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17.01.2012

06:32 Uhr

Schadensersatz

Der mutige Chefankläger von Porsche

VonSönke Iwersen

Piëch und Wiedeking sind große Namen. Den hat Daniel Blazek nicht, verklagt die Mächtigen bei VW und Porsche aber trotzdem. Man könnte Blazek Realitätsverlust vorwerfen. Oder das Gespür für eine einmalige Chance.

Daniel Blazek hat keine Angst vor den Anwälten von Wiedeking und Co.. Marcus Wildelau/PR

Daniel Blazek hat keine Angst vor den Anwälten von Wiedeking und Co..

DüsseldorfEin wenig größenwahnsinnig scheint es schon, was Daniel Blazek da vorhat. Nicht nur, dass er Ferdinand Piëch verklagt, den einflussreichsten Mann der deutschen Automobilindustrie. Auf dem Güteantrag, den er gerade eingereicht hat, ließ Blazek auch die Namen von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, dessen Finanzvorstand Holger Härter und Porsche-Erbe Wolfgang Porsche eintragen. Und schließlich: Blazek will auch Geld von Bundespräsident Christian Wulff. Insgesamt geht es um 1,8 Milliarden Euro.

Seine ungewöhnliche Rolle ist Blazek bewusst. Und auch an die kaum verhohlene Arroganz seiner Gegenspieler hat sich der Anwalt gewöhnt. Nicht ein Wort haben Piëch und die anderen bisher mit ihm gesprochen.

Diese Ignoranz mag auch ein Grund dafür sein, warum Blazek nun den Schritt in die Öffentlichkeit wagt: Er zeigt erstmals sein Gesicht. Jeder Deutsche kennt Porsche und Volkswagen, fast jeder weiß, dass 2009 eine Schlacht tobte, bei der Porsche Volkswagen übernehmen wollte, dabei fast unterging und schließlich bei Volkswagen unterschlüpfen musste. Bekannt ist auch, dass bei dem Hin und Her absurde Kurse der VW-Aktie entstanden und dass Anleger viel Geld verloren. Viele von ihnen vermuteten Kursmanipulation und haben deshalb geklagt. Was bisher unbekannt war: 72 milliardenschwere Investoren lassen sich jetzt vertreten durch ein und denselben Mann: Daniel Blazek.

VW und Porsche FAQ

Was ist das Ziel von VW und Porsche?

Die beiden Seiten wollen einen „integrierten Automobilkonzern“ formen, mit Porsche als zehnter Marke unter dem Volkswagen-Dach. VW ist Europas größter Autobauer. Die Partner erhoffen sich von ihrem Zusammengehen 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr.

Was ist die Vorgeschichte der heutigen Probleme?

Porsche hatte noch vor der Wirtschaftskrise den Plan gefasst, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Schlacht war lang und schmutzig - und im Sommer 2009 hatte Porsche den ungleichen Kampf verloren. Die Schwaben hatten sich mit ihren ambitionierten Plänen verhoben, die Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE stand mit 11,4 Milliarden Euro Schulden da. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter nahmen ihren Hut. VW drehte den Spieß um - Porsche soll nun unter das Dach von VW schlüpfen.

Welche Hürden gibt es auf dem Weg?

Die misslungene Übernahme hat gehörige Altlasten hinterlassen: So dauern juristische Streitigkeiten an. Kläger sind etwa verschiedene Fondsgesellschaften. Ihre milliardenschweren Forderungen laufen in zwei getrennten Fällen: Auf bundesstaatlicher Ebene in den USA wird darum gerungen, ob die US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Ebene zwei ist ein Verfahren in New York, wo es auch um Zuständigkeitsfragen geht.

Gibt es auch anderswo Probleme?

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit 2009. Wiedeking und Härter wird zum einen Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen zwischen 2007 und 2009 im Zuge der geplanten VW-Übernahme die Öffentlichkeit teilweise gar nicht und in anderen Fällen nur unzureichend über ihre Pläne informiert haben. Zudem besteht gegen die beiden Ex-Porsche-Manager Untreueverdacht. Hintergrund: Die ehemaligen Vorstände könnten für die geplante Übernahme mit Aktienkurssicherungsgeschäften existenzgefährdende Risiken für Porsche eingegangen sein.

Außerdem wurde gegen Härter und zwei weitere Verantwortliche des Porsche-Finanzbereichs ein Verfahren wegen des Verdachts auf Kreditbetrug eingeleitet. Sie werden verdächtigt, bei Verhandlungen über die Refinanzierung von Krediten der Porsche-Dachgesellschaft falsche oder unvollständige Angaben gemacht haben. Die weiteren Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft „äußerst aufwendig und zeitintensiv“ und werden nicht mehr 2011 abgeschlossen. Dem Vernehmen nach könnten sie sich bis weit ins nächste Jahr hineinziehen.

Welche Folgen hat das konkret?

Die ursprünglich für 2011 geplante Verschmelzung der VW AG und der Dachgesellschaft Porsche SE ist geplatzt. Dies war die Wunschlösung. Unter dem Dach der Porsche Holding sind die Mehrheit der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft (Porsche AG) gebündelt und die mehr als 50 Prozent, die die Stuttgarter an VW halten. Die Grundlagen für die Verschmelzung hatten die beiden Autobauer bereits im Sommer 2009 vereinbart. Grund für das Scheitern: VW sieht in den ungelösten juristischen Auseinandersetzungen der Stuttgarter ein unkalkulierbares Risiko - das wollen sie sich nicht ins Haus holen.

Wie könnten die Partner alternativ zusammenfinden?

Die Verschmelzung ist nicht komplett vom Tisch, sie könnte auch noch später durchgezogen werden. Allerdings müssten dafür neue Verträge abgeschlossen werden, die alten wären nicht mehr gültig. Außerdem haben sich die Autobauer bereits vor zwei Jahren einen Plan B zurechtgelegt. Von Mitte November 2012 bis Ende Januar 2015 gibt es vier vertraglich festgelegte Zeitfenster, in denen VW das Porsche-Sportwagengeschäft für den Preis von 3,9 Milliarden Euro komplett übernehmen kann. Bisher halten die Wolfsburger 49,9 Prozent.

Der Vorteil:

Volkswagen könnte sich das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft sichern, ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE am Hals zu haben. Der Nachteil: Diese Variante wäre aus gesetzlichen Gründen erst ab Mitte 2014 steuerfrei. In den nächsten Wochen wollen beide Unternehmen nach alternativen Wegen suchen. Wie diese aussehen könnten, ließen sie zunächst offen.

So sichert sich der Anwalt einen Platz in der deutschen Wirtschaftsgeschichte und muss zugleich die Frage beantworten: Wie kommen Finanzinvestoren aus aller Welt dazu, sich in einem Schadensersatzprozess gegen Koryphäen der deutschen Wirtschaft und Politik von einem 39-jährigen Unbekannten vertreten zu lassen?

Die Investoren sprechen nicht, sie verraten nicht einmal ihre Identität. „Irgendwann wird es sicher so sein, dass die Fonds etwas sagen“, sagt Blazek. „Aber noch ist der Zeitpunkt nicht gekommen. Die Fonds wollen weder etwas zu sich sagen noch zu mir. Sorry.“

Kommentare (1)

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fehlspekulant

17.01.2012, 07:12 Uhr

die hedge fonds und sonstigen anleger hamn einfach nicht die traute mit offenem visier zu kämpfen,weil sie um ihren ruf fürchten und sich nicht der häme und der schadenfreude stellen wollen,die sie ihrem fehlinvestment verdanken.

is ja nich gut in der zeitung zu lesen,daß man millionen verspielt hat.

warum und für was sollten porsche oder vw rückstellungen bilden.

da wird ein dreiseitigens rechtsgutachten einer der wirtschaftsrechtsverdreherfabriken eingeholt,kosten mittlerer 6stelliger bereich,aus dem hervorgeht,daß an den vorwürfen nix aber auch gar nix dran is,zumal die zockerbuden und hütchenspieler eine gefahr für den wirtschaftsstandort seien und ehrbare kaufleute,die den wirtschaftsstandort deutschland hoch halten,von trittbrettfahrern um die früchte ihrer arbeit gebracht werden sollen.

im übrigen konnte man mit shortpositionen geld verdienen,aber eben nicht in engen zeitfenstern

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