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25.01.2007

18:35 Uhr

Scania-Übernahme durch MAN gescheitert

Elefantenschach, Runde zwei

VonCarsten Herz

MAN und Scania kommen vielleicht doch noch zusammen. Der Münchener Mischkonzern wird allerdings keine aktive Rolle mehr spielen beim Ringen um den schwedischen Lastwagenriesen. Entscheiden wird letztlich allein Volkswagen.

Kommen Scania und MAN doch noch zusammen? Foto: dpa Quelle: dpa

Kommen Scania und MAN doch noch zusammen? Foto: dpa

FRANKURT/MÜNCHEN/BOCHUM. Der Staub hat sich gelegt, der Boden gezittert, die Ausgangspositionen sind dieselben. Einen Tag nach der Rücknahme des Übernahmeangebots des Münchener Mischkonzerns MAN an den schwedischen LKW-Hersteller Scania sondieren die Kontrahenten die Lage. „Elefantenschach“ nennt ein Beteiligter die Manöver der vergangenen vier Monate, in denen MAN seinen Stockholmer Kontrahenten zu übernehmen versuchte. Trotz aller Manöver: Näher gekommen sind sich die Dickhäuter keinen Meter. Eine Elefantenehe ist in weiter Ferne.

„Ich bin enttäuscht, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben. Wir haben daraus die Schlussfolgerung gezogen, es auf freundlichem Weg zu probieren“, sagte MAN-Chef Håkan Samuelsson gestern am Rande eines Auto-Kongresses in Bochum. Die Notwendigkeit, den größten LKW-Hersteller Europas zu schaffen, aber bleibe. Die Rücknahme der 10,3 Mrd. Euro schweren Offerte verstehen die Münchener als Friedenssignal an die Scania-Großaktionäre Volkswagen und Investor, die Holding der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg. Auf den MAN-Rückzieher folgen abgestimmte Statements: Scania und Investor begrüßten umgehend die abgesagte Attacke. Investor-Chef Jacob Wallenberg sprach sich für die Aufnahme neuer, freundschaftlicher Verhandlungen aus. Nach einer „Cool-down-Phase“ wollen sich alle wieder an einen Tisch setzen.

Doch die Vorzeichen haben sich geändert. „VW wird bei den neuen Verhandlungen sicherlich endgültig das Steuer übernehmen“, sagte Auto-Analyst Patrick Juchemich vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die Wolfsburger hätten als größter Aktionär von Scania und MAN den stärksten Handlungsbedarf, sie wollten ihre brasilianische Lastwagensparte in die Elefantenhochzeit einbringen. MAN-Chef Samuelsson steht dagegen vor einem Scherbenhaufen – und muss um seine Führungsrolle bangen.

Es werde immer wahrscheinlicher, dass die Führung des geplanten neuen LKW-Herstellers weder bei Scania-Chef Leif Östling noch bei Samuelsson liege, heißt es in Branchenkreisen. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Investor-Oberaufseher Jacob Wallenberg würden inzwischen favorisieren, einen neuen, unverbrauchten Kandidaten an die Spitze des neuen LKW-Riesen zu stellen. Doch noch ist auch den Strippenziehern nicht klar, wie der angestrebte Zusammenschluss bewerkstelligt werden soll. „Auch der Vorstandsposten ist Verhandlungssache“, sagte ein Insider.

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