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14.12.2012

11:46 Uhr

Sattes Plus

Volkswagen trotzt der Autoabsatzkrise

Deutschlands größtem Autohersteller kann die Branchenkrise nichts anhaben. Während der Konkurrenz die Absätze einbrechen, hat VW schon jetzt die Vorjahreszahlen übertroffen. Die Prognose bleibt jedoch zurückhaltend.

Volkswagen verkaufen sich nach wie vor ordentlich. dapd

Volkswagen verkaufen sich nach wie vor ordentlich.

DüsseldorfDie Krise der Autoindustrie kann dem Wolfsburger Volkswagen -Konzern auch zum Jahresende nicht die Bilanz vermiesen. Im Gegenteil: Konzernweit lieferte der Autobauer im November 794.500 Fahrzeuge aus, das war ein Plus von 11,7 Prozent zum Vorjahresmonat, wie VW am Freitag mitteilte. Von Januar bis November verkauften die Niedersachsen 8,29 Millionen Autos, ein Plus von 10,4 Prozent. „Schon nach elf Monaten haben wir mehr Fahrzeuge ausgeliefert als im gesamten letzten Jahr“, sagte Konzernvertriebsvorstand Christian Klingler. „Trotz des neuen Auslieferungsrekords in diesem Jahr bereiten wir uns schon heute auf ein sehr anspruchsvolles Jahr 2013 vor.“

Der Wolfsburger Autobauer schlägt sich bislang besser durch die Euro-Krise als die Konkurrenz, von deren Schwäche der Konzern profitiert. Inzwischen stammt jedes vierte in der EU verkaufte Auto aus dem Volkswagen-Konzern. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Südeuropa rechnet Volkswagen für 2013 mit deutlich mehr Gegenwind.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Der europäische Automarkt insgesamt ächzt schon länger unter der mageren Nachfrage. Im November schrumpfte in der Europäischen Union der Autoabsatz im Vorjahresvergleich um 10,3 Prozent. Damit ging die Zahl der Neuzulassungen den 14. Monat in Folge zurück. Von Januar bis November kamen in der EU 7,6 Prozent weniger neue Autos auf die Straßen. In den USA und China jedoch ziehen die Verkäufe deutlich an.

Bereits am Donnerstag war bekannt geworden, dass Volkswagens Pläne für ein Billigauto unter 8000 Euro immer konkreter werden. Das Fachmagazin „auto motor und sport“ berichtete in seiner am Donnerstag erschienenen Ausgabe, der Vorstand wolle bereits im Januar über ein abgespecktes Stufenheck-Modell basierend auf dem in China verkauften Jetta entscheiden. VW-Manager Hans Demant bereite mit einem 20-köpfigen Team ein entsprechendes Konzept vor. Ein Insider sagte Reuters, dass Anfang kommenden Jahres „ein großer Termin“ geplant sei. Es sei aber unklar, ob dann über ein Billigauto entschieden werde.

Die größten Automärkte der Welt

Platz 7

Russland - 1,41 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der russische Markt gehört zu den am stärksten wachsenden Automärkten der Welt. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im ersten Halbjahr um Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Platz 6

Indien - 1,48 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auf der indischen Halbinsel wachsen die Zulassungszahlen rasant, insbesondere bei Kleinwagen. Satte 13 Prozent betrug das Wachstum allein im ersten Halbjahr - ein Ende ist nicht absehbar.

Platz 5

Brasilien - 1,63 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der Automarkt im größten Land Südamerikas schwächelt im ersten Halbjahr etwas stärker als erwartet. Die Zulassungszahlen schrumpften um 0,4 Prozent.

Platz 4

Deutschland - 1,64 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auch wenn der deutsche Automarkt nur um ein Prozent im ersten Halbjahr wuchs: Damit erobern die Deutschen den vierten Platz zurück.

Platz 3

Japan - 2,53 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Japaner haben die Tsunami-Katastrophe hinter sich gelassen. Kein Automarkt legte im ersten Halbjahr stärker zu. Insgesamt stiegen die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr um 57 Prozent.

Platz 2

China - 6,42 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Das rasante Wachstum in China verliert langsam an Fahrt. Trotzdem legte auch der chinesische Markt im ersten Halbjahr um neun Prozent zu.

Platz 1

USA - 7,25 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Amerikaner haben die Lust am Autokauf wiederentdeckt. Im ersten Halbjahr legten die Verkaufszahlen um 15 Prozent zu.

Und die Finanzierungs- und Leasingtochter von Volkswagen erklärte angesichts der Schwäche direkter Konkurrenten beim Ausbau ihres Geschäfts in Europa schneller voran zu kommen, als gedacht. Die VW-Tochter wollte den Anteil der finanzierten und geleasten Fahrzeuge am Absatz der Marken des Wolfsburger Konzerns in Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien in den nächsten Jahren auf 40 Prozent steigern. Mit 35 bis 40 Prozent ist dieses Ziel bereits jetzt zum Greifen nahe.

In Deutschland wird bereits mehr als die Hälfte der von Europas größtem Autokonzern verkauften Fahrzeuge von der Finanztochter finanziert. Auf dem Heimatmarkt habe VW Financial Services in diesem Jahr leicht zugelegt. Immer mehr Käufer nutzen die Finanzierungsangebote, um sich Wagen mit einer höherwertigen Ausstattung in die Garage zu stellen. Dabei subventionieren die einzelnen Marken den Zinssatz mit ihren Absatzbudgets. Nach einem ähnlichen Prinzip verfahren auch BMW, Daimler und Ford.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.12.2012, 15:19 Uhr

Volkswagen ist in jedem Segment mit Marken und Modellen vertreten deshalb ist es für den Konzern einfacher Krisen zu überwinden und zudem setzt Volkswagen schon lange auf die heutigen Wachstumsmärkte wie China und Brasilien. Auch einige wenige Lieferanten haben diesen Trend früh erkannt und dementsprechend richtig investiert, darunter die Schaeffler Gruppe. Dieses Jahr wird ein neues Werk in Indien eröffnet um den Asiatischen Markt zu beliefern und es werden weiterhin Millionen in den heutigen Wachstumsmärkten investiert.

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