Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2008

14:34 Uhr

Schienenfahrzeugindustrie

Bahn-Boom erfreut Lok-Bauer

VonEberhard Krummheuer

Weil der Bahngüterverkehr in Europa immer stärker schneller wächst, steigt auch die Nachfrage nach Loks. Der Marktführer Bombardier erreicht 2007 einen neuen Auftragsrekord von 1,25 Milliarden Euro. Und auch die Klimadiskussion nützt der Branche.

Die Nachfrage nach Loks ist momentan sehr groß. Foto: ap ap

Die Nachfrage nach Loks ist momentan sehr groß. Foto: ap

BERLIN. Der Boom im europäischen Bahngüterverkehr lässt auch die Schienenfahrzeugindustrie aufblühen. Vor allem leistungsstarke, international einsetzbare Güterzugloks sind gefragt wie nie zuvor. Spitzenreiter in diesem Geschäft ist zurzeit mit weitem Abstand der Marktführer Bombardier, der seine Sparte Transportation von Berlin aus führt. 2007 wurden bei dem Unternehmen über 350 Lokomotiven bestellt; der Auftragswert erreichte mit 1,25 Mrd. Euro eine neue Rekordhöhe, sagte der Chef der Division Lokomotiven, Edmund Schlummer, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Sparte machte 2006 rund 4,4 Mrd. Euro Umsatz mit 29 000 Mitarbeitern.

Im europäischen Markt für elektrische und dieselgetriebene Loks rechnet sich Bombardier bei den Aufträgen des vergangenen Jahres einen Marktanteil von 88 Prozent aus. Weit abgeschlagen nach der eigenen Statistik: Siemens mit fünf und Alstom mit sieben Prozent. Ein Siemens-Sprecher sagte, hierbei handele es sich um eine zufällige Jahres-Konstellation, auf dem Weltmarkt lieferten sich die beiden Konzerne im längerfristigen Vergleich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der Markt habe sich völlig verändert, sagt Schlummer. Während früher nationale Bahnen bei nationalen Anbietern orderten und diese dann in Konsortien alle etwas vom Kuchen abbekamen, werde heute nach Ausschreibungen weltweit bestellt. Die Lokomotivbauer könnten so schwache Jahre mit wenigen Aufträgen auf dem Heimatmarkt besser überbrücken.

Favoriten bei Bahnen und den international operierenden Leasingfirmen sind Maschinen der Bombardier-Lokomotiven-Familie „Traxx“. Es sind laut Schlummer gewissermaßen „Loks von der Stange“: Sie bauen in ihrer Grundkonzeption auf einer einheitlichen Plattform auf und werden dann speziell für ihr Aufgabengebiet ausgerüstet. So gibt es bei den elektrischen Loks, von denen weltweit über 1 100 Maschinen verkauft wurden, neben Wechsel- und Gleichstromloks für die unterschiedlichen Stromsysteme der Bahnen auch Multisystemloks, die neben den Stromsystemen auch mit verschiedenen nationalen Signalsystemen ausgestattet sind. Und bei Dieselloks wird der Motor an der Stelle eingebaut, an der sonst der Transformator installiert ist. Auch Siemens bietet Mehrsystemloks an und sieht sich bei der dieselelektrischen Variante als weltweiter Marktführer.

„Die Leasingfirmen kaufen bei uns ein, wie andere Leute ein Auto ordern – sie kommen mit einer Bestellliste, auf der sie die gewünschten Extras angekreuzt haben“, beobachtet Schlummer. „Da wird nicht mehr verhandelt, und die Zeiten, da wir mit den Staatsbahnvertretern jede einzelne Schraube ausdiskutieren mussten, sind lange vorbei.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×