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06.01.2008

12:40 Uhr

Schmiergeldskandal bei Siemens

Siemens-Chef fordert von Pierer heraus

VonChristoph Hardt

Siemens-Vorstandschef Peter Löscher will hart gegen die Verantwortlichen des Schmiergeldskandals in den eigenen Reihen vorgehen. In einem Schreiben an die Führungskräfte des Konzerns hat er jetzt auch den Umgang seines langjährigen Konzernchefs Heinrich von Pierer mit der Affäre in Frage gestellt.

Will aufklären: Siemens-Chef Peter Löscher Foto: dpa Quelle: dpa

Will aufklären: Siemens-Chef Peter Löscher Foto: dpa

DÜSSELDORF. Die Siemens AG will hart gegen die Verantwortlichen des Schmiergeldskandals in den eigenen Reihen vorgehen. In Briefen an die knapp 700 Führungskräfte kündigte Vorstandschef Peter Löscher zum Jahresanfang an, dass er die Verantwortung für die Skandale klären werde. „Beteuerungen des Nichtwissens oder der Uneigennützigkeit fehlgeleiteten Handelns sind zu kurz gegriffen und können so nicht akzeptiert werden,“ schreibt Löscher in dem Brief an die leitenden Mitarbeiter, der dem Handelsblatt vorliegt.

Unternehmenskreise sehen in dem in ungewöhnlich deutlicher Sprache verfassten Brief auch ein Signal der Entschlossenheit, mit alten Geschäftspraktiken aufzuräumen und die Frage der Verantwortung bis hin zum langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer zu stellen. Pierer, der im April vom Posten des Aufsichtsratschefs zurückgetreten war, erklärt bislang, er habe nichts von Schmiergeldpraktiken gewusst und sei daher nicht dafür verantwortlich zu machen.

Hintergrund des Schreibens sind die auch in diesem Jahr zu erwartenden negativen Wirkungen aus den Ermittlungen diverser Staatsanwaltschaften und den internen Untersuchungen von Siemens. Löscher redet seit Wochen davon, man müsse noch mit weiteren „unangenehmen“ Nachrichten aus dem Konzern rechnen.

So könnten dem Konzern vor allem aus den USA schwer wiegende Strafen drohen. Dort ermitteln die Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium, einen Fall wie Siemens hat es in der 70jährigen Geschichte der US-Börsenaufsicht nach Einschätzung von Kennern noch nicht gegeben.

Siemens ist von mehren Korruptionsskandalen betroffen, besonders schwer wiegend ist der im ehemaligen Telekommunikationsbereich Com. Hier ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft gegen hochrangige Manager bis hin zum ehemaligen Finanzchef des Konzerns, Heinz-Joachim Neubürger. Der Skandal hat Siemens nach eigenen Angaben weit über eine Mrd. Euro gekostet, bislang hat Siemens für die Jahre 2000 bis 2006 insgesamt 1,35 Mrd. Euro an unklaren Zahlungen entdeckt.

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