oder Medikamente gegen Krebs, Herz-Kreislauf und Multiple Sklerose, kompensieren zu können. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Cholesterin-Senker Praluent, der im Juli in den USA zugelassen worden ist. In Kürze soll er auch in Europa auf den Markt kommen. Um den Bereich Forschung und Entwicklung zu stärken, will der Sanofi-Chef die Kooperation mit externen Forschungspartnern weiter intensivieren.

So hat er Anfang November eine bis zu 3,5 Milliarden Euro schwere Allianz mit der koranischen Hanmi Pharmaceuticals für die Entwicklung neuer Diabetesmedikamente geschlossen. Auch hat er eine Kooperation mit der Mainzer Biotechfirma BioNTech für die Entwicklung neuer Immuntherapien gegen Krebs besiegelt. Hinzu kommen eine Reihe weiterer neuer Partnerschaften, wie etwa mit der Hamburger Evotec und den US-Firmen Regeneron und Lexicon.

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