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23.10.2012

11:09 Uhr

Schienenkartell

Thyssen-Krupp überprüft Vorstand Eichler

ExklusivDer Stahlkonzern holt zwei Gutachten zu einer möglichen rechtlichen Verantwortung von Edwin Eichler beim Schienenkartell ein. Der Vorstand soll Hinweise nicht genug geprüft haben. Eine Abberufung ist möglich.

Thyssen-Krupp-Vorstand Edwin Eichler dpa

Thyssen-Krupp-Vorstand Edwin Eichler

Düsseldorf/EssenDie Verwicklung von Thyssen-Krupp in das Schienenkartell könnte ein Nachspiel für Konzernvorstand Edwin Eichler haben. Der Personalausschuss des Aufsichtsrats habe beschlossen, „eine gutachterliche Stellungnahme zur Rolle von Herrn Edwin Eichler im sogenannten Schienenkartell und zu einer möglichen rechtlichen Verantwortung einzuholen“, schreibt Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in einem Brief an die Mitglieder des obersten Konzerngremiums. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.

Ein Sprecher von Thyssen-Krupp bestätigte dies am Dienstag. Der Personalausschuss des Aufsichtsrats habe beschlossen, ein Gutachten zu einer möglichen rechtlichen Verantwortung Eichlers einzuholen, sagte der Sprecher.

Mit der Prüfung wurde der renommierte Strafexperte Klaus Volk aus München beauftragt. In einem zweiten Gutachten, das von der Kanzlei Freshfields erstellt wird, soll eine aktienrechtliche Bewertung zur weiteren Vorgehensweise erstellt werden. Bei einer groben Pflichtverletzung könnte der Aufsichtsrat Eichler von seinem Posten abberufen. Beide Gutachten sollen in dieser Woche vorliegen, wie Cromme schreibt.

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Der Industriekonzern hatte wohl schon vor Jahren handfeste Hinweise darauf, Mitglied eines Kartells zu sein. Zu Konsequenzen ist es bei Thyssen-Krupp nicht gekommen – weil der zuständige Vorstand nicht eingegriffen hat.

Eichler, im Konzernvorstand für das Stahlgeschäft von Thyssen-Krupp zuständig, war zwar nicht persönlich an Kartellabsprachen beteiligt; er muss sich aber vorwerfen lassen, dass er interne Hinweise auf ein Kartell auf dem deutschen Schienenmarkt nicht ernsthaft genug geprüft hat.

In den Jahren 2004 und 2006 hatten Beschäftigte des Unternehmens von Absprachen berichtet. Die nachfolgenden internen Ermittlungen blieben aber folgenlos, obwohl sogar eine Beteiligung von Thyssen-Krupp festgestellt worden war. Zumindest über die Untersuchung im Jahr 2006 war Eichler direkt von Mitarbeitern informiert worden.

Das Bundeskartellamt hatte im Juli Bußgelder gegen mehrere Schienenhersteller, darunter Thyssen-Krupp und die österreichische Voestalpine, wegen illegaler Preisabsprachen verhängt, von denen insbesondere die Deutsche Bahn betroffen war. Allein Thyssen-Krupp musste ein Bußgeld in Höhe von 103 Millionen Euro zahlen. Die betroffene Thyssen-Tochter GfT Gleistechnik fiel in den Verantwortungsbereich Eichlers. Der Manager ist seit Jahren in Führungspositionen für Thyssen-Krupp tätig. Sein Vertrag war erst vor geraumer Zeit bis 2017 verlängert worden.

Thyssen-Krupp verweist darauf, seit dem Bekanntwerden des Schienenkartells im Mai 2011 umfassend mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Zwar habe es im Jahr 2006 einen vagen externen Hinweis auf mögliche Kartellabsprachen gegeben, es seien aber keine Kartellverstöße der GfT Gleistechnik festgestellt werden. „Wie wir heute wissen, lag der Grund dafür in der hohen kriminellen Energie der Kartellanten, die durch bewusstes Verschweigen und systematisches Lügen eine frühere Aufklärung des Kartells nicht haben möglich werden lassen.“

Kommentare (1)

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25.10.2012, 21:44 Uhr

Aus meiner Sicht hat das Handelsblatt gerade in den letzten Artikel sehr gut, im Schienenkartell ThyssenKrupp, die Wahrheit veröffentlicht. Nun wird von anderer Seite berichtet, dass zwei Gutachten Herrn Eichler entlasten. Freshfields wird 2006 beauftragt die Aussage von Herrn Klebert zu entschärfen und Freshfields macht aus dem Kartell ein reines Werkskartell und das Handelshaus hat nur ein Restrisiko. Das Kartellamt spricht eine Strafe von 124 Millionen aus und ThyssenKrupp zahlt davon allein 103,5 Millionen als Handelshaus für das Restrisiko.
Hier stellt sich doch die Frage: Warum wird die Strafe akzeptiert, wenn es doch die lieben Werke waren....
Was ist den mit den anderen Vorständen, die ebenfalls von Herrn Klebert die Information über das Gespräch mit Herrn Meusel erhalten haben, der sich versehentlicht verplappert haben soll. Wer war den vorher und nachher der Ansprechpartner von Herrn Meusel oder hat er nur auf den Grüß-August gewartet?
Was ist mit dem Vorstand Sehlbach, dem es heiß und kalt wurde. Was ist mit dem lautstarken Anschiss den Herrn Klebert für seine Meldung erhalten hat.
Fazit: Herr Klebert erkennt innerhalb von wenigen Tagen die Kartellverstöße und wir sollen wirklich glauben, dass der restliche Vorstand keine Schuld hat.
Schlimmer geht`s nimmmer.

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