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28.03.2011

00:16 Uhr

Porsche will mit neuen Aktien durchstarten. Quelle: dapd

Porsche will mit neuen Aktien durchstarten.

StuttgartDie Porsche Holding will mit einer Kapitalerhöhung ihren Schuldenstand verringern.

Das Unternehmen will ab Mittwoch bis zu 131,25 Millionen neue Aktien platzieren und damit auf einen Schlag einen Großteil ihrer erdrückenden Verbindlichkeiten loswerden.

Bei der am Sonntag von Vorstand und Aufsichtsrat gebilligten Kapitalerhöhung sollen netto rund 4,89 Milliarden Euro eingesammelt werden, wie die Porsche Holding in Stuttgart mitteilte. Der Netto-Emissionserlös werde vollständig zur Schuldentilgung genutzt. Der Bezugspreis für die neuen Stamm- und Vorzugsaktien sei mit 38 Euro je Papier festgesetzt worden.

Die Zeichnungsfrist soll nach der voraussichtlichen Billigung des Wertpapierprospekts am Montag durch die Börsenaufsichtsbehörde BaFin am Mittwoch starten und bis 12. April laufen. Altaktionäre können die neuen Aktien mit einem hohen Preisabschlag zeichnen, da sie ein Bezugsrecht auf die jungen Wertpapiere bekommen.

An der Börse wurden die Aktien der Porsche Holding, der rund 51 Prozent der Stimmrechte an VW gehören, am Freitag zu Börsenschluss bei 56,22 Euro gehandelt. Die Porsche-Anteilseigner sollen für eine Aktie in ihrem Bestand 0,75 neue Aktien beziehen können. Dieses Bezugsrecht wird an der Börse handelbar und damit auch für andere Investoren erwerbbar sein, sofern Altaktionäre ihr Bezugsrecht nicht ausüben und verkaufen. Investoren, die über die Kapitalerhöhung bei Porsche einsteigen wollen, müssen das Bezugsrecht erwerben und zusätzlich den Bezugspreis je Aktie entrichten.

Die Porsche Holding hatte zuletzt Schulden von rund 6,5 Milliarden Euro in ihren Büchern, nach erfolgreicher Kapitalerhöhung würde der Schuldenstand auf rund 1,5 Milliarden Euro sinken. Den Schulden stehen Vermögenswerte, vor allem in Form der noch 50,1-prozentigen Beteiligung an der Porsche AG, gegenüber. Die übrigen 49,9 Prozent an der Porsche AG, in der das Fahrzeuggeschäft gebündelt ist, hatte die Holding bereits zum Schuldenabbau für mehrere Milliarden Euro an VW veräußert.

Mit dem Wolfsburger VW-Konzern will die Porsche Holding möglichst schnell fusionieren, um durch die gemeinsame Entwicklung neuer Fahrzeuge und die Nutzung gemeinsamer Ressourcen Kosten zu sparen. Eine der Voraussetzungen für diesen bereits im Jahr 2009 vereinbarten Zusammenschluss ist die Entschuldung der Porsche Holding, bei der im Sommer eine Kreditlinie über 2,5 Milliarden Euro fällig wird.

Die Stammaktionäre der Porsche Holding, die Milliardärsfamilien Porsche und Piech sowie das Scheichtum Katar, haben sich zur Zeichnung der neuen Aktien verpflichtet und werden daher zusammen 2,5 Milliarden Euro zur Kapitalspritze beisteuern. Die restlichen 2,5 Milliarden sollen die Vorzugsaktionäre beitragen. Greifen sie in geringerem Maße als erwartet zu, könnte Kreisen zufolge Katar auch Vorzüge kaufen und damit die Kapitalspritze absichern.

Die Kapitalerhöhung muss einem Hauptversammlungsbeschluss zufolge bis Ende Mai durchgezogen sein. Der in Personalunion bei VW und Porsche als Finanzvorstand tätige Hans Dieter Pötsch hatte unter dem Eindruck der jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten nach der Erdbeben- und Atom-Katastrophe in Japan gesagt, er hätte sich einen besseren Zeitpunkt für die Finanzspritze gewünscht.

Auch nach einer erfolgreichen Kapitalerhöhung ist der Weg für eine Fusion der Porsche Holding und VW aber noch nicht frei: Mögliche Stolpersteine sind vor allem mehrere Klagen von Fondsinvestoren gegen die Porsche Holding in den USA wegen angeblicher Marktmanipulation im Zusammenhang mit der letztlich gescheiterten Übernahme von VW, auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang gegen ehemalige Top-Manager von Porsche.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es bis dieses Jahres zum Zusammenschluss kommt, schätzten VW und Porsche zuletzt nur noch mit 50 Prozent ein. Der Zusammenschluss von Porsche und VW kann allerdings gegebenenfalls auch noch im kommenden Jahr oder noch später vollzogen werden.

Reuters

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