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27.07.2012

17:02 Uhr

Schadenersatzklagen

Contergan-Skandal kocht in Australien hoch

VonUrs Wälterlin

Anwälte australischer Contergan-Opfer behaupten, Firmen und Ärzte hätten früh von Nebenwirkungen des Beruhigungsmittels gewusst und belegen das mit Dokumenten. Der Hersteller hält die Vorwürfe für alt und abgehandelt.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan steht in einer Vitrine im Deutschen Museum in München.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan steht in einer Vitrine im Deutschen Museum in München.

SydneyDie Rechtsanwälte australischer Contergan-Opfer erheben schwere Vorwürfe gegen Vertriebsfirmen, Ärzte und Hersteller des Beruhigungsmittels Contergan. Der Melbourner Anwalt Michael Magazanik legte bisher angeblich unveröffentlichte Papiere vor, die aus den Archiven des deutschen Pharmaunternehmens Grünenthal stammen sollen. Diese zeugten von einem bemerkenswerten Fehlverhalten der Vertriebsfirma des Beruhigungsmittels, sowie von Forschern und Ärzten. Der vom Aachener Konzern zur Bekämpfung von Morgenübelkeit bei Schwangeren entwickelte Wirkstoff Thalidomid war 1960 auch in Australien an Frauen abgegeben worden.

Laut den Unterlagen hatte die Firma Distillers Company das Produkt unter dem Markennamen Distaval vertrieben, obwohl noch keine Tests an Labortieren vorgenommen worden waren. Als Folge seien Babys mit massiven Missbildungen oder fehlenden Gliedmaßen und Organen geboren worden, so der Anwalt.

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Die Dokumente wurden im Zuge der in Melbourne laufenden Schadenersatzprozesse gegen die Nachfolgefirma des australischen Vertreibers des Produktes, den multinationalen Getränkekonzern Diageo mit Sitz in Großbritannien, sowie gegen den deutschen Hersteller Grünenthal veröffentlicht.

Die Hauptklägerin in dem Sammelprozess, Lynette Rowe, kam schwer behindert zur Welt, nachdem ihre Mutter den in Europa unter dem Namen Contergan millionenfach auch als Beruhigungsmittel verkauften Stoff eingenommen hatte. Weltweit waren zwischen 5000 und 10.000 Kinder betroffen.

Laut den Dokumenten, die Rowes Anwalt am Freitag veröffentlicht hat, wurden im März 1960 in mehreren australischen Krankenhäusern Distaval an schwangere Frauen abgegeben. Das Medikament sei ab August 1960 auch von Apotheken verkauft worden. Werbematerial habe von einer „außerordentlichen Sicherheit“ des Wirkstoffs Thalidomid gesprochen.

Kommentare (58)

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Conterganueberlebender

27.07.2012, 17:46 Uhr

Grünenthal versucht mit den alten, abgedroschenen und unwahren Darstellungen seine Schuld zu relativieren. Versteht der Grünenthal - CEO Dr. Stock und die Eigentümerfamilie Wirtz nicht, dass die "Leichen", die sie in ihrem Keller vergraben haben, wieder auferstanden sind. Nur die Wahrheit und vollumfänglicher Schadensersatz an alle Thalidomid- und Conterganüberlebenden kann das Unternehmen und den Ruf der Städteregion Aachen jetzt noch retten. Untersuchungsausschuss Conterganverbrechen (U.A.C.)

Frank_Rawiel

27.07.2012, 17:46 Uhr

Es ist einfach unglaublich. Aus reiner Profitgier wurden hier tausende tote Babys und inzwischen erwachsene verstümmelte Frauen und Männer in Kauf genommen

Andrea

27.07.2012, 17:48 Uhr

Liebes Handelsblatt, bitte recherchieren sie richtig und schreiben sie nicht einfach bei Grünenthal ab ! Laut Herrn Dr. Harald Mückter, Sohn des seinerzeit bei Grünenthal beschäftigten sowie im Contergan-Prozess angeklagten Heinrich Mückter, gab es weltweit "mehr als 125.000 geschädigte, davon mehr als 25.000 mit Missbildungen". Ich bitte um Kenntnisnahme und Korrektur.

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