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30.09.2015

19:44 Uhr

Schicht gestrichen, Einstellungsstopp

VW muss auf die Bremse treten

Volkswagen diskutiert über Personalfragen – und leitet Sparmaßnahmen ein. In einem Motorenwerk wird eine Schicht gestrichen, die Finanztochter stellt vorerst keine Mitarbeiter mehr ein. Die Belegschaft ist verunsichert.

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WolfsburgIn der Krise zeigt sich VW-Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies demonstrativ solidarisch mit dem in Schieflage geratenen Wolfsburger Weltkonzern. „Keep calm and love VW“, heißt es auf dem Profilfoto des WhatsApp-Kontos von Niedersachsens Wirtschaftsminister – Ruhe bewahren und VW schätzen. Hehre Worte, denn genau das fällt Millionen von Autobesitzern beim skeptischen Blick unter die Motorhaube ihres Volkswagens zur Zeit etwas schwer.

Auch die weltweit 600.000 Mitarbeiter dürften sich fragen, wie es weitergeht. Denn im Skandal um manipulierte Abgas-Messwerte droht Ungemach von allen Seiten – mit ersten Konsequenzen für Produktion und Jobs.

Im Motorenwerk Salzgitter wurde erstmals die Produktion zurückgefahren, die Finanztochter Volkswagen Financial Services in Braunschweig verhängte bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp. Man habe vorsorglich eine bereits vor längerer Zeit vereinbarte Sonderschicht pro Woche in der Motorenfertigung in Salzgitter abgesagt, erläuterte ein Sprecher. Über Auswirkungen der Abgas-Manipulation auf das Geschäft der Finanztochter machte VW keine Angaben. Ein Insider aus dem Fahrzeughandel sagte, es gebe derzeit keine Hinweise, dass die Restwerte von verleasten Fahrzeugen massiv sänken.

So könnte VW die „Dieselgate“-Kosten schultern

Kann sich der Konzern das leisten?

Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

Quelle: dpa

Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Auomobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Der mächtige VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh warnte bereits davor, die Mitarbeiter dürften am Ende nicht die Zeche für das zahlen, was Manager angerichtet hätten. Zur Stimmung in der Belegschaft sagte er der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“: „Es gibt Angst, Verunsicherung, aber auch Wut und völliges Unverständnis, wie so etwas geschehen konnte.“

Zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen am Mittwoch zu einer erneuten Krisensitzung zusammengekommen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen. Dabei will das Gremium unter anderem über einen Zwischenbericht der internen Revision zu der Affäre sprechen.

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Es geht aber auch um wichtige Personalfragen. Nach dpa-Informationen gehen die Meinungen innerhalb des fünfköpfigen Gremiums zur Zukunft des bisherigen VW-Finanzchefs Hans Dieter Pötsch auseinander. Während die Anteilseigner-Familien Porsche und Piëch - vertreten im Gremium durch Wolfgang Porsche - dem Vernehmen nach weiter an Pötsch als Nachfolger von Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrates festhalten, gibt es beim Land Niedersachsen offenbar wieder Klärungsbedarf.

Bei den Beratungen dürfte es daher vor allem auf die Positionierung des Interims-Vorsitzenden des Gremiums, den früheren IG-Metallchef Berthold Huber, ankommen. Aber auch Osterloh und sein Vertreter Stefan Wolf haben in den Beratungen ein Wort mitzureden. Die Nachfolge von Piëch schiebt das Gremium bereits seit dem Frühjahr vor sich her. Der VW-Patriarch Piëch hatte damals einen internen Machtkampf mit dem über die Abgas-Affäre gestolperten VW-Chef Martin Winterkorn verloren und war zurückgetreten.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

30.09.2015, 18:33 Uhr

SCHICHT GESTRICHEN, EINSTELLUNGSSTOPP
VW muss auf die Bremse treten

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Ist doch nicht schlimm...der Aufschwung kommt . :-)))))))))))))))))))

In der Eurozone blieb sie mit 11,0 Prozent unverändert, in der gesamten EU ging sie von 9,6 auf 9,5 Prozent zurück, teilte Eurostat Mittwoch mit.

30 MILLIONEN EU-ARBEITSLOSEN..
.verträgt noch weitere Million Arbeitslose durch VW´s Super können.

Denn die Verluste von Folge-Arbeitsplätzen muss man auch einrechnen.

ODER RECHNET SICH DIE EU ARBEITSPLATZ REICH EIN UM GUT DA ZU STEHEN ?


Frau Paula Friedrich

30.09.2015, 18:47 Uhr

etwas zu viel Angst vor amerikanischen Gerichten. Ohne den amerikanischen Markt hätte sich Aktie kaum bewegt. In der Frage des Schadensersatzes für Gesundheit, dass angeblich größte Risiko für VW, stellt sich die Frage ob amerikanische Gerichte solche Entscheidungen treffen. Immerhin wäre dass dann eine Vorlage um gegen jegliche Art von Luftverschmutzung zu klagen, beispielsweise gegen Kraftwerksbetreiber oder viele andere Auto und LKW Hersteller - die allesamt die Luft verpesten. Auch wenn in 11 Mio Autos diese Software im Speicher steht - muss sie noch lange nicht überall aktiviert sein.

Herr Peter Langenhagen

30.09.2015, 18:48 Uhr

Erstmal saugen die Amerikaner Honig aus dieser Angelegenheit. Wenn es dann eng wird, ist VW eben to big to fail. DerSteuerzahler zahlt neben Griechenland, für Banken, für Flüchtlinge, dann gern auch für VW.

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