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30.04.2013

18:18 Uhr

Schadenersatzklagen

Weitere Hedge-Fonds lassen in USA von Porsche ab

VonMartin-W. Buchenau, Mark C. Schneider

Vermeintliche Kursmanipulationen im Zusammenhang mit der versuchten Volkswagen-Übernahme durch Porsche beschäftigen etliche Gerichte. Zumindest in den USA meldet Porsche einen weiteren Etappensieg.

Porsche Panamera vor der Konzernzentrale in Stuttgart: Zwölf Hedge-Fonds wollen nicht mehr klagen. dpa

Porsche Panamera vor der Konzernzentrale in Stuttgart: Zwölf Hedge-Fonds wollen nicht mehr klagen.

LeipzigZwölf Hedge-Fonds haben in einem Verfahren vor dem U.S. Court of Appeals for the Second Circuit ihren Antrag zur Zulassung einer milliardenschweren Schadenersatzklage gegen die Porsche Automobil Holding SE (PSE) zurückgezogen. Das erklärte Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche auf der Hauptversammlung der Porsche SE in Leipzig.

Bereits Anfang März hatten ebenfalls ein Dutzend Kläger entschieden, ihre Berufung zurückzuziehen. Jetzt sind nur noch acht Kläger in den USA übrig. Damit bröckelt die Front der Kläger in den USA weiter. Die Wahrscheinlichkeit für die vollständige Verlagerung des Rechtsstreits nach Deutschland wird damit immer wahrscheinlicher.

Hauptversammlung: Aktionäre befürchten größere Klagerisiken bei Porsche

Hauptversammlung

Aktionäre befürchten größere Klagerisiken bei Porsche

Das Klagedickicht nach der Übernahme von Porsche durch VW beschäftigt die Anteilseigner.

Anleger und Investoren werfen der damaligen Porsche-Führung Marktmanipulation durch Fehlinformationen bei der Übernahmeschlacht von Porsche und VW vor. „Wir halten die Klagen in Deutschland und den USA für unbegründet“, sagte Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche am Dienstag.

Bereits im Januar hatte die Porsche SE, Mutter des Autokonzerns Volkswagen, einen Erfolg in US-Streitigkeiten wegen der im Jahr 2008 versuchten Übernahme gemeldet: Damals verzichteten 26 Hedge-Fonds auf eine Berufung in einem Verfahren vor dem New York State Supreme Court. Im Gegenzug erklärte Porsche auf eine Verjährungsfrist zu verzichten und eröffnete damit den US-Klägern den Klageweg in Deutschland. Das Angebot war verbunden mit einer Frist von 90 Tagen, die allerdings in wenigen Tagen abläuft. Ein Teil der Kläger hatte allerdings vorsorglich bereits in Deutschland vor dem Landgericht Braunschweig geklagt.

Die Übernahmeschlacht von VW und Porsche

September 2005

Porsche kündigt an, beim weitaus größeren VW-Konzern einsteigen zu wollen. Zunächst ist von rund 20 Prozent der Aktien die Rede, im Laufe des Jahres 2006 wird der Anteil aufgestockt. Porsche will Zugriff auf die Kasse von VW und die Entwicklungsleistungen bekommen.

August 2006

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking spricht sich dafür aus, das VW-Gesetz zu kippen. Dieses räumt Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile besitzt, eine Sperrminorität ein. Bei den VW-Beschäftigten, die Porsches Einstieg zunächst begrüßt hatten, stößt Wiedeking auf Ablehnung.

April 2007

Porsche überspringt bei VW die Hürde von 30 Prozent und legt ein Pflichtangebot vor, das auf wenig Resonanz stößt.

März 2008

Der Porsche-Aufsichtsrat gibt grünes Licht, den VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent aufzustocken und damit Europas größten Autobauer zu einer Tochter von Porsche zu machen. Die Absicht zur Beherrschung dementiert Porsche.

Mai 2008

Nach jahrelangem Streit mit der EU bringt die Bundesregierung ein neues VW-Gesetz auf den Weg, das Einwände der EU ausräumen soll. Niedersachsen erhält jedoch weiter ein Vetorecht, zudem kann die Arbeitnehmerseite Entscheidungen über Werksstandorte blockieren. Der Streit dauert an.

Oktober 2008

Der Paukenschlag: Porsche teilt mit, sich über Aktien und Optionen 74 Prozent der VW-Anteile gesichert zu haben. Ein Beherrschungsvertrag wird für 2009 angekündigt. Die VW-Aktie schießt auf mehr 1000 Euro hoch: Hedge-Fonds, die beim Handel mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, müssen die Papiere nun um jeden Preis zurückkaufen und setzen dabei mehrere Milliarden Euro in den Sand.

Januar 2009

Mit 50,76 Prozent der Anteile hat Porsche die Mehrheit an VW. Den Kauf dieser Anteile hat die Stuttgarter 23 Milliarden Euro gekostet.

April 2009

Wegen seiner Schuldenlast muss Porsche um die VW-Übernahme bangen. Für die Nettoschulden von fast zehn Milliarden Euro werden hohe Zinsen fällig, die Autokrise sorgt für Druck.

Mai 2009

Die Porsche-Eigentümerfamilien Piech und Porsche sind zerstritten, Porsche-Chef Wiedeking sucht mit dem Emirat Katar einen Verbündeten, der später tatsächlich Stammaktien übernimmt und frisches Geld zuschießt.

Juni 2009

Porsche scheitert mit einem Antrag bei der Staatsbank KfW auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro.

Juli 2009

Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum 23. Juli setzt der Aufsichtsrat von Porsche Firmenboss Wiedeking und Finanzchef Holger Härter vor die Tür. Die Porsche Holding soll mit einer Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro am Leben erhalten werden, VW schießt mit der Übernahme von knapp der Hälfte des Fahrzeuggeschäfts frisches Geld zu. Ein Fusionsfahrplan wird ausgearbeitet: Bis Ende 2011 wollen beide Konzerne per Aktientausch mit einander verschmelzen.

September 2009

Die Staatsanwaltschaft nimmt Ex-Porsche-Chef Wiedeking und Finanzchef Härter ins Visier: Sie sollen den Börsenhandel mit gezielten Falschinformationen manipuliert haben. Die Ermittlungen sind Anlass für zahlreiche Investoren in Deutschland und den USA, milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche anzustrengen.

Dezember 2009

VW erhöht das Kapital für die Übernahme von gut der Hälfte der Porsche AG. Die Vorzugsaktionäre laufen Sturm, können sich aber nicht durchsetzen. Porsche verliert damit die alleinige Kontrolle über das lukrative Fahrzeuggeschäft.

November 2010

Porsche beschließt die bereits 2009 anvisierte Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro, um die Schulden zu reduzieren und damit eine Voraussetzung für Fusion mit VW zu schaffen, bei der mit einer Steuerlast von gut einer Milliarde Euro gerechnet wird.

September 2011

VW begräbt die Fusionspläne, da den Wolfsburgern das finanzielle Risiko der vielen Schadenersatzklagen gegen die Porsche Holding zu hoch erscheint. Als Plan B verfolgen die Unternehmen nun die bereits 2009 verabredete Alternative, dass Porsche sich in eine Holding ohne operatives Geschäft umwandelt und die Fahrzeug-Entwicklung und Produktion ganz in die Hände von VW legt. Erstmals wäre diese Transaktion, die die Holding ebenfalls entschulden würde, ab Ende 2012 möglich. Allerdings drohen bis Mitte 2014 Steuerzahlungen.

November 2011

VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch lotet Alternativen für einen Schulterschluss mit Porsche aus und sucht nach Möglichkeiten, die Steuerlast zu drücken.

Februar 2012

Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsrat Piëch hat einem Urteil des OLG Stuttgart zufolge bei den umstrittenen VW-Optionsgeschäften von Porsche gegen seine "Kardinalpflichten" als Mitglied des Aufsichtsrats des Autobauers verstoßen. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte verschafft und sei auch nicht gegen die milliardenschweren Geschäfte, die die Porsche Holding im Zuge der Finanzkrise 2009 an den Rand des Ruins brachten, eingeschritten.

März 2012

VW-Finanzvorstand Pötsch dämpft die Erwartungen auf eine schnelle Integration mit Porsche. Die Experten steckten noch mitten in der Prüfung, wie sich ein Zusammenschluss schnell und günstig realisieren lasse. Garantiert steuerfrei wäre die Übernahme erst ab August 2014.

Juni 2012

VW und Porsche entdecken ein Schlupfloch in der Besteuerung von Unternehmenszusammenschlüssen, durch das sie Porsche übernehmen können, ohne Steuern in Milliardenhöhe zu zahlen. Nun soll das Zusammengehen so schnell wie möglich realisiert werden. Porsche erringt vor Gericht einen Etappensieg gegen zwei auf millionenschweren Schadenersatz klagende Anteilseigner. Der Richter konstatiert "hohe Hürden" für den Vorwurf, Porsche habe die Anleger über die Absicht zur Beherrschung von VW im Jahr 2008 getäuscht.

Juli 2012

VW und Porsche kündigen überraschend an, schon zum 1. August zusammenzugehen. Die Porsche Holding bekommt rund 4,5 Milliarden Euro und eine VW-Stammaktie, damit geht der fast Fiskus leer aus.

Die PSE hält heute gut 51 Prozent der VW-Stimmen und wird von den Familien Porsche und Piëch dominiert. Der kleine Sportwagenbauer hatte 2009 ursprünglich den viel größeren VW-Konzern übernehmen wollen. Doch die Stuttgarter häuften einen massiven Schuldenberg an und scheiterten im Sommer 2009 mit ihren ehrgeizigen Plänen. Volkswagen drehte daraufhin den Spieß um.

Kommentare (1)

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Hagbard_Celine

30.04.2013, 18:41 Uhr

"Vermeintliche Kursmanipulationen im Zusammenhang mit der versuchten Volkswagen-Übernahme durch Porsche beschäftigen etliche Gerichte."

Aha, Hedge Fonds klagen wegen Kursmanipulation.

Verstehe, ist ja auch unanständig so etwas.

Schlimm, schlimm, schlimm.

Hedgefonds würde so etwas nie tun...

Gibt es eigentlich noch Menschen mit einem IQ über 80 die glauben das es in den USA so etwas wie eine unabhängige Juztiz gibt ?

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