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17.05.2011

15:47 Uhr

Schrittweise Übernahme

VW will mehr Macht im MAN-Aufsichtsrat

Volkswagen erhöht nicht nur seinen Anteil an MAN - der Wolfsburger Konzern verlangt auch einen größeren Einfluss und will mehr Sitze im neuen MAN-Aufsichtsrat. VW schickt fünf statt drei Top-Manager in das Gremium.

Das Logo des Fahrzeug- und Maschinenherstellers MAN. Quelle: dapd

Das Logo des Fahrzeug- und Maschinenherstellers MAN.

MünchenDer Volkswagen-Konzern regiert bei der störrischen 30-Prozent-Beteiligung MAN durch: Statt bisher drei will VW künftig fünf Topmanager in den Aufsichtsrat des Lastwagenherstellers schicken. Das geht aus der Kandidatenliste für die MAN-Hauptversammlung am 27. Juni hervor, die am Dienstag in München veröffentlicht wurde. MAN sperrte sich bisher gegen eine enge Zusammenarbeit mit der zweiten VW-Lkw-Tochter Scania.

VW hatte erst vergangene Woche seinen MAN-Anteil auf über 30 Prozent aufgestockt und hätte damit wohl eine Mehrheit auf der oft schlecht besuchten Hauptversammlung. Nun sollen VW-Chef Martin Winterkorn und Finanzchef Hans Dieter Pötsch in den MAN-Aufsichtsrat gewählt werden, in dem insgesamt acht Vertreter der Anteilseigner sitzen. Auch der für Nutzfahrzeuge zuständige Vorstand Jochem Heizmann kandidiert, wie auch Audi-Chef und VW-Vorstandsmitglied Rupert Stadler. MAN bestätigte damit einen Bericht der "FAZ".

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech tritt für eine weitere Periode an und könnte dann zugleich dem Aufsichtsrat von VW als auch von MAN vorstehen. So könnte er seine Pläne für eine Zusammenführung des Nutzfahrzeugherstellers mit dem schwedischen Konkurrenten Scania vorantreiben. Winterkorn ist Chef des Scania-Aufsichtsrates.
Fusion vorantreiben

VW hatte Anfang vergangener Woche seinen Anteil an MAN von 29,9 Prozent auf 30,47 Prozent aufgestockt. Der Autobauer will weiter zukaufen und peilt ein Ziel von 30 Prozent bis 40 Prozent der MAN-Anteile an. Außerdem kündigte VW ein Pro-Forma-Übernahmeangebot an die restlichen MAN-Aktionäre an. Mit diesem Schritt beseitigte VW kartellrechtliche Hürden für eine rasche engere Zusammenarbeit von MAN und der schwedischen VW-Lastwagentochter Scania. Die Zusammenarbeit soll später in eine Fusion münden.

Wenn MAN und Scania enger zusammenarbeiten, rechnet VW kurzfristig mit Einsparungen von 200 Millionen Euro pro Jahr. Langfristig soll es eine Milliarde Euro werden, etwa wenn die nächste Motorgeneration gemeinsam gebaut würde. Außerdem könnte der VW-Konzern sein erfolgreiches Baukastensystem den beiden Lkw-Töchtern überstülpen: Unter dem Blech gäbe es dann viele gemeinsame Teile, aber alles, was der Kunde sieht und anfasst, ist verschieden.

Die Doppelrolle von Piech bei der Übernahme sorgt bei Investoren indes für Unmut. Sie stellen die Unabhängigkeit des MAN-Gremiums in Frage. Dass Piech beide Aufsichtsräte dominiere, sei ein eklatanter Widerspruch, heißt es. Piëch solle eines dieser beiden Mandate niederlegen. Auch der Einzug von Winterkorn dürfte diese Kritik nicht verstummen lassen, ist der Volkswagen-Chef doch auch Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Scania. VW hatte die Kritik an den Doppelfunktionen stets zurückgewiesen. Die Manager wüssten sehr wohl zwischen ihren Rollen zu unterscheiden. Die Wahl der Vorschläge gilt angesichts der Mehrheitsverhältnisse auf der Hauptversammlung als sicher.

Von

dapd

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