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06.09.2013

23:43 Uhr

Schadensbegrenzung

VW will sparen

Der Absatz von Europas größtem Autobauer schwächelt, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Nun zieht der Konzern Konsequenzen. An der Spitze soll jedoch alles beim Alten bleiben.

Ein Autoturm der Volkswagen Autostadt in Wolfsburg: Der Konzern hat mit rückläufigen Verkäufen zu kämpfen. dpa

Ein Autoturm der Volkswagen Autostadt in Wolfsburg: Der Konzern hat mit rückläufigen Verkäufen zu kämpfen.

WolfsburgDer Volkswagen-Konzern sieht sich angesichts eines sinkenden Absatzes in Westeuropa zu Einsparungen gezwungen. „Wir schnallen den Gürtel auf der Kostenseite enger“, sagte der Finanzchef des Wolfsburger Autobauers, Hans Dieter Pötsch, der „Börsen-Zeitung“. Es werde an den internen Abläufen und Strukturen gearbeitet. „Und wir reduzieren und verschieben Investitionen, soweit sie nicht produktbezogen sind“, fügte Pötsch hinzu.

Am Jahresziel will VW dagegen festhalten. „Wir wollen die Auslieferungen in diesem Jahr steigern und ein operatives Ergebnis des Konzerns auf dem sehr guten Niveau des Vorjahres schaffen“, betonte der Manager. 2012 hatte VW ein operatives Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro erzielt.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Spekulationen über einen Personalwechsel in der Konzernführung wies VW am Freitag zurück. Der 76-jährige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch sei bei bester Gesundheit und werde noch lange im Amt bleiben, ebenso wie der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, erklärte das Unternehmen. Auch Pötsch betonte, er habe keine Ambitionen auf einen Wechsel an die Konzernspitze: „Diese Frage stellt sich nicht. Der Volkswagen-Konzern wird von Martin Winterkorn exzellent geführt.“

Der Bericht kam nur zwei Tage nach einem verheerenden Ergebnis auf dem US-Automarkt. Während alle anderen Hersteller im teils zweistelligen Prozentbereich zulegen konnten, ging der Absatz von Europas größten Autobauer zurück. Übers Jahr gesehen waren es 1,3 Prozent. Auch im kriselnden Südeuropa schwächelt VW stark. In Deutschland brachen die Verkäufe im August gar um 17 Prozent ein.

Kommentare (16)

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SailorJo

07.09.2013, 03:33 Uhr

VW hat eine Reihe von Problemen. Wenn "oben" nicht gesehen wird, was falsch laeuft, kann nichts besser werden.

Ich lebe momentan in den USA und habe beim Autokauf auch einen Jetta in Betracht gezogen. Ich bin nicht einmal hineingekommen, weil der Einstieg so eng ist. Schliesslich habe ich mich fuer einen Hyundai Elantra entschieden.

Die VW-Werbung ist doof bis miserabel. Die bringt niemenden zum Haendler. Herr Piech sollte mal weniger an seine persoenliche Macht als an den Erfolg des Unternehmens denken. Schliesslich haengen viele Jobs davon ab.

Vielleicht sollte die Gewerkschaft mal einen Berater anheuern, der dem Vorstand die Hoelle heiss macht.

Halbvoll

07.09.2013, 08:49 Uhr

HANDELSBLATT versteht es manchmal eher zu sagen,das Glas ist halbleer anstelle halbvoll. "Halbleer" verkauft sich manchmalin den Schlagzeilen besser.

VW ist in den USA erfolgreich und hat mit Mexiko einen preiswerten Produktionsstandort,der auch für den EU-Markt produziert. In den USA gibt es aber "Haltepunkte" des Absatzes, die noch durch Produkte getragen werden,die eben nicht immer den US-Geschmacktreffen. VW muss also stärker amerikanisch denken,um hier noch besser wachsen zu können.Das kostet und dauert etwas.
Normale Entwicklung der Marktanpassung.

Der Handelsblatthinweis auf "Kostensparen" passiert eigentlich immer.Es ist die Triebfeder des gewinnorientierten Arbeitens. Autos sollen schließlich eine möglichst hohe Rendite erwirtschaften.

rei

07.09.2013, 09:12 Uhr

Autos kaufen keine Autos

Die Autoindustrie schießt sich ins eigene Knie,
wenn sie mit Niedriglöhnen, Zeitarbeit und Werkverträgen
Ihren Profit zu steigern versuchen.

Sie steigern zwar kurzfristig Ihren Gewinn,
langfristig verlieren sie aber Ihre Kunden.

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