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12.03.2017

13:03 Uhr

Schiffsbau

Noch trotzen deutsche Werften der Krise

Der geplante Personalabbau bei zwei deutschen Werften ist für die Branche nicht typisch, aber ein Warnsignal. Trotz vieler Aufträge kann sich der deutsche Schiffbau vom schwachen Weltmarkt nicht komplett abkoppeln.

Die Reeder haben in früheren Jahren viel zu viele Schiffe bestellt und mit den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit gerechnet. dpa

Blohm+Voss in Hamburg

Die Reeder haben in früheren Jahren viel zu viele Schiffe bestellt und mit den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit gerechnet.

HamburgDer weltweite Schiffbau geht durch ein tiefes Tal. Rund 560 Werften haben seit 2008 den Betrieb eingestellt. Global gibt es nach Angaben der maritimen Beratungsfirma Clarkson noch 372 Betriebe, die meisten davon in Asien. Sie lieferten im vergangenen Jahr mehr als 1600 Schiffe ab. Doch das sind fast immer alte Aufträge – neue Order kommen nur noch tröpfchenweise nach.

Nur 126 Werften, ein Drittel der aktiven Betriebe, haben 2016 überhaupt ein Schiff in die Bücher genommen. Schlappe 480 Stück gaben die Reedereien weltweit in Auftrag. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2007 waren es mehr als 5200 Schiffe.

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„Für den Weltschiffbau ist kaum vorstellbar, dass die Nachfrage noch weiter abnimmt“, sagt Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg. „Die Talsohle dürfte erreicht sein.“ Nun rätseln die Schiffbauer aber, wann die Markterholung kommt und wie stark sie ausfällt. Ursache für die tiefgreifende Krise ist ein anhaltendes Überangebot an Schiffsraum auf den Weltmärkten, ergänzt um rückläufige Wachstumsraten für den Welthandel und für den Containertransport.

Die Reeder haben in früheren Jahren viel zu viele Schiffe bestellt und mit den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit gerechnet. Dazu kam speziell in der Containerschifffahrt ein Größenwettlauf, um den Schiffstransport noch effektiver und wirtschaftlicher zu gestalten.

Damit wurden die Überkapazitäten nochmals vergrößert; die Frachtraten verfielen und die Investitionsmittel wurden knapp. Die tiefe Krise der Schifffahrt erreicht nun die Werften. Die Reeder brauchen kaum neue Schiffe – und sie haben auch kein Geld, um sie zu bezahlen.

Für die asiatischen Länder, die stark auf Schifffahrt und Schiffbau setzen, ist die Lage bedrohlich. Südkorea hat nicht nur die Pleite der Containerreederei Hanjin zu verkraften, sondern auch die Großwerften Hyundai, Daewoo und Samsung kämpfen ums Überleben. Dabei haben sie mit dem koreanischen Staat einen starken Verbündeten.

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