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20.12.2011

15:09 Uhr

Schadenersatzansprüche

Thyssen-Krupp geht gegen Ex-Chef Schulz vor

Der Streit bei Thyssen-Krupp über das Desaster um die Milliarden-Abschreibung in Brasilien eskaliert. Nun lässt der Stahlkonzern sogar Schadenersatzansprüche gegen die Firmenlegende Ekkehard Schulz prüfen.

Ekkehard Schulz, Ex-Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG. dpa

Ekkehard Schulz, Ex-Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG.

Essen/HamburgDer Mischkonzern Thyssen-Krupp prüft wegen der Kostenexplosion bei seinem neuen Stahlwerk in Brasilien Schadenersatzforderungen gegen Ex-Vorstandschef Ekkehard Schulz. Wegen der Abschreibungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro in der Sparte Steel Americas habe der Konzern Rechtsanwälte damit beauftragt, ein Gutachten zu aktualisieren, teilte der Konzern am Dienstag mit.

Zuvor hatte das „Manager Mmagazin“ vorab ohne Angaben von Quellen berichtet, die Kanzlei Hengeler Mueller solle im Auftrag des Aufsichtsrats prüfen, ob Schulz für die Kostenüberschreitung bei dem Stahlwerk haftungsrechtlich verantwortlich gemacht werden könne. Von der Kanzlei war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Aufsichtsrat habe zuletzt 2010 überprüfen lassen, ob er verpflichtet sei, Schadenersatzansprüche gegen den Vorstand der ThyssenKrupp AG und insbesondere gegen das für den Stahlbereich ehemalige, zuständige Vorstandsmitglied Karl-Ulrich Köhler geltend zu machen, erläuterte der Konzern. Dies sei von den Anwälten verneint worden. Köhler hatte im Zuge der Kostenexplosion bei den Stahlwerken in Übersee seinen Hut nehmen müssen. Er ist heute Europa-Chef des indischen Stahlkonzerns Tata Steel.

Die Kosten für das Stahlwerk in Brasilien waren ursprünglich auf 1,3 Milliarden Euro beziffert worden, schossen jedoch schließlich nach Pannen und Mängeln auf mehr als fünf Milliarden Euro in die Höhe. Thyssen-Krupp zog die Anlage in einem Sumpfgebiet hoch. Die Planungen in Übersee - dazu gehört auch ein neues Stahlwerk in den USA - hatte der Aufsichtsrat unter Führung von Gerhard Cromme abgesegnet.

Schulz hatte den Chefposten Ende Januar an den ehemaligen Siemens -Manager Heinrich Hiesinger abgegeben. Dieser hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2,9 Milliarden Euro abgeschrieben, den Löwenanteil machten die neuen Stahlwerke aus. Schulz hatte daraufhin vor zwei Wochen angekündigt, seinen Posten im Aufsichtsrat Ende des Jahres niederzulegen. „Mit diesem Schritt möchte ich die öffentliche Diskussion um meine Person im Zusammenhang mit den Investitionen bei Thyssen-Krupp Steel Americas beenden“, begründete der 70-Jährige.

Das Leben des Berthold Beitz

Eine Verbeugung

Berthold Beitz hat nicht nur den Krupp-Konzern umgewandelt und deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben, sondern ist vor allem eine der größten Persönlichkeiten unserer Zeit. Der Historiker Joachim Käppner hat eine Biografie über Beitz geschrieben, die dessen Leben umfangreich aufarbeitet. Es folgt eine Zusammenfassung.

Geburt in Pommern

Berthold Beitz wird am 26. September 1913 in Zemmin in Pommern geboren. Mutter Erna ist Kindermädchen, Vater Erdmann spielt im Militärorchester Trompete. Als Berthold ein Jahr alt ist, reitet der Vater mit Lanze und Gewehr in den Krieg. Er sieht seinen Sohn nur während der kurzen Fronturlaube. Im September 1916 kommt das zweite Kind der Familie zur Welt, Brunhild.

Sonnige Jahre der Schulzeit

Nach dem Krieg zieht die Familie nach Demmin. Erdmann findet Arbeit im Finanzamt. Es folgen weitere Umzüge 1920 und 1925, als die Familie im schönen Greifswald landet. Berthold ist ein recht fauler Schüler, der sogar einmal sitzen bleibt. Obwohl der Vater dies nicht gern sieht, haben sie ein gutes Verhältnis.

Banker statt Arzt

Der junge Mann würde gern Medizin studieren, doch nach dem Börsencrash 1929 fehlen der Familie die finanziellen Mittel, da im Zuge dessen die Gehälter gesunken sind. Also heißt es Geld verdienen und das tut Berthold Beitz von 1934 an dank der guten Verbindungen des Vaters in der Zentrale der Pommerschen Bank in Stralsund. Für 30 Mark im Monat beginnt er seufzend eine Banklehre.

Das Leben genießen

Der Job ist langweilig, aber das Privatleben spaßig. Berthold Beitz ist ein fröhlicher junger Mann, der das Leben genießt. Am liebsten hört er Jazzplatten. Die Fahrten ins leicht zu erreichende Berlin werden zum Highlight. Hier hat er eine Freundin und hier gibt es richtige Jazzclubs, vor allem das „Delphi“.

Die unbeschwerte Zeit ist vorüber

1937 beginnt der Ernst des Lebens so richtig: Seine Vorgesetzten sind von dem 25-Jährigen so angetan, dass sie ihn befördern. Dank seiner zupackenden Art wird Beitz stellvertretender Leiter der Filiale in Demmin. Angesichts seiner Herkunft ist allein dies schon ein viel versprechender Aufstieg. Beitz hat große Pläne: Ihn reizt die große Welt, Pommern ist ihm zu klein geworden. Er will nach New York oder Brasilien oder China. Doch seine Mutter stoppt den Drang, schließlich ist er der einzige Sohn und müsse daher in Deutschland bleiben.

Wechsel in die Industrie

Anfang 1938 wird Beitz zum Vorstellungsgespräch bei der Rhenania Ossag Mineralölwerke eingeladen, einer Tochter von Royal Dutch Shell. Im Mai 1938 zieht er schließlich nach Hamburg, seinem „Tor zur Welt“ und wird kaufmännischer Angestellter in der Revisionsabteilung der Deutschen Shell.

Die große Liebe

Und hier begegnet Beitz seiner großen Liebe. Die blonde Kollegin heißt Else Hochlein und ist damals gerade einmal 18 Jahre alt, also sieben Jahre jünger als Berthold. Kennengelernt haben sich die beiden beim Tennis. Sie werden jahrzehntelang ein Paar bleiben.

Neuanfang in Hamburg

In Hamburg wohnt Beitz in der Baracke bei den Schwiegereltern. Im Spätsommer gelingt der schwangeren Else mit Tochter Barbara eine dramatische Flucht in den Westen. Die Familie lebt nun auf engstem Raum in Hamburg. Berthold verdingt sich als Landdarbeiter und in einer Konservenfabrik. Doch dann sorgt eine schicksalhafte Begegnung für die große Wende zum Guten.

Die große Wende zum Erfolg

Nicht als Zufall: Als Berthold Beitz 1946 durch Hamburg schlendert, erkennt ihn eine alte Freundin seiner Frau wieder: Evelyn Döring arbeitet inzwischen für die Briten und besorgt ihm einen Job im Amt zur Aufsicht der Versicherungen in der britischen Zone. Überlebende aus Boryslaw bescheinigen Beitz, dass er kein Nazi war und so bekommt er den nötigen Ausweis der Entnazifizierungsbehörden und den Job. Hier requiriert er ehemalige Nazis, da ihm ansonsten geeignetes Personal fehlt.

Der Aufstieg des Unternehmers

Beitz bringt die Versicherungsbehörde auf Vordermann. Die Familie wohnt längst in einer passenden Wohnung am Rande der Stadt. Die Briten sind mit ihm nach zwei Jahren so zufrieden, dass sie ihm eine Beamtenstelle auf Lebenszeit anbieten. Doch Beitz lehnt ab und wechselt im Juni 1948 in den Vorstand der Iduna-Germania-Versicherung. Der Titel des Generaldirektors und das Gehalt von damals beachtlichen 3500 D-Mark sind allzu verlockend.

Ekkehard Schulz übernahm im Zuge des Zusammenschlusses von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 die Leitung des Stahlgiganten. Mit seiner Gradlinigkeit und Verlässlichkeit erwies er sich als wichtiger Anker im Konzern. Schulz, das war der Unverwüstliche, der sich voll für die Firma einsetzte. "Der Preuße" wurde er genannt oder "Eiserner Ekki". Denn Schulz richtete das Unternehmen stark auf das Stahlgeschäft aus, renditeträchtige Technologiebereiche wie Aufzüge oder Anlagenbau mussten zurückstecken.

Kommentare (1)

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weissnix

20.12.2011, 15:50 Uhr

peinlich für die aufsichtsräte.

und mittendrin der TEFLONPEER

unser kanzlerkandidat von eigenen gnaden leer steinbrück

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