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13.06.2014

12:45 Uhr

Schub für Elektroautos

Tesla legt seine Patente offen

Es ist ein Versuch, die Verbreitung von Elektroautos zu erhöhen: Der Elektro-Pionier Tesla will seine Patente offenlegen und auch der Konkurrenz zugänglich machen. Eine Kooperation mit BMW könnte hinzukommen.

Kalkül oder Transparenz?

Tesla legt Patente offen

Kalkül oder Transparenz?: Tesla legt Patente offen

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Los Angeles/DüsseldorfEs ist eine Wette mit ungewissem Ausgang: Wie Tesla-Gründer Elon Musk auf dem Firmenblog des Eletroautobauers verkündete, will das Unternehmen auf einen weiteren Schutz seiner Patente verzichten – und so die Technik des hochgelobten Model S auch der Konkurrenz offenlegen.

Das Kalkül hinter der Idee: Wenn auch andere Autohersteller die Tesla-Technologie mit nur geringen Entwicklungskosten nutzen können, steigt die Verbreitung von Elektroautos allgemein – wovon dann auch wieder Tesla selbst über ein besseres Lade-Netz und ein höheres Bewusstsein für E-Autos profitiert. Doch es ist eine Wette – der Verlust der exklusiven Technologie könnte auch nach hinten losgehen.

Die Tesla-Chronik von 2003 bis 2013

2003, der Beginn

Zwei Teams um den US-Ingenieur Martin Eberhard und den Milliardär Elon Musk entwerfen die Vision eines Elektrofahrzeugs, das mit Akkus angetrieben wird. Auf der Basis des Prototyps T-Zero. Neben Musk stecken auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page und der eBay-Gründer Jeff Skoll Geld in das Projekt.

2006, Premiere des Roadster

Drei Jahre arbeitet Tesla am ersten Modell, im Juli 2006 stellt das Unternehmen den Roadster vor. Der zweisitzige Sportwagen auf der Basis des britischen Leichtgewicht-Roadster Lotus Elise verfügt über einen 215 kW (292 PS) starken Elektromotor, der seine Energie aus 6.831 Lithium-Ionen-Notebook-Akkus bezieht.  

2007, Eberhard geht

Im August 2007 tritt der damalige CEO Martin Eberhard zurück, im Dezember 2007 verlässt er das Unternehmen komplett. Am Ende landet der Streit der Gründer fast vor Gericht – bis eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann.

Mai 2009, Einstieg der Konzerne

Musks finanzielle Mittel alleine reichen zum Wachstum nicht mehr aus. Mit Daimler und Toyota steigen zwei große Autokonzerne bei Tesla ein. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiterhin Millionenverluste.

September 2009, Premiere Model S

Lange war der Bau einer eigenen Limousine unter dem Codenamen „WhiteStar“ geplant. Auf der IAA in Frankfurt feiert das Model S, eine 5-sitzige Limousine die Premiere. Anfangs übernimmt Lotus die Fertigung. Ab 2011 wird das Modell in einer ehemaligen Toyota-Fabrik in Freemont gebaut. Pro Jahr werden zunächst 10.000 Modelle gefertigt.

Januar 2010, Geldspritze vom Staat

Tesla erhält vom US-Energieministerium einen Kredit über 450 Millionen Dollar. Das Geld investiert das Unternehmen in den Aufbau einer eigenen Fertigung.

Juni 2010, IPO

Musk wagt den Börsengang. Mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar geht der Elektrohersteller in den Handel – und macht den Gründer wieder reich. Über Nacht erreicht erreichen die Anteile von Musk einen Wert von 650 Millionen Dollar, obwohl das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gewinne gemacht hat.

2012, SUV-Pläne

Tesla veröffentlicht Pläne einen eigenen SUV an den Start zu bringen. Das Model X soll im Sommer 2015 erstmals ausgeliefert werden und die Modellpalette von Tesla erweitern.

2013, erstmals profitabel

Endlich schreibt Tesla schwarze Zahlen. Auch den Millionenkredit des Staats zahlt das Unternehmen neun Jahre früher als es nötig gewesen wäre. Mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen nimmt das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar ein. Der Aktienkurs des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 147 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Fiat.

Tesla werde keine Patentklagen gegen all diejenigen anstreben, die „in gutem Glauben unsere Technologie nutzen wollen“, so Musk. „Tesla wurde gegründet, um die Einführung nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen. Wenn wir einen Weg zum Bau attraktiver Elektroautos aufzeigen wollen, dann aber die Landminen des geistigen Eigentums auswerfen um andere behindern, agieren wir genau im Gegensatz zu diesem Ziel.“

Noch bei der Hauptversammlung vergangene Woche hatte Musk gesagt, zu wenige Autohersteller würden „ernsthafte“ Elektroautos anbieten. Zudem versprach er, etwas dagegen tun zu wollen – was er jetzt mit der Aufgabe der Patente getan hat.

Nach Daimler könnte auch der Münchener Autobauer BMW will mit dem amerikanischen Elektroauto-Pionier Tesla enger zusammenarbeiten. Manager beider Unternehmen hätten sich am Mittwoch getroffen, erklärte BMW am Freitag. Es sei diskutiert worden, wie die Entwicklung der Elektromobilität international vorangetrieben werden könne.

Umweltschonende Elektroautos sind bisher kaum verbreitet. Die Technik ist noch zu teuer, die Batterien haben eine geringe Reichweite und brauchen viel Zeit zum Laden, und die Ladeinfrastruktur ist noch viel zu lückenhaft. Tesla baut in Deutschland bereits mit der Deutschen Bahn ein Netzwerk an Schnell-Ladestationen an Autobahnen auf. Um dieses Thema ging es auch bei den Gesprächen mit BMW.

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