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02.11.2011

12:53 Uhr

Schlaganfall-Mittel

Boehringer meldet Todesfälle in Deutschland

Auch in Deutschland sind nach einer Behandlung mit dem neuen Schlaganfall-Mittel von Boehringer Ingelheim Menschen gestorben. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt. Weltweit liegt die Zahl bei etwa 50 Toten.

Ein Blick auf das Firmengelände des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. dpa

Ein Blick auf das Firmengelände des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim.

FrankfurtDeutschlands zweitgrößter Pharmakonzern bestätigte am Mittwoch, dass es hier zu Lande zu Todesfällen bei einer Therapie mit der Tablette Pradaxa gekommen ist. Die Zahl der Todesfälle nannte das Unternehmen nicht. Der Gerinnungshemmer ist seit September in Deutschland auf dem Markt. Auch in Japan war es zu Todesfällen in Zusammenhang mit dem Präparat gekommen. Weltweit dürfte die Zahl inzwischen bei etwa 50 liegen. „Das ist die Größenordnung, in der man sich wohl im Augenblick weltweit bewegt“, sagte ein Konzern-Sprecher. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte zuvor darüber berichtet.

In Japan muss Boehringer Ingelheim inzwischen genauer über die Risiken des Präparats berichten. Auch in Europa hatte Boehringer die Ärzte aufgefordert, künftig weitere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Sie sollen die Nierenfunktion von Patienten vor einer Behandlung mit dem Präparat überprüfen. Bei Patienten, die älter als 75 sind oder unter einer beeinträchtigten Nierenfunktion leiden, solle das Organ mindestens jährlich untersucht werden. Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen sollten das Mittel gar nicht erst bekommen. Der Familienkonzern aus Ingelheim bei Mainz hatte sich mit der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA darüber verständigt, die Arztinformationen entsprechend zu überarbeiten.

Das Schlaganfall-Präparat Pradaxa wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion aber gestört, kann auch die Ausscheidung betroffen sein. Innere Blutungen können dann lebensbedrohlich werden. Im August hatte bereits die Medizin-Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ (NEJM) in einem Leitartikel betont, dass es für neue Gerinnungshemmer noch keine Gegenmittel gibt, die die Wirkung bei lebensbedrohlichen Blutungen schnell umkehren können. Bei dem seit Jahrzehnten als Standardmedikament verwendeten Warfarin zur Vorbeugung von Schlaganfällen leistet dies Vitamin K. Allerdings gilt das inzwischen patentfreie Warfarin als schwer dosierbar. Zudem müssen strikte Diätvorschriften eingehalten werden und regelmäßige Bluttests sind notwendig.

Für die Pharmabranche ist das Behandlungsfeld Schlaganfallprävention ein Riesenmarkt. Einige Analysten taxieren den Weltmarkt für neue Schlaganfallmedikamente auf bis zu 20 Milliarden Dollar. Gleich mehrere Unternehmen drängen mit ihren Wirkstoffen auf den Markt. Dazu zählen die Präparate Xarelto von Bayer und Johnson & Johnson , Eliquis von Pfizer und Bristol Myers Squibb sowie Lixiana von Daiichi Sankyo. 

Von

rtr

Kommentare (1)

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Blandos

02.11.2011, 15:42 Uhr

"Der Gerinnungshemmer ist seit September in Deutschland auf dem Markt."

Pradaxa ist seit 2008 in der Indikation "Primärprävention von venösen Thromboembolien nach elektiven Knie -und Hüftersatz" zugelassen.

"Bei dem seit Jahrzehnten als Standardmedikament verwendeten Warfarin zur Vorbeugung von Schlaganfällen leistet dies Vitamin K."

Vitamin K als Antidot zu bezeichnen, ist angesichts des Wirkungsmaximum nach 2-3 Tagen wohl nicht ganz richtig...

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