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21.01.2010

13:01 Uhr

Schiedsgericht-Urteil

Gevaert nach Agfa-Pleite entlastet

VonChristoph Schlautmann

Mehr als fünf Jahre nach der mysteriösen Pleite des Traditionskonzerns Agfa-Photo, die mehr als 1 800 Beschäftigte den Job kostete, lichtet sich jetzt zum ersten Mal die Reihe der Schuldigen - zumindest juristisch. Ein Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer entlastet den ehemaligen Mutterkonzern Gevaert.

Abgewickelt: Agfa-Photo musste 2005 Insolvenz anmelden. dpa

Abgewickelt: Agfa-Photo musste 2005 Insolvenz anmelden.

DÜSSELDORF. Aufatmen bei Agfa-Gevaert im belgischen Mortsel: Der börsennotierte Bildverarbeitungskonzern muss sich nicht länger den Vorwurf gefallen lassen, die Pleite der ehemaligen Deutschlandtochter Agfa-Photo unrechtmäßig herbeigeführt zu haben. Dies geht aus einem jetzt bekannt gewordenen Urteil des International Court of Arbitration hervor, dem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris.

Darüber hinaus wiesen die Richter die Klage des damaligen Käufers zurück, er sei bei der Übernahme der Leverkusener Agfa-Photo hinters Licht geführt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

Nach der überraschenden Insolvenz des Neuerwerbs im Mai 2005, ein halbes Jahr nach der Übernahme, war es zwischen den Beteiligten zu einem heftigen Streit gekommen. Die Münchener Nanno-Holding, zu 60 Prozent im Besitz des ehemaligen McKinsey-Managers Hartmut Emans, hatte von den Belgiern wegen des angeblich zu hohen Kaufpreises Schadenersatz in Höhe von 265 Mio. Euro verlangt.

Mitte August 2004 hatte die belgische Agfa-Gevaert ihr defizitäres Fotogeschäft für 112 Mio. Euro an die Nanno-Holding verkauft, den Erwerbern dabei zusätzlich Geldmittel zugesichert. Doch der Trend zur digitalen Fotografie setzte dem traditionellen Fotopapiergeschäft weitaus härter zu als erwartet.

Schon nach wenigen Monaten waren sowohl das Eigenkapital von 300 Mio. Euro als auch die Barreserven von 72 Mio. Euro aufgezehrt. Wegen Zahlungsunfähigkeit stellte die Agfa Photo GmbH am 20. Mai 2005 den Antrag auf ein Insolvenzverfahren. Weil Investoren für den Neustart fehlten, ließ Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier das 1867 gegründete Unternehmen wenig später zerschlagen.

Die von Emans eingeschaltete Kanzlei CMS Hasche Sigle warf den Belgiern daraufhin in einer 2007 eingereichten Klageschrift vor, den Kaufpreis mit geschönten Geschäftsaussichten hoch geschraubt zu haben. Als Beweis diente ein Verkaufsprospekt vom Dezember 2003, der für die spätere Agfa-Photo einen zu erwartenden Betriebsgewinn von 446 Mio. Euro für die Jahre 2005 bis 2007 ausweist. In einer internen Vorstandspräsentation waren sie dagegen auf ein Ergebnis von minus 45 Mio. Euro gekommen. In Agfa-Gevaert sah Emans zudem den Schuldigen für Pleite. Die Belgier hätten der ehemaligen Tochter die zugesicherte Liquidität nicht zur Verfügung gestellt und damit bei Agfa-Photo "unrechtmäßig die Insolvenz herbeigeführt".

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