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23.10.2012

07:31 Uhr

Schmiergeldaffäre

Ex-Siemens-Vorstände im Visier der Athener Justiz

VonGerd Höhler

Griechenlands Justiz ermittelt gegen hochrangige, ehemalige Siemens-Manager. Der Vorwurf: Bestechung und Geldwäsche. Ihnen drohen hohe Haftstrafen. Doch das Verfahren selbst gerät ins Zwielicht.

Polizisten vor einem griechischen Gefängnis: Deutschen Managern drohen hohe Haftstrafen. dpa

Polizisten vor einem griechischen Gefängnis: Deutschen Managern drohen hohe Haftstrafen.

AthenEinen „roten Teppich“ werde er ausländischen Investoren ausrollen, versprach Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras kürzlich im Handelsblatt-Interview. Für eine ganze Reihe früherer Siemens-Manager gilt das allerdings nicht. Sie werden demnächst eine Vorladung des Athener Oberlandesgerichts bekommen. Im Prozess um die Schmiergeldpraktiken des Konzerns sollen sie als Beschuldigte vernommen werden – unter ihnen dem Vernehmen nach auch der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

Es geht um den Vorwurf der gemeinschaftlichen aktiven Bestechung in einem besonders schweren Fall und die Legalisierung von Einnahmen aus krimineller Tätigkeit, also Geldwäsche. Bei einem Schuldspruch könnte den Betroffenen in Griechenland lebenslange Haft drohen.

Eine lähmende Bürokratie, ein korrupter Staatsapparat, willkürliche Finanzämter: Die Liste der Beschwerden ausländischer Investoren in Griechenland ist lang. Davon konnte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit Unternehmern während ihres jüngsten Athen-Besuchs überzeugen. Vor allem bei der Rechtssicherheit hapere es in Griechenland, sagen viele Manager. 

Wie unberechenbar die griechische Justiz sein kann, erfährt der frühere Siemens-Vorstand Volker Jung. 2006 geriet er ins Fadenkreuz hellenischer Strafverfolger: Als ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrats der griechischen Siemens-Tochter sollte er sich zu den Bestechungsvorwürfen gegen Siemens Hellas äußern. Das Unternehmen hatte sich über viele Jahre hinweg in Griechenland mit Schmiergeldern lukrative Staatsaufträge gesichert.

Zwischenbilanz der Ära Löscher

Siemens 2007 und 2011 in Zahlen

Was hat Peter Löscher als Siemens-Vorstandschef bisher erreicht? Die wichtigsten Zahlen aus den Geschäftsberichten 2007 und 2011 im Vergleich.

Umsatz

Umsatz des gesamten Konzerns 2007: 72,5 Milliarden Euro

2011: 73,5 Milliarden Euro

Umsatz in Asien

Erlöse in Asien 2007: 10,9 Milliarden Euro

2011: 14,4 Milliarden Euro

Gewinn nach Steuern:

2007: 4,0 Milliarden Euro

2011: 6,3 Milliarden Euro

Dividende

Dividende je Aktie 2007: 1,60 Euro

2011: 3,00 Euro

Aktienkurs

Aktienkurs 2007 (Jahresdurchschnitt): 96,42 Euro

2011: 68,12 Euro

Börsenwert

Unternehmenswert an der Börse 2007: 88 Milliarden Euro

2011: 59,5 Milliarden Euro

Mitarbeiterzahl

Mitarbeiter im Siemenskonzern insgesamt 2007: 471.000

2011: 402.000

Hauptaktionäre

Hauptaktionäre 2011: Die Familie von Siemens hält sechs Prozent, der US-Vermögensverwalter Blackrock fünf Prozent.

Im Juni 2009 lud die Justiz Jung zur Vernehmung. Der Ex-Manager reiste aus München nach Athen an – und wurde prompt festgesetzt. Fast 18 Monate musste der gesundheitlich angeschlagene Jung in seinem ungeheizten Ferienhaus auf der Kykladeninsel Paros im Inselarrest ausharren, sich regelmäßig bei der Polizei melden. Nachdem mehrere Anträge auf Aufhebung des Ausreiseverbots und Einstellung des Strafverfahrens abgelehnt wurden, setzte sich Jung im November 2010 nach Deutschland ab.

Die griechische Justiz erließ daraufhin einen internationalen Haftbefehl. Deutschland vollstreckt ihn zwar nicht, aber selbst bei einem Ausflug ins benachbarte Österreich müsste der 73-Jährige damit rechnen, festgenommen und an Griechenland ausgeliefert zu werden – etwa wenn er in eine Verkehrskontrolle gerät.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

23.10.2012, 07:46 Uhr

Bei einem Schuldspruch könnte den Betroffenen in Griechenland lebenslange Haft drohen.

sollen erstmal mit ihren eigenen Leuten anfangen,denke wenn sie da mal durch sind, ist kein Platz mehr im Gefängniss...

Pinin

23.10.2012, 08:19 Uhr

Klar, gegen die griechischen Empänger der angeblichen Schmiergelder wird in Griechenland natürlich nicht ermittelt!

Vielleicht erwarten Staatsanwälte und Richter etwas Fakeleki?

Mehr Sumpf geht nicht.

Account gelöscht!

23.10.2012, 08:38 Uhr

Ich vermute, die Klage gegen die Siemens-Manager ist der Bonbon, den die Regierungskoalition den sehr starken rechten und linken Rändern verspricht.
Damit – so hofft die Regierung wahrscheinlich – stellt sie ihre Kritiker ruhig und macht sich in den Augen der aufgewiegelten Bevölkerung glaubhaft.

Fakt ist, dass in GR kein Grieche wegen dieser Bestechungsaffäre verurteilt wurde. Vielmehr wurden noch nicht einmal Namen genannt. Dabei ist es doch völlig klar, dass zur Bestechung immer ZWEI gehören.

Ein Ex-Siemens-Manager in GR, Deutsch-Grieche, der in Deutschland als Zeuge aussagte, gilt als der Verteiler der Bestechungssummen in GR. Im deutschen Prozess sagte er gegen die Beteiligten im Bestechungsskandal aus und belastetet nicht nur deutsche, sondern auch griechische Beteiligte.
Es wurden auch Namen genannt. Diese Namen sind in den Akten enthalten, die die deutschen Strafverfolgungsbehörden der griechischen Staatsanwaltschaft zur Einsicht angeboten hat.
Diese Akten wurden niemals angefordert.
Es fand in GR niemals ein Prozess gegen griechische Beteiligte am Bestechungsskandal statt.
Der Deutsch-Grieche, der in Deutschland als Zeuge aussagte, gilt hier in GR als Nestbeschmutzer und muss womöglich um sein Leben fürchten, denn es steht viel auf dem Spiel. Er hält sich selbstverständlich nicht mehr in GR auf.
Diese ganze Angelegenheit ist ein riesiger Skandal und es ist beunruhigend, wenn man daran denkt, mit wem sich unsere deutschen Politiker da einlassen – noch dazu im Namen von uns Bürgern

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