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14.10.2011

08:40 Uhr

Scheidungskrieg

VW prüft rechtliche Schritte gegen Suzuki

Hin und her im Scheidungskrieg: Nachdem Suzuki am Morgen offen die Trennung von VW gefordert hatte, drohen die Wolfsburger jetzt mit juristischen Schritten gegen den japanischen Kooperationspartner.

Suzuki verlangt jetzt offen die Trennung von VW. dpa

Suzuki verlangt jetzt offen die Trennung von VW.

TokioVolkswagen droht seinem japanischen Partner Suzuki im Scheidungskrieg mit juristischen Schritten. „Wir halten uns juristische Möglichkeiten offen und werden nach deren Prüfung über die weitere Vorgehensweise entscheiden“, erklärte ein VW-Sprecher am Freitag. Die aneinander beteiligten Autobauer werfen sich gegenseitig Vertragsbruch vor.

Zuvor war Suzuki in die Offensive gegangen: Der japanische Autobauer warf seinem deutschen Partner seinerseits Vertragsbruch vor und verlangte offen eine Trennung. Der Konzern habe eine freundliche Lösung für ein Ende der geschäftlichen Verbindung angestrebt, diese sei jedoch von VW nicht akzeptiert worden, erklärte Vize-Präsident Yasuhito Harayama auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz.

„Volkswagen bedauert diesen Schritt sehr“, sagte der VW-Sprecher. „Wir können diesen in keinster Weise nachvollziehen und sehen die Vorwürfe seitens Suzuki als unbegründet an, da sich Volkswagen stets an die bestehenden Verträge gehalten hat.“ VW hat im Januar 2009 für 1,7 Milliarden Euro knapp 20 Prozent an dem viertgrößten Autohersteller Japans erworben und will vermeiden, dass sich bei einer Trennung ein Rivale an dem Konzern beteiligt und damit den begehrten Zugang zum indischen Zukunftsmarkt erhält.

Suzuki erklärte, es habe Volkswagen in aller Form von seinem Vorwurf eines Vertragsbruchs in Kenntnis gesetzt. So habe der deutsche Partner anders als vereinbart keinen Zugang zu bestimmten Technologien gewährt. Weitere Einzelheiten nannte er zunächst nicht. Volkswagen müsse nun seine Anteile zurückgeben, forderte Harayama. Der Konzern lasse dem Partner aber mehrere Wochen Zeit für eine Reaktion.

Der Scheidungskrieg schwelt seit Wochen. Volkswagen wirft Suzuki einen Vertragsbruch vor, weil die Japaner Dieselmotoren vom italienischen Konkurrenten Fiat bezogen haben. Suzuki hatte die Deutschen Ende September ultimativ aufgefordert, diesen Vorwurf zurückzunehmen. Der 81-jährige Firmenpatriarch Osamu Suzuki warf Europas größtem Autobauer in dem Zusammenhang Rufschädigung vor und bezeichnete die Verbindung mit den Deutschen als „Fußfessel“.

Konzernchef Martin Winterkorn sah die Vorwürfe der Japaner während der IAA noch locker. Er setze weiter auf Zusammenarbeit - in welcher Form, ließ er jedoch offen: „Wenn Suzuki meint, sich trennen zu müssen, nehme ich das mal zur Kenntnis.“ Die Japaner können den Vertrag mit VW auch kündigen. Dann wäre Volkswagen aber frei, seinen Anteil auch ohne die Zustimmung der Japaner zu erhöhen.

Eine Trennung wäre für VW schmerzlich. Die Suzuki-Tochter Maruti ist führend auf dem Subkontinent. Auf seinem Weg an die Weltmarktspitze hatte sich VW auch in Südostasien Hilfe von Suzuki versprochen.

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