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20.01.2005

11:43 Uhr

Schlechte Zahlungsmoral hat die Krise verschärft

Rettung für Walter Bau weiter völlig offen

Die Gespräche über die Zukunft des in finanzielle Schieflage geratenen Augsburger Konzerns Walter Bau ziehen sich hin. Ein Großteil der 27 Hausbanken habe zwar bereits Zustimmung zu dem Sanierungskonzept signalisiert.

HB/agr/cbu/fo DÜSSELDORF. Das entspreche etwa 80 Prozent des Finanzierungsvolumens, hieß es in Unternehmenskreisen. Die übrigen Banken hätten aber weiteren „Gesprächsbedarf“. Es werde deswegen weiter verhandelt.

Das Gesamtpaket kann also immer noch scheitern, denn die meisten Banken haben ihre Zustimmung nur unter der Bedingung gegeben, dass alle Poolbanken mitziehen. Die Einschätzungen der Banken wurden bei der Deutschen Bank gesammelt. Zu den Abweichlern gehören laut Unternehmenskreisen vor allem die Berliner Bank und ABN Amro.

Das Konzept sieht bislang vor, nochmals 400 Arbeitsplätze zu streichen, die profitable Tochter DSI zu verkaufen und das schwierige Inlandsgeschäft zu reduzieren. Bei den Verhandlungen geht es um eine Verlängerung von Bürgschaften (Avalen) für das laufende Baugeschäft von 1,5 Milliarden Euro.

Firmengründer und Aufsichtsratschef Ignaz Walter hatte aber auch einen Liquiditätsengpass eingeräumt. Seit Monaten schiebe das Unternehmen Außenstände von 450 Millionen Euro vor sich her, hatte er gesagt. Dabei handelt es sich nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens im wesentlichen um offene Forderungen gegenüber der öffentlichen Hand, allein 104 Millionen Euro gegenüber der Deutschen Bahn. Walter Bau verlangt noch Geld für die Bahnhöfe Köln und Mainz sowie für eine Strecke in Hildesheim. Für die ersten beiden Projekte wurde kürzlich ein Schiedsverfahren vereinbart.

Der Streit um die Zahlungsmoral der Bahn schwelt bereits seit längerem. Unter allen säumigen öffentlichen Auftraggebern ist das Staatsunternehmen Deutsche Bahn das schlimmste, lautete etwa das Fazit einer einer Umfrage des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Bauindustrie unter 565 Baufirmen. Durch die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber gerieten immer mehr Bauunternehmen in ernsthafte Liquiditätsprobleme.

„Zwar führe die Bauindustrie inzwischen Gespräche mit der Bahn und suche eine faire Partnerschaft“, sagte Michael Knipper Hauptgeschäftführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Doch seien die Probleme noch nicht gelöst. Die Deutsche Bahn war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Kürzlich hatte aber Bundesbauminister Manfred Stolpe Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Bahn die Krise bei Walter Bau durch unbezahlte Rechnungen mit ausgelöst habe. Es handle sich um „umstrittene Rechnungen“, hatte Stolpe gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt.

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