Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.08.2012

16:17 Uhr

Schmiergeldskandal

Bewährungsstrafe für Ex-Siemens-Manager

Der Siemens-Schmiergeldskandal beschäftigt die Münchner Justiz seit Jahren. Ein Ex-Bereichsvorstand der Medizintechniksparte gab nun seine Beteiligung am System der schwarzen Kassen zu.

Die Aufarbeitung des Schmiergeldskandals bei Siemens ist längst nicht abgeschlossen. dapd

Die Aufarbeitung des Schmiergeldskandals bei Siemens ist längst nicht abgeschlossen.

MünchenWeiteres Urteil im Siemens-Schmiergeldskandal: Ein ehemaliger Manager wurde zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Das Landgericht München befand den ehemaligen kaufmännischen Vorstand des Bereichs Medizintechnik am Mittwoch der Untreue in 26 Fällen für schuldig. Er muss zudem eine Geldauflage von 130.000 Euro zahlen. Das Gericht folgte damit dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft.

Dem Urteil war ein sogenannter Deal vorausgegangen. Die Prozessbeteiligten hatten sich im Falle eines Geständnisses des Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe zwischen 13 und 18 Monaten geeinigt. Der 68 Jahre alte Rentner hatte daraufhin eingeräumt, er sei "für die Fehler, die mir in der Anklageschrift zur Last gelegt werden, verantwortlich", wie es in einer Erklärung seiner Verteidiger hieß.

Trübe Konjunktur: Siemens fürchtet um seine Jahresprognose

Trübe Konjunktur

Siemens fürchtet um seine Prognose

Die Euro-Krise bremst das Geschäft so stark, dass Siemens die Prognose infrage stellt.

Während seiner Zeit als Bereichsleiter bei Siemens in den Jahren von 1994 bis 2005 hat er demnach ein System schwarzer Kassen unterhalten, um Korruptionszahlungen im Ausland verschleiern zu können. Als schwarze Kassen dienten laut den Ermittlern verschiedene ausländische Firmen, an die auf der Grundlage von Scheinverträgen Zahlungen ergingen, ohne dass dafür tatsächliche Leistungen erbracht wurden. Auf diese Weise sei bei den Firmen Bestechungsgeld bereitgehalten worden.

Sowohl die Kammer unter Vorsitz der Richterin Claudia Wegewitz als auch Staatsanwalt Christoph Adacker zeigten sich überzeugt davon, dass es sich nicht um ein "reines Zweckgeständnis" handelte. Laut Adacker war der Angeklagte "nur ein Rädchen im großen System der Siemens AG". Insgesamt wurde in den vergangenen Jahren gegen 368 Beschuldigte bei Siemens ermittelt. Das Verfahren gegen den Angeklagten war das letzte im Bereich Medizintechnik. Die konkreten Bestechungstaten konnten allerdings nicht mehr aufgeklärt werden und waren daher auch nicht Teil der Anklage.

Zwischenbilanz der Ära Löscher

Siemens 2007 und 2011 in Zahlen

Was hat Peter Löscher als Siemens-Vorstandschef bisher erreicht? Die wichtigsten Zahlen aus den Geschäftsberichten 2007 und 2011 im Vergleich.

Umsatz

Umsatz des gesamten Konzerns 2007: 72,5 Milliarden Euro

2011: 73,5 Milliarden Euro

Umsatz in Asien

Erlöse in Asien 2007: 10,9 Milliarden Euro

2011: 14,4 Milliarden Euro

Gewinn nach Steuern:

2007: 4,0 Milliarden Euro

2011: 6,3 Milliarden Euro

Dividende

Dividende je Aktie 2007: 1,60 Euro

2011: 3,00 Euro

Aktienkurs

Aktienkurs 2007 (Jahresdurchschnitt): 96,42 Euro

2011: 68,12 Euro

Börsenwert

Unternehmenswert an der Börse 2007: 88 Milliarden Euro

2011: 59,5 Milliarden Euro

Mitarbeiterzahl

Mitarbeiter im Siemenskonzern insgesamt 2007: 471.000

2011: 402.000

Hauptaktionäre

Hauptaktionäre 2011: Die Familie von Siemens hält sechs Prozent, der US-Vermögensverwalter Blackrock fünf Prozent.

Die Anwälte des früheren Managers, die eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten gefordert hatten, betonten in ihrem Schlussvortrag, dass die Praxis der schwarzen Kassen und Bestechungen nicht nur bei Siemens bestanden habe. Verteidigerin Marion von Westpfahl sagte: "Alle in der Branche, die um die Märkte gekämpft haben, haben sich so verhalten."

Ein funktionierendes Kontrollsystem habe sich bei Siemens erst nach der Zeit ihres Mandanten als Bereichsvorstand entwickelt. Hätte ihr Mandant bei seinem Eintritt in die Position als Bereichsvorstand das bestehende System nicht übernommen, hätte "dies in radikaler Konsequenz bedeutet, er hätte seinen Job hinschmeißen müssen", erklärte die Anwältin.

Dass das System der schwarzen Kassen von dem Angeklagten nur übernommen wurde, betonte auch der Staatsanwalt. Adacker hielt dem Mann zudem zugute, dass er sich an den ausgeführten Geldern nicht persönlich bereicherte. Dies war laut der Vorsitzenden Richterin auch der Hauptgrund für den milden Urteilsspruch. Die hohen Summen, um die es ging, hätten jedoch gegen den Angeklagten gesprochen. Laut Anklage belief sich der Gesamtschaden auf rund 15 Millionen Euro.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Brasil

01.08.2012, 14:36 Uhr

(...) Es gibt kein einziges projekt auf diesem Planeten, das nicht durch Korruption erreicht wurde. Private Käufer mal ausgenommen (vielleicht)!

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×