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18.10.2011

17:16 Uhr

Schienen-Bestellung

Bahn vergibt Großauftrag an Kartellsünder

VonMartin Murphy

ExklusivDer Stahlkonzern Voestalpine soll Schienen im Wert von 50 Millionen Euro liefern. Das Unternehmen war neben Thyssen-Krupp der Haupttäter in dem illegalen Verbund, deren Mitglieder sich „Schienenfreunde“ nannten

Voestalpine ist ein österreichischer Stahlkonzern. dapd

Voestalpine ist ein österreichischer Stahlkonzern.

DüsseldorfDie Deutsche Bahn setzt ungeachtet des Schienenkartells auf Voestalpine als Lieferanten. Vor wenigen Tagen vergab die Bahn einen größeren Auftrag an den österreichischen Stahlkonzern, wie aus Unterlagen hervorgeht, die dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegen. In den kommenden zwei Jahren soll Voestalpine Schienen im Wert von rund 50 Millionen Euro liefern. Dabei handelt es sich um Lagerschienen, mit denen die Bahn Engpässe deckt.

Voestalpine war neben Thyssen-Krupp der Haupttäter in dem illegalen Verbund, deren Mitglieder sich selbst als „Schienenfreunde“ bezeichneten. Das Kartell war im Mai durch das Bundeskartellamt zerschlagen worden.
Die Bahn betonte auf Anfrage zwar, dass die Ausschreibung nicht abgeschlossen ist. Den Unterlagen zufolge ist die Entscheidung für Voestalpine aber bereits gefallen. Wegen der laufenden Kartelluntersuchung soll der Vertrag erst im kommenden Jahr unterschreiben werden, wie aus dem Umfeld der Österreicher verlautete. Voestalpine äußerte sich nicht dazu.

Der Zuschlag bei den Lagerschienen verschafft Voestalpine eine gute Ausgangsposition für eine noch größere Bestellung. Dabei handelt es sich um die Ausschreibung für den Schienenbedarf 2012. Es geht um 315000 Tonnen, die in drei Lose aufgeteilt sind, wie das Handelsblatt aus dem Bahn-Umfeld erfuhr. Der Wert liegt nach Einschätzung aus der Branche bei rund 300 Millionen Euro. Neben Voestalpine bemühen sich eine Hand voll Bieter um den Auftrag, darunter Arcelor-Mittal und Tata Steel. „Wenn Voestalpine wieder so preisaggressiv ist wie beim letzten Auftrag, dann haben die zumindest einen Teil sicher“, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person.

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