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13.01.2012

15:59 Uhr

Schadensersatz

Silikonskandal könnte Brenntag Millionen kosten

VonSiegfried Hofmann, Christoph Schlautmann

Die Lieferung von Industrie-Silikon für Schönheits-OPs könnte den Chemikalienhändler Brenntag teuer zu stehen kommen. Anwälte bereiten erste Klagen auf Schadensersatz vor. Es geht um sehr viel Geld.

Gefahr durch Risse und Entzündungen: Eine Krankenschwester zeigt defekte Brustimplantate von PIP aus Frankreich. dapd

Gefahr durch Risse und Entzündungen: Eine Krankenschwester zeigt defekte Brustimplantate von PIP aus Frankreich.

Frankfurt, DüsseldorfEs sind brennende Fragen, zu denen der Chemikalienhändler Brenntag, ein MDax-Unternehmen, lange Zeit schwieg: Wer produzierte das bedenkliche Silikon, das 300.000 Mal bei Schönheitsoperationen zum Einsatz kam? Hat Brenntag auch medizinische Silikone im Angebot? Seit wann lieferte Brenntag das ungeeignete Material an den Implantatehersteller Poly Implant Prothèse (PIP)?

Vor allem aber: Warum hat Brenntag die Behörden nicht gewarnt? Schließlich war klar, dass dieses Silikon für Implantate nicht geeignet war. Brenntag hat darauf in der Produktbeschreibung verwiesen. Und hat das Material dann dennoch in Größenordnungen an PIP geliefert. Fehler habe er bei der Lieferung an die französische Medizintechnikfirma nicht gemacht, beteuert der Chemiedistributeur - ohne auf die Fragen einzugehen.

Am Freitagnachmittag kam dann doch ein schriftliches Statement, das allerdings nur wenig zur Aufklärung beiträgt: "Die Zusammensetzung der in den Medien als „PIP-Mischung“ bezeichneten Implantatfüllung ist Brenntag nicht bekannt." Es sei unklar, inwieweit die von Brenntag gelieferten Produkte überhaupt in den Implantaten verarbeitet wurden.

Sollten die unter dem Produktnamen „Baysilone“ gelieferten Silikonöle Bestandteil der PIP-Brustimplantate sein, "konnten sie nur durch eine absichtlich kriminelle und missbräuchliche Verwendung seitens des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) in die Implantate gelangen, da sie eindeutig für die industrielle Verwendung gekennzeichnet waren".

Und weiter: "PIP hat sich als breit aufgestellter Healthcare-Anbieter präsentiert, der neben Implantaten auch verschiedene medizintechnische Produkte produziert und weltweit vertreibt. Das Produktspektrum beinhaltete unserer Kenntnis nach beispielsweise auch Wundkissen und Prothesenpolsterungen." Es gebe daher keinerlei Anhaltspunkte, dass die von Brenntag gelieferten Produkte für die Verwendung im menschlichen Körper vorgesehen sein könnten.

Ob das Unternehmen mit der Lieferung Fehler begangen hat - das werden nun die Gerichte klären müssen. Dabei geht es um viel Geld. „Der Fall PIP könnte sich zu einem der größten Haftungsfälle für die europäische Medtech-Industrie entwickeln“, sagt der Bonner Medizinrechts-Experte Burkhard Sträter.

Protest betroffener Frauen in Venezuela. der Großteil der PIP-Implantate ging nach Südamerika. dapd

Protest betroffener Frauen in Venezuela. der Großteil der PIP-Implantate ging nach Südamerika.

So will die Münchener Kanzlei Zierhut & Graf nach eigenen Angaben für eine betroffene Frau nicht nur gegen Ärzte und die Klinik vorgehen, sondern auch gegen Brenntag. "Wir stehen auf dem Standpunkt, dass der Zulieferer haftet, weil er wissen musste, was mit dem Industrie-Silikon passiert, wenn er es an einen Brustimplantatehersteller liefert", sagte Rechtsanwalt Michael Graf dem Handelsblatt. Er fordert die Übernahme der Behandlungskosten - und Schmerzensgeld.

Kommentare (1)

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CaRe

13.01.2012, 15:25 Uhr

So leid es mir für betroffene Patienten tut, warum sollte Brenntag haften? Eine Klage gegen Brenntag käme einer Klage gegen einen beliebigen Automobilhersteller gleich, wenn ein Autokäufer grob fahrlässig oder gar mutwillig einen Unfall begeht und andere zu schaden kommen. Ein Hersteller einer Ware kann m.E. nicht für den Mißbrauch der gelieferten Ware haftbar gemacht werden.

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