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14.04.2015

14:48 Uhr

Schrumpfende Bestellungen

Chinesische Konkurrenz sorgt die Bahnindustrie

Die Bahnindustrie hat 2014 einen Umsatzrekord verzeichnet. Doch danach ging es für die Branche bergab: Angesichts politischer Spannungen und der starken Konkurrenz müssen die deutschen Konzerne bangen.

Die deutsche Bahnindustrie bangt um ihre Aufträge. ap

Ein Lokomotive bei Frankfurt

Die deutsche Bahnindustrie bangt um ihre Aufträge.

BerlinDie Bahnindustrie sorgt sich angesichts der Russland-Sanktionen und wachsender chinesischer Konkurrenz um ihre Aufträge. Die Bestellungen seien 2014 um über ein Drittel auf rund 9,5 Milliarden Euro geschrumpft, beklagte der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) am Dienstag in Berlin. „Das ist enttäuschend“, sagte VDB-Präsident Martin Lange. Dies trübe auch das Umsatzplus von rund einem Viertel auf den Rekordwert von 12,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dieser fußt noch auf dem größten Auftrag in der Geschichte der Deutschen Bahn über ICE-Nachfolger, der sich nun im Umsatz niederschlägt.

Verbandschef Lange machte für den Auftragsrückgang die von der EU wegen des Ukraine-Konflikts verhängten Russland-Sanktionen verantwortlich. Dies treibe Russland wiederum in die Hände Chinas, das in der Bahntechnik immer stärker auf den Export setze. Dazu trage auch die Fusion der beiden führenden chinesischen Zugproduzenten CNR und CSR bei. Das neue Unternehmen sei jetzt so groß wie die Bahntechniksparten der bislang weltweit führenden Hersteller Siemens, Bombardier und Alstom zusammen, sagte Lange. Man werde beobachten, welche Märkte die Chinesen ins Visier nähmen.

Die Zughersteller in Deutschland müssten sich auf verschärften internationalen Wettbewerb einstellen. Zudem habe es in Deutschland im vergangenen Jahr vor allem bei Regionalzügen kaum Bestellungen gegeben. Auch die Aufträge für Stellwerke oder Signalanlagen seien hinter den Erwartungen geblieben.

Lange geht allerdings davon aus, dass sich dies in diesem Jahr ändert: Einen ersten Großauftrag für Züge des Rhein-Ruhr-Express gab es bereits. Weitere Verkehrsaufträge würden im Laufe des Jahres in Baden-Württemberg vergeben, was auch mit der Bestellung neuer Züge verbunden ist. Einen Schub verspricht sich die Branche von den Vereinbarungen zwischen Deutscher Bahn und Bund zur Aufrüstung des Schienennetzes: Statt bisher 2,5 Milliarden Euro sollen jetzt um die vier Milliarden Euro jährlich ins Netz fließen. „Die Industrie ist in den Startlöchern und wartet auf die Ausschreibungen“, sagte Lange. Er verwies darauf, dass ein Drittel der Stellwerke älter als 80 Jahre seien und ein Teil in der Kaiserzeit gebaut wurden.

Die Branche ist in der Bundesrepublik stark vertreten. Die deutsche Bahnindustrie erzielt etwa je die Hälfte ihres Umsatzes im In- und Ausland. Die Zahl der Mitarbeiter stieg 2014 um vier Prozent auf gut 52.000.

Von

rtr

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