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31.07.2011

12:13 Uhr

Schuldenkrise

Griechen schulden deutscher Pharmaindustrie Milliarden

Mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro soll Griechenland bei deutschen Pharmaunternehmen in der Schuld stehen. Die Chancen auf eine Rückzahlung der ausstehenden Forderungen stehen schlecht.

Der Mond zwischen der Göttin Athena und einer griechischen Flagge. Quelle: dapd

Der Mond zwischen der Göttin Athena und einer griechischen Flagge.

HamburgDie Schuldenkrise in Griechenland bekommt auch die deutsche Pharmaindustrie zu spüren. Nach Angaben des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat das Land seit 2010 einen Schuldenberg in Höhe von 1,2 Milliarden Euro bei hiesigen Unternehmen angehäuft. „Entgegen der Aussagen von griechischer Seite haben die griechischen Krankenhäuser trotz der Preissenkungen im Jahr 2010 bisher nur einen Teil der Außenstände für Arzneimittel bezahlt“, sagte ein BPI-Sprecher dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Die Zahlungsschwierigkeiten Griechenlands bestünden zwar schon seit mehreren Jahren. Zwischen 2005 und 2009 seien die Schulden jedoch mit Anleihen beglichen worden, „bei deren Einlösung die pharmazeutischen Unternehmen einen durchschnittlichen Abschlag von 25 bis 30 Prozent akzeptieren mussten“. Die Aussichten auf eine Rückzahlung der Verbindlichkeiten stehen für die deutschen Firmen schlecht, mutmaßt der „Spiegel“. Der griechische Haushalt für 2011 sieht Einsparungen von 14 Milliarden Euro vor, auch das Gesundheitssystem ist betroffen.

Die 17 Chefs der Euroländer einigten sich am Donnerstag vor einer Woche auf einem Krisengipfel auf eine gemeinsame Strategie zur Rettung Griechenlands und zur Stabilisierung der gesamten Eurozone. Das zweite Hilfspaket wird Athen 109 Milliarden Euro an frischem Geld bringen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte zudem die Beteiligung des privaten Sektors durchsetzen - der Beitrag der Banken wird mit weiteren 37 Milliarden Euro angegeben. Die Pläne der EU-Kommission sollen weiterverfolgt werden, eine europäische Ratingagentur gegen die Macht der bislang amerikanisch dominierten Agenturen zu etablieren.

Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.

Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

31.07.2011, 12:31 Uhr

"Die Schuldenkrise in Griechenland bekommt auch die deutsche Pharmaindustrie zu spüren." Das ist so nur teilweise richtig. Die Zahlungsrückstände gehen zum Teil bis auf das Jahr 2005 zurück. Von Schuldenkrise war damals noch nichts zu spüren. Vielmehr ist das Verhalten der griechischen Abnehmer landestypisch, störte bislang aber die Produzenten wenig, da viele Groß-Lieferungen über deutsche Hermes-Bürgschaften (zum Schaden deutscher Steuerzahler) abgesichert waren. Dies ist nebenbei auch kein nur den Pharmabereich betreffendes Phänomen. In fast allen Wirtschaftsbereichen gibt es immensen Außenstände von den griechischen oder südeuropäischen Abnehmern. Die Zahlen werden derzeit jedoch nur noch zögerlich veröffentlicht, da sie weiteres Öl im Feuer der panischen Finanzmärkte wären. Selbst die Außenstände der Bundesbank von über 300 Mrd. Euro (!!!) finden in der Presse kaum eine Erwähnung - eigentlich ein Skandal.

Petra

31.07.2011, 12:43 Uhr

Wer den Griechen noch Geld gibt ist selbst schuld und einfach nur noch geldgeil! Die Tatsachen der letzten Jahre (erschwindeltet EU-Beitritt, über Jahre hinweg vorsätzlich falsche Bilanzen, Nichteinhaltung von Zusagen,...) sollten jeden Kreditgeber abschrecken. Selbst für 50% Zinsen würde ich den Griechen keinen Cent leihen! Denn wer weiß, ob die Griechen einen noch Dümmeren finden, der ihnen Geld gibt um die Zinsen/Tilgung zu finanzieren.

Thomas-Melber-Stuttgart

31.07.2011, 12:45 Uhr

Dann sollen einredefreie Forderungen aus dem deutschen Anteil am "Rettungsschirm" vorgestreckt werden.

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