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18.03.2014

14:04 Uhr

Scania-Aktionäre gegen VW

Die widerspenstigen Schweden

VonLukas Bay

Der Scania-Verwaltungsrat empfiehlt den eigenen Aktionären, das Übernahmeangebot von Volkswagen abzulehnen und pocht auf die Eigenständigkeit. Ein Nackenschlag für Konzernpatriarch Piëch.

Die Lkw-Marken von Volkswagen, Scania und MAN, arbeiten derzeit noch eher gegen- als miteinander. dpa

Die Lkw-Marken von Volkswagen, Scania und MAN, arbeiten derzeit noch eher gegen- als miteinander.

DüsseldorfIm Zwölf-Marken-Reich des Volkswagens-Konzerns wird die Frage nach der Führung eigentlich nicht gestellt. Niemand, nicht einmal Konzernchef Martin Winterkorn, würde es wagen, den Worten des Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch öffentlich zu widersprechen. Und seine Ziele hat der Konzernpatriarch klar formuliert: Volkswagen soll die Nummer Eins werden – auch bei den Nutzfahrzeugen.

Mit Scania und MAN haben die Wolfsburger für dieses Ziel eigentlich zwei starke Lkw-Bauer im Konzern, wenn die Elefanten ihre Kräfte bündeln würden. Doch bisher stockt die Zusammenarbeit nicht nur, die Münchener und die Schweden beäugen sich äußerst skeptisch – obwohl bei MAN mit Anders Nielsen ein ehemaliger Scania-Manager im Chefsessel sitzt. Und auch die Zusagen aus Wolfsburg, die Unabhängigkeit der Schweden zu bewahren, halfen bisher wenig.

Mit der Übernahme der verbliebenen Minderheitsanteile für 6,7 Milliarden Euro will Volkswagen darum die Zügel enger ziehen. Statt dem schwedischen Triumvirat aus MAN-Chef Nielsen, Scania-Chef Östling und ihrem übergeordneten Koordinator Leif Östling, könnte dann schon im kommenden Jahr der ehemaliger Daimler-Vorstand Andreas Renschler die Richtung vorgeben. Bei MAN haben die Wolfsburger durch einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag ohnehin die volle Kontrolle.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

Doch die Schweden erweisen sich auch in diesem Fall als hartnäckig und unangenehm für die Führung aus Wolfsburg. Der unabhängige Teil des Verwaltungsrats hat nun den Minderheitsaktionären empfohlen, das Angebot der Wolfsburger abzulehnen. Scania sei mehr wert, teilte das Unternehmen mit. Ein kleiner Nackenschlag für Piëch, der dem Gremium selbst angehört. Der Spezialist für Luxuslaster will sogar seine Quartalszahlen vorziehen, um noch in der laufenden Phase des Übernahmeangebots aus Wolfsburg seine Zugkraft zu demonstrieren. Ein übliches Geplänkel, sagen Marktbeobachter, aber ein Geplänkel, das Volkswagen mehr Geld kosten könnte.

Dabei fällt das Angebot mit 6,7 Milliarden Euro - etwa 50 Prozent über den durchschnittlichen Wert der Aktien - eigentlich schon üppig aus. Denn viel mehr operative Kontrolle hätten die Wolfsburger auch bei einer vollständigen Übernahme nicht. Man würde sich höchstens den Widerstand der Minderheitsaktionäre gegen eine engere Kooperation vom Halse schaffen.

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