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24.08.2012

11:15 Uhr

Schmutziges Geschäft

Millionen der Multis für Despoten kommen ans Licht

Die US-Börsenaufsicht hat entschieden: Öl-, Gas- und Bergbaufirmen müssen ihre Zahlungen an Regierungen aufdecken. Entwicklungshelfer feiern das als Sieg gegen Korruption. Die Konzern-Bosse fürchten dagegen ums Geschäft.

Kampf um die Macht: Das Geld aus Öl- und Gasverkäufen hielt Gaddafi lange in Libyen an der Spitze. dapd

Kampf um die Macht: Das Geld aus Öl- und Gasverkäufen hielt Gaddafi lange in Libyen an der Spitze.

New YorkEs war ein eindringlicher Appell, den der ehemalige libysche Ölarbeiter Najwa al-Beshti an eine Schar Beamte in Washington richtete. Er beschrieb in einem Gastbeitrag für die „New York Times“, wie er zu Zeiten des Regimes von Muammar al-Gaddafi hautnah miterlebte, dass sich die Mächtigen schamlos an den Ölmillionen bedienten, die eigentlich dem Volk gehörten. Als er den Mund aufgemacht habe, sei er mit dem Tode bedroht worden.

„Amerika kann helfen, dass eine derartige Korruption nicht wieder passiert“, mahnte der Libyer, der die Wirren des Umsturzes überlebte. Sein Gastbeitrag erschien wenige Tage, bevor die US-Börsenaufsicht SEC über ein Regelwerk zu entscheiden hatte, welches die Geldströme bei der Förderung von Bodenschätzen transparenter machen soll: der sogenannte Abschnitt 1504 des Dodd-Frank Act. Die SEC sagte ja und setzte das Regelwerk damit in Kraft.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Der Kern: Unternehmen müssen in ihrem Geschäftsbericht künftig alle Zahlungen an staatliche Stellen veröffentlichen, sofern diese über 100.000 Dollar hinausgehen. Das gilt etwa für den Kauf von Förderrechten auf Öl- oder Gasfeldern oder von Abbaurechten bei Metallen und Mineralien. Die Idee dahinter: Wenn die Zahlungen bekannt sind, kann das Geld nicht mehr so einfach in den Regierungsapparaten etwa der rohstoffreichen afrikanischen Staaten versickern.

„Für alle, die denken, dass Korruption genauso ein Killer ist wie Aids, Tuberkulose und Malaria, ist das hier wirklich groß“, sagte Bono, Sänger der Rockband U2 und Mitgründer der Organisation One, die sich die Bekämpfung von Armut, Hungersnöten und Krankheiten auf die Fahnen geschrieben hat. „Transparenz ist die beste Impfung gegen Korruption“, erklärte Bono.

Wo die Kohlereserven schlummern

Rang 10

Auf Rang zehn landet Indonesien. Die dort nachgewiesenen Kohlereserven beliefen sich 2014 auf 28 Milliarden Tonnen.

Quelle: BP

Rang 9

Auf dem neunten Platz landet Südafrika. Der Staat verfügt über Kohlevorkommen von 30,16 Milliarden Tonnen.

Rang 8

Kasachstan verfügt über Kohlereserven von 33,6 Milliarden Tonnen. Das langt für Platz acht im Ranking.

Rang 7

Die Ukraine rangiert mit Kohlereserven von 33,9 Milliarden Tonnen auf Platz sieben.

Rang 6

Deutschland besitzt noch immer 40,5 Milliarden Tonnen Reserven an Kohle.

Rang 5

Der Subkontinent Indien verfügt über Kohlereserven von 60,6 Milliarden Tonnen.

Rang 4

Mit 76,4 Milliarden Tonnen landet Australien auf Platz vier der Kohle-Länder. Außerdem verfügt das Land über große Ressourcen an Eisenerz oder Uran.

Rang 3

China erreicht den dritten Platz der Top-10 Kohlestaaten. In der Tiefe lagern 114,5 Milliarden Tonnen.

Rang 2

An zweiter Stelle der Kohle-Staaten liegt Russland. Das Land verfügt über Ressourcen von 157 Milliarden Tonnen Steinkohle.

Rang 1

Mit 237,295 Milliarden Tonnen an Kohlereserven setzen sich die USA an die Spitze der Top-10.

Den betroffenen Konzernen dagegen schmecken die neuen Vorschriften überhaupt nicht. „US-Unternehmen könnten Geschäfte verlieren, Jobs in den USA mögen gar nicht erst entstehen, und der Regierung könnten Steuern entgehen“, warnte John Felmy, der Chefökonom des American Petroleum Institute.

Kommentare (8)

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btw

24.08.2012, 11:24 Uhr

Bevor man allerdings um Geschäfte fürchten sollte, wird man sich damit auseinandersetzen müssen, welche Firmen aktiv an der Beförderung bewaffneter Konflikte ebenso mitbeteiligt gewesen sind, wie Regierungen souveräner Staaten auch.
Ein weiterer Schritt wäre es, die Geldströme offenzulegen, die unmittelbar auch zu Waffenkäufen geführt haben.
Damit wird die Welt vielleicht nicht gerechter aber noch etwas klarer.

Hermann.12

24.08.2012, 11:33 Uhr

Es ist ein schwieriges Dilemma, Despoten richten ihre Auftragvergabe eher selten am gesellschaftlichen Nutzen aus.
Was dazu führt, das bei vielen Despoten die Auftragsvergabe ausschließlich gegen Schmiergeld oder anderweitige persönliche Bereicherung erfolgt.
Das hohe moralische Ross endet dann spätetestens da, wo deshalb der eigene Absatzmarkt und somit Arbeitsplätze betroffen sind.
Denn ob geschmiert wird oder nicht, ändert in der Regel wenig am Regime. Bei Regimen, die wackeln hält Schmiergeld das Regime auch nicht länger am Leben, jedenfalls nicht mehr als die Auftragsvergabe selbst.
Deshalb ist es primär eine nationale Angelegenheit eine entsprechende Kultur zu schaffen.
Moralischen Überlegungen kann ich deshalb an dieser Stelle nicht viel abgewinnen. etwas anderes ist es ,wen nes um Korruption im eigenen Lande geht, sowohl die strafbare, wie die juristisch nicht belangbare Korruption.
Man gewinnt da den Eindruck, als sollten die ausländischen Schmiergeldzahlungen nur das Feigenblatt der eigenen moralischen Überlegenheit sichern. Denn gegen Korruption im Inland wird weder bei uns noch in den USA viel getan. Sie ist lediglich weniger offensichtlich, weil häufig keine rechtliche Handhabe besteht.

H.

btw

24.08.2012, 11:42 Uhr

Eigentlich geht es weniger um moralinsaure Überlegungen als vielmehr darum, welche Firmen beispielsweise im Syrien-Krieg (machen wir uns nichts vor, es handelt sich längst um einen Krieg mit international beteioligten Kombattanden) finanziell engagiert sind und zur weiteren Verschärfung von Kriegen aktiv beitragen.
Das sind Größen, mit denen man schließlich auch in der Politik rechnen muß, wenn es um Schadenseinschätzungen geht.
Was helfen Interventionen im Sicherheitsrat, wenn die Wirtschaft im eigenen Hause politisches Handeln konterkariert?
Sie sehen: weniger Moral als rein machiavellisch intendierte Überlegungen können solche Überlegungen auch begleiten.
Nichs gegen den Leopard II.
Man sollte nur wissen, dass man damit langfristig sogar gegen eigene wirtschaftliche Interessen handeln könnte...

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