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12.10.2012

19:09 Uhr

Schichtkürzungen

Betriebsrat droht Daimler mit Blockade

Die Produktionskürzung bei Mercedes-Benz sorgt für Streit. Nachdem Daimler eine Betriebsvereinbarung zu Früh- und Spätschichten gekündigt hat, droht der Betriebsrat nun mit einer Blockade der geplanten Drosselung.

Montage der S-Klasse in Sindelfingen. Der Betriebsrat hat sich wegen der Modellumstellung mit Daimler angelegt. dpa

Montage der S-Klasse in Sindelfingen. Der Betriebsrat hat sich wegen der Modellumstellung mit Daimler angelegt.

StuttgartDer Streit zwischen Daimler und dem Betriebsrat um die Kürzung der Pkw-Produktion bei Mercedes-Benz eskaliert. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm drohte dem Unternehmen am Freitag mit einer Blockade der geplanten Drosselung der Montage im größten Werk Sindelfingen. Er forderte das Unternehmen auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Voraussetzung für eine Lösung des Konflikts ist, dass die Kündigung einer Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit zurückgenommen wird“, sagte der Gewerkschafter.

Werkleitung und Beschäftigte in Sindelfingen liegen im Clinch: Denn wegen des im kommenden Jahr anstehenden Modellwechsels beim Flaggschiff S-Klasse soll die Produktion in den kommenden Monaten auf eine Schicht verringert werden, um weniger Autos vom Band rollen zu lassen. Die rund 2500 betroffenen Beschäftigten in der S-Klasse-Fertigung verlangen den seit Jahren bei Modellwechseln üblichen Wechsel von Früh- und Spätschicht, die Werkleitung will dagegen künftig nur noch in Frühschicht fertigen lassen.

Um diese Forderung durchzusetzen, hat Daimler eine Betriebsvereinbarung gekündigt und das Arbeitsgericht angerufen. Betriebsratschef Klemm sagte, vor Ende des Monats sei nicht mit einer gerichtlichen Entscheidung zu rechnen. Die Kündigung der Betriebsvereinbarung sei ohnehin frühestens Anfang 2012 wirksam. Statt Freischichten zu nehmen, könnten die Mitarbeiter daher ihre Arbeit wie gewohnt anbieten, die das Unternehmen bezahlen müsse. Ein Daimler-Sprecher konterte, es werde kein Auto mehr gebaut, als verkauft werde. Die gekündigte Betriebsvereinbarung wirke nach. Die „Drohung des Betriebsrats mit Arbeit“ sei zum jetzigen Zeitpunkt fehl am Platz, schrieb der Leiter des Werks Sindelfingen, Willi Reiss, an die Beschäftigten.

Damit könnte es in den kommenden Wochen und Monaten zu einem Kleinkrieg um die Bezahlung der Beschäftigten und die Arbeitszeitkonten kommen. Im Schnitt liegen die Konten der Beschäftigten in der S-Klasse derzeit bei minus 100 Stunden, die noch nachgearbeitet werden müssen. Erst mit dem Modellwechsel im kommenden Frühjahr werden jedoch wieder Überstunden im großen Stil anfallen, Überstundenzuschläge will Daimler dann aber nicht zahlen. Weiter verhandelt werden soll in dem festgefahrenen Konflikt am Dienstag. Sowohl Betriebsrat als auch das Unternehmen äußerten sich gesprächsbereit und offen für neue Vorschläge.

Die Mercedes-Benz-Pkw-Sparte steht unter Margendruck und wird ihr selbst gestecktes Ergebnisziel im laufenden Jahr von rund 5,2 Milliarden Euro trotz eines Absatzrekords deutlich verfehlen. Daimler-Chef Dieter Zetsche rechnet wegen der schwieriger werdenden Absatzmärkte 2012 mit einem operativen Gewinn von unter fünf Milliarden Euro und hat ein Sparprogramm angekündigt. Ein Stellenabbau wurde in Unternehmenskreisen ausgeschlossen. Auch Betriebsratschef Klemm sagte, er habe keine Hinweise auf geplante Einschnitte beim Personal. Das Unternehmen dringe auf effizientere Arbeitsabläufe, um die Kosten zu drücken.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Gewerkschaftsfan

12.10.2012, 19:34 Uhr

Ab mit den Arbeitsplätzen nach USA oder China oder dorthin wo noch Unternehmer entscheiden wie und wann und vor allem wie viel davon produziert wird.

Betriebsräte aller Werke: Versucht´s doch mal mit Arbeit!

Zankeslust

13.10.2012, 05:07 Uhr

Es ist zum Mäusemelken. Die Krise der Autoindustrie geht auch an der S-Klasse nicht vorbei, wie auch am A6 und A8 von AUDI nicht. Da ist etwas schwer daran zu nagen, in den erfolgsverwöhnten Werken. Andere Branchen aber auch andere Werke mit weniger Strahlkraftautos wären hochdankbar diese Luxusprobleme und dieses "Jammern auf hohem Niveau" zu haben.

Wenn der Betriebsrat jetzt hier einen "Kleinkrieg" anzettelt, trägt er auch ganz bewußt ---ohne Verantwortung z übernehmen--- Thematiken nach draußen, die die Marke Mercedes beschädigen. ... und mit beschädigter Marke werden noch weniger Autos verkauft.

TTT

13.10.2012, 14:23 Uhr

Die Kommentare hier sind am Thema vorbei. Es geht hier nicht um einen unerwarteten Rückgang bei der S-Klasse von Mercedes sondern um den normalen Absatzeinbruch gegen Ende einer Modellreihe. In dem Konflikt geht es erstmal nur darum wie die nächsten Monate gearbeitet werden soll. Die Mitarbeiter müssen vorübergehend in einer Schicht satt in zwei Schichten produzieren.Arbeitgeber will dies in Frühschicht tun, Arbeitnehmer weiter in einer wechselnden Schicht, damit er seine Zulagen aus der Spätarbeit nicht verliert.Der Arbeitnehmer will für solche Fälle und auch für die Mitarbeiter in anderen Baureihen nun eine, grundsätzlich andere Handhabung,bei solchen Problemen, einführen. Und da werden sich Arbeitnehmervertreter und Arbeitgeber nicht einig.
Ein Kommentar welcher fordert man solle in China, USA oder sonstwo produzieren... Na ja. Würde auf lange Sicht ein Eigentor werden. Wenn man die Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet, wird es irgendwann niemand mehr geben welcher die Produkte kaufen kann.Und das betrifft dann auch kleiner Dinge als einen Mercedes,BMW oder Audi.

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